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Nach Dopingsperre: Victoria Carl hat ihr Comeback vor Augen und Falun im Hinterkopf

Stand: 28.07.2026 • 14:35 Uhr

Eine positive Dopingprobe zog Victoria Carl im letzten Jahr “den Boden unter den Füßen weg”. Doch die Hoffnung ist zurück. Die Skilanglauf-Olympiasiegerin arbeitet hart für ihre Weltcup-Rückkehr und hat noch einiges vor.

Nur noch knapp neun Wochen muss sich Victoria Carl gedulden, dann hat die Skilangläuferin aus Zella-Mehlis nach monatelanger Leidenszeit endlich einen wegweisenden Meilenstein in Richtung Weltcup-Comeback erreicht. “Einfach nicht mehr allein sein, einfach wieder den Teamspirit mitnehmen”, blickt Carl im Interview mit dem MDR voller Vorfreude und Erleichterung auf den 26. September voraus. Von da an darf die Thüringerin, die an diesem Freitag ihren 31. Geburtstag feiert, wieder ins Nationalmannschaftstraining einsteigen.

2025: Erst ganz oben in der Weltspitze, dann der Dopingschock

Auch das war der Sensationsolympiasiegerin im Teamsprint von 2022 seit über einem Jahr verboten. Denn Victoria Carl sitzt eine 18-monatige Dopingsperre ab. Eine Ende März 2025 bei den Militärweltspielen vorgenommene Dopingprobe schlug positiv auf die verbotene Substanz Clenbuterol an. Carl litt bei besagtem Wettkampf unter einer schweren Bronchitis, die mit heftigen Hustenattacken einherging. Laut Deutschem Skiverband (DSV) hatte der zuständige Bundeswehrarzt ohne ihr Wissen statt des bestellten und dopingtechnisch unbedenklichen Hustensafts Mucosolvan das Kombinationspräparat Spasmo Mucosolvan verabreicht – ein Wirkstoff darin: Clenbuterol.

Februar 2025: Victoria Carl (4.v.re.) bejubelt mit ihren DSV-Teamkolleginnen WM-Staffelbronze in Trondheim. Nur wenige Wochen später wird sie bei der Militär-WM positiv getestet.

Nach vergeblicher Hoffnung auf ein milderes Urteil verhängte die Nationale Anti-Doping Agentur (NADA) nach vorläufiger Suspendierung jene Sperre, die vom unabhängigen Deutschen Sportschiedsgericht (DIS) im vergangenen April rückwirkend auf eineinhalb Jahre festgelegt wurde. Die Weltklasseathletin Carl, 2025 noch Gesamtweltcup-Zweite und eine der großen DSV-Medaillenhoffnungen für Olympia 2026, verpasste die zurückliegende Saison mitsamt des Höhepunkts in Cortina d’Ampezzo. “Mir hat’s den Boden unter den Füßen weggezogen”, gesteht sie.

Olympia 2026: “Alles in Richtung Ski komplett ausgelassen”

Die Winterspiele in Italien versuchte sie bestmöglich zu vermeiden. Sportarten wie beispielsweise das Rodeln mit ihrem Thüringer Landsmann Max Langenhan “gingen besser, aber alles, was in Richtung Ski ging, habe ich komplett ausgelassen, weil’s mir mental einfach nicht gutgetan hat”, bekennt Carl. Jedoch traute sie sich, das unerwartete Teamsprint-Bronze durch Coletta Rydzeks fulminanten Zielsprint im Nachgang noch anzusehen. “Der war einfach so stark und so eng, den musste man einfach noch mal gucken.”

Carl war vollkommen auf sich allein gestellt

Auch wenn ihr an diesem Karriereschock mitverantwortlicher Arbeitgeber – die Bundeswehr – “mich weiterhin sehr gut unterstützt” und ihr genauso die Treue hielt wie allen voran die Familie, die Heimatstadt, das Land Thüringen und auch der DSV, war Victoria Carl sportlich derweil vollkommen auf sich gestellt. Sie musste ohne Kontakt zu Trainer und Team auskommen, alles selbst bewerkstelligen, Übungspläne konzipieren, Trainingslager und Unterkünfte organisieren – und vor allem immer wieder den eigenen Schweinehund überwinden, den Kampf gegen sich allein und die eigenen Zeiten.

In der kommenden Weltcupsaison will Victoria Carl wieder angreifen.

“Es war ein Auf und Ab. Mal hat man richtig Spaß. Aber es gab natürlich auch die Tage, wo es einfach gar nicht ging”, erzählt Carl. Aus der Öffentlichkeit zog sie sich dabei komplett zurück: “Um mich selber zu schützen und um mich voll und ganz aufs Training zu konzentrieren.”

WM in Schweden: Hoffnung auf das Saison-Highlight

Trotz aller Tränen, Täler und Gedanken ans womögliche Karriereende hat Victoria Carl in der Gegenwart längst neue Motivation gefasst – und wieder Ziele vor Augen. “Ich möchte natürlich an meine Vorsaison anknüpfen, aber wir werden übers Training mit der Mannschaft sehen, wo ich dann stehe”, sagt sie.

Am 25. November 2026 läuft ihre Wettkampfsperre offiziell aus. Zwei Tage später beginnt im finnischen Ruka die neue Weltcupsaison. Ende Februar 2027 wartet das Saisonhighlight mit den Nordischen Skiweltmeisterschaften im schwedischen Falun. Genau dort hatte sie 2015 als 19-Jährige an ihrer ersten WM teilgenommen. Ihr liegen die Strecken, dort fühle sie sich wohl, meint Carl: “Da versuche ich natürlich, um die Medaillen mitzukämpfen.”

mhe/MDR Thüringen


Quelle:

www.sportschau.de

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