In der Nacht hat das US-Militär erneut Ziele in Iran bombardiert. Damit solle die Fähigkeit Teherans eingeschränkt werden, Handelsschiffe in der Straße von Hormus zu attackieren, hieß es. Iran reagierte mit Gegenangriffen.
Das US-Militär hat nach eigenen Angaben neue Angriffe auf Iran gestartet. Dabei seien unter anderem iranische Flugabwehrsysteme und Radarstationen ins Visier genommen worden, teilte das zuständige US-Regionalkommando Centcom mit. Das Ziel sei gewesen, die Fähigkeit Irans einzuschränken, Handelsschiffe in der Straße von Hormus anzugreifen.
Boote der Revolutionsgarde angegriffen
Am Morgen erklärte das US-Militär dann, die Angriffswelle sei abgeschlossen. Dutzende Ziele seien an mehreren Standorten mit Präzisionsmunition getroffen worden. Neben Kampfflugzeugen und Flugdrohnen wurden diesmal laut Centcom auch erstmals schwimmende Drohnen eingesetzt. Flugabwehrsysteme, Radaranlagen, Raketenstellungen und Drohnenstandorte sowie kleinere Boote seien zerstört worden.
Iranischen Staatsmedien zufolge richteten sich die US-Angriffe gegen Gebiete im Süden und Westen des Landes. Zu den Zielen gehörten demnach die Golfinsel Keschm in der Straße von Hormus und Bandar Abbas sowie die an den Irak grenzende Provinz Chusestan. Bei einem US-Angriff auf die Stadt Mahschahr in Chusestan sei ein Mensch getötet worden, meldete die staatliche iranische Nachrichtenagentur Irna. Vier weitere Menschen seien verletzt worden.
Konfliktparteien als Quelle
Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der Konfliktparteien können nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.
Iran reagiert mit Beschuss von Golfstaaten
Teheran verurteilte die Angriffe. Diese hätten alle diplomatischen Bemühungen der vergangenen Monate zunichte gemacht, erklärte das iranische Außenministerium. Die USA hätten zudem “eine Rückkehr der Unsicherheit in der Straße von Hormus sowie Störungen der internationalen Handelsschifffahrt verursacht”.
Als Reaktion beschoss Iran US-Basen in der Region. Die Revolutionsgarde attackierte nach Angaben von Staatsmedien Militärziele und -stützpunkte in Jordanien, Kuwait und Bahrain. Jordanien gab an, vier iranische Raketen abgeschossen zu haben – auch Kuwait bestätigte abgewehrte Angriffe.
Vierte Nacht mit Angriffen
Es ist bereits die vierte Angriffswelle der USA, seit die Feindseligkeiten in der Nacht zu Mittwoch wieder aufflammten. Die US-Armee hatte bereits in der Nacht zum Sonntag nach eigenen Angaben rund 140 militärische Ziele in Iran angegriffen, nachdem die Revolutionsgarde ein Schiff in der Straße von Hormus attackiert hatte.
Teheran reagierte mit Angriffen auf Ziele in mehreren Golfstaaten. Außerdem erklärte die Revolutionsgarde, die für den Welthandel bedeutende Straße von Hormus bleibe “bis auf Weiteres und bis zum Ende der amerikanischen Interventionen in dieser Region gesperrt”. Die US-Armee wies dies zurück. “Der Iran kontrolliert die Meerenge nicht. Der Verkehr fließt”, erklärte Centcom.
Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete auf Grundlage von Daten des Schiffstrackingdienstes Kpler jedoch, dass der Verkehr in der Meerenge am Sonntag auf den niedrigsten Stand seit Wochen gesunken sei. Lediglich sechs Schiffe hätten die Straße von Hormus durchquert.
Guterres ruft zur Rückkehr zu Verhandlungen auf
UN-Generalsekretär António Guterres hatte sich nach Beginn der jüngsten Angriffswelle besorgt über die “erhebliche Eskalation” gezeigt. Eine Rückkehr zu umfassenden Kampfhandlungen hätte katastrophale Folgen für die Sicherheit der Region und die Weltwirtschaft, warnte er auf X. “Ich rufe den Iran und die USA nachdrücklich auf, die Verhandlungen unverzüglich wieder aufzunehmen und offene Fragen auf diplomatischem Wege zu lösen.”
Auch der Vermittlerstaat der eigentlich geltenden Waffenruhe, Pakistan, hatte die USA und den Iran angesichts der erneuten militärischen Eskalation zu Zurückhaltung aufgerufen. Man fordere alle Seiten auf, ihren Verpflichtungen aus dem Mitte Juni unterzeichneten Rahmenabkommen zur Beendigung des Iran-Krieges nachzukommen, hieß es. US-Präsident Donald Trump hatte die Vereinbarungen in der vergangenen Woche für hinfällig erklärt.
Quelle:
www.tagesschau.de




