Marktbericht
Tiefrote Vorgaben aus der internationalen Tech-Branche belasten zum Wochenschluss den deutschen Aktienmarkt. Auf Wochensicht zeichnet sich ein Minus von 1,3 Prozent ab.
Ein globaler Absturz bei Tech-Aktien belastet die Börsen rund um den Globus und hat auch den deutschen Leitindex in Mitleidenschaft gezogen. Im frühen Handel büßte der DAX 0,7 Prozent auf 24.739 Punkte ein. Damit zeichnet sich ein Wochenverlust von 1,3 Prozent ab. Seit dem Rekordhoch von 25.900 Punkten Anfang vergangener Woche hat der DAX inzwischen 4,5 Prozent eingebüßt.
Marktexperte Stephen Innes verwies zum einen auf Gewinnmitnahmen. Druck auf den Markt komme aber auch durch eine Korrektur bei Anlageprodukten, die mit Hebel – also im Grunde auf Pump – Investments in KI-Aktien erlaubt hätten. Dieser Korrekturprozess könnte noch eine Weile andauern.
Marktanalyst Jochen Stanzl von der Consorsbank konstatierte eine zunehmende Angst der Anleger, dass mit der Korrektur der Halbleiter- und KI-Titel “zunehmend andere, vielleicht unbeteiligte Aktien in Sippenhaft genommen werden”. Denn “je stärker die Kurse fallen, desto größer wird der Zwang, ausufernde Verluste bei Technologieaktien durch den Verkauf anderer Werte auszugleichen”.
Und auch die Lage im Nahen Osten beschäftigt die Anleger weiterhin: Die eskalierenden Spannungen trieben die Ölpreise zuletzt auf den höchsten Wochengewinn seit drei Monaten. Auslöser waren neue Angriffe der USA auf iranische Ziele, die Befürchtungen über mögliche Zerstörungen der Ölinfrastruktur weckten.
Am Rohstoffmarkt verteuerte sich die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee um 0,8 Prozent auf 84,86 Dollar je Barrel (159 Liter). Das US-Öl WTI notierte 0,9 Prozent fester bei 79,65 Dollar. Auf Wochensicht steuern beide Sorten damit auf ein Plus von mehr als elf Prozent zu.
Längst sind die Folgen des Ölpreis-Schocks auch in der Eurozone angekommen. Die Inflation dürfte sich im Juni auf erhöhtem Niveau stabilisiert haben. Klarheit bringen am Vormittag die finalen Daten des EU-Statistikamts, das in einer vorläufigen Schätzzahl eine Jahresteuerungsrate von 2,8 Prozent ermittelt hat. Damit blieb der Preisauftrieb genauso hoch wie im Mai.
Die Folgen des Iran-Krieges schlagen sich auch an anderer Stelle nieder: Die Stimmung in der deutschen Reisebranche hat sich wegen des Iran-Kriegs deutlich eingetrübt. Das Barometer für das Geschäftsklima von Reisebüros und Reiseveranstaltern fiel im Juni auf minus 32,0 Punkte, von minus 30,3 Zählern im Mai, wie das Münchner ifo Institut zu seiner Umfrage mittelte. “Viele Reisende waren besonders zu Beginn des Iran-Konflikts in ihren Urlaubsplänen verunsichert”, sagte ifo-Branchenexperte Patrick Höppner.
Deutlich positiver ist die Stimmung in der deutschen Industrie: Die Auftragsbücher sind so gut gefüllt wie seit über einem Jahrzehnt nicht mehr. Der Bestand an offenen Bestellungen wuchs im Mai um 1,7 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das war der stärkste Anstieg seit September 2021, als es Nachholeffekte wegen der Corona-Pandemie gab.
Der Gesamtmarkt in New York stand am Donnerstag derweil ebenfalls unter Druck: So brockte ein Ausverkauf bei Chip-Aktien der Wall Street Verluste ein. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,2 Prozent tiefer auf 52.553 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 gab 0,5 Prozent auf 7.534 Zähler nach. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 1,5 Prozent auf 25.882 Punkte.
Gleichzeitig kommen die Zinssorgen zurück: Die Präsidentin der regionalen Notenbank von Dallas, Lorie Logan, hat sich öffentlich für eine Zinserhöhung ausgesprochen. Und auch der Vize-Chef der US-Notenbank Fed, Philip Jefferson, schließt angesichts der hartnäckigen Inflation eine weitere Zinserhöhung nicht aus.
“Sollte sich die tatsächliche Inflation jedoch nicht bald abkühlen, halte ich es für angebracht, unseren derzeitigen geldpolitischen Kurs zu überdenken, um sicherzustellen, dass wir unserer Verpflichtung zur Gewährleistung der Preisstabilität nachkommen”, sagte Jefferson.
Der weltweite Ausverkauf bei Chip-Werten hat am Morgen auch die asiatischen Aktienmärkte auf Talfahrt geschickt. Der japanische Leitindex Nikkei stürzte um mehr als fünf Prozent ab, während der breiter gefasste Topix um 3,3 Prozent nachgab. In China verloren der Shanghai-Composite und der CSI 300 rund 2,5 und drei Prozent.
Der technologielastige Aktienmarkt in Südkorea blieb feiertagsbedingt geschlossen. “Der Markt scheint von den hohen Gewinnerwartungen für halbleiterbezogene Unternehmen hin- und hergerissen zu sein”, erklärten die Analysten der Sony Financial Group.
Der Hersteller von Wechselrichtern SMA Solar wird nach einem erfolgreichen Quartal noch zuversichtlicher für das laufende Jahr. 2026 dürfte der Umsatz bei 1,625 bis 1,725 Milliarden Euro liegen, teilte das Unternehmen am späten Donnerstagabend mit. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) soll nun bei 180 bis 230 Millionen Euro liegen, nach oberes Drittel von 50 bis 180 Millionen Euro zuvor. Die neuen Prognosen liegen über den bisherigen Erwartungen von Experten.
Der US-Zahlungsabwickler PayPal hält das 53 Milliarden Dollar schwere Übernahmeangebot des Konkurrenten Stripe und des Finanzinvestors Advent Insidern zufolge für zu niedrig. Der Verwaltungsrat sei der Ansicht, dass die Offerte von 60,50 Dollar je Aktie den Wert des Unternehmens unterschätze und zudem auf regulatorische sowie finanzielle Hürden stoßen könnte, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag (Ortszeit).
Netflix hat im vergangenen Quartal Sorgen von Anlegern zum Trotz Umsatz und Gewinn deutlich gesteigert. Zugleich will der Videostreaming-Marktführer künftig nur noch jährlich statt zwei Mal pro Jahr Angaben zur Popularität seiner Filme und Serien vorlegen. Die Aktie fiel in einer ersten Reaktion im nachbörslichen US-Handel um mehr als sieben Prozent.
Quelle:
www.tagesschau.de



