Die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg bereiten sich im Weimarer Land auf die neue Bundesliga-Saison vor. Erneut haben wichtige Spielerinnen den Club verlassen, die Hierarchie im europäischen Frauenfußball verändert sich – der VfL will sich dennoch behaupten.
Einer der Platzwarte reibt sich verwundert die Augen. “Was ist das, Kindergarten?”, fragt er mit Blick auf die große Gruppe lachender und kreischender Wolfsburgerinnen auf dem Trainingsplatz. Verschiedene Spielerinnen werden von ihren Teamkolleginnen lautstark angefeuert – bis Mittelfeldspielerin Weronika Araśniewicz den Wettbewerb gewonnen hat. Den im “Schnick, Schnack, Schnuck”, offenbar für Stimmen und Lachmuskeln ein gutes Aufwärmtraining.
“So ein Spiel zum Beginn fördert auch die Kommunikation”, erläutert Trainer Stephan Lerch. “Spaß darf es ohnehin immer machen, ohne sollte man gar nichts machen.Von daher ist das auch unser Credo, dass wir zwar intensiv arbeiten wollen, dass wir in den einzelnen Formen auch den Fokus dann haben, aber es darf gerne auch gelacht werden.”
Zehn Abgänge nach dem Ende der vergangenen Saison
Für Lerch geht es erneut darum, in den kommenden Wochen ein Team zu formen. Zwar fällt der Umbruch nicht ganz so groß aus wie im vergangenen Sommer, als fünfzehn Spielerinnen den VfL verließen.
Zehn sind es aber auch diesmal – dazu zählen einige Stammspielerinnen wie Clubikone Alexandra Popp, Torjägerin Lineth Beerensteyn, Verteidigerin Janou Levels und Mittelfeldspielerin Justine Kielland, die es ebenso wie Angreiferin Vivien Endemann nach England zog. Beerensteyn und Levels wechseln zu Real Madrid, das in Spanien mit gewaltigen Mitteln versucht, die Vormachtstellung des FC Barcelona zu beenden.
Was in diesem Sommer passiert, ist enorm.
Für Levels sollen die “Königlichen” rund 600.000 Euro an den Mittellandkanal überwiesen haben. Und der Transfer der Niederländerin ist einer von mehreren, der aktuell zu solch hohen Erlösen führt – bislang im Frauenfußball die Ausnahme.
“Diese Entwicklung geht rasend schnell voran. Was in diesem Sommer passiert, ist enorm”, so Lerch. “Viele Vereine, national wie international, meinen es sehr ernst mit dem Frauenfußball, was natürlich sehr positiv ist. Die Aufmerksamkeit geht nach oben, was sich auch die Spielerinnen verdient haben.”
VfL als “Entwicklungsplattform”
Die Kehrseite: Lerch musste seine etablierte Linksverteidigerin Levels – eine der besten der Liga – zum Beginn der Vorbereitung ziehen lassen und ersetzen. “Ich denke, man muss einfach dann Strategien finden, wie man nach wie vor seine Ambitionen umgesetzt bekommt. Ich denke aber, dass wir in Wolfsburg wirklich sehr gute Bedingungen haben für die Spielerinnen. Dass wir sehr ambitioniert sowohl national und international auch weiterhin vertreten sind. Und der VfL kann eine Entwicklungsplattform sein.”
Der Levels-Transfer beweist im Grunde genau das: Nach nur einer starken Saison in Wolfsburg hat die 25-Jährige sich für Real empfohlen.
Sieben Neuzugänge in Wolfsburg
Bislang hat der VfL sieben Neuzugänge verpflichtet, darunter die aktuell noch verletzte Nationalstürmerin Giovanna Hoffmann von RB Leipzig und Mittelfeldspielerin Katharina Piljic von Bayer Leverkusen. Die Kaderplanung ist laut Lerch aber noch nicht abgeschlossen.
Die vergangene Saison ist für den VfL durchaus erfolgreich verlaufen. Zwar war das Team gegen die Serienmeisterinnen aus München chancenlos und lag am Ende 16 Punkte hinter den Bayern, der zweite Platz aber konnte gehalten werden, auch, weil den Verfolgerinnen aus Frankfurt, Hoffenheim und Leverkusen die Konstanz fehlte. Der Einzug ins Pokalfinale und insbesondere der ins Viertelfinale der Champions League verdienen Anerkennung.
Minge: “Wollen Bayern-Jäger Nummer eins sein”
“Ich glaube, das hätte uns vorher auch niemand zugetraut”, sagt Kapitänin Janina Minge. “Wir wollen nach wie vor Bayern-Jäger Nummer eins sein. Wir wollen nach wie vor um Titel mitspielen. Und so werden wir auch diese Saison wieder angehen.”
Ihr Trainer gibt sich etwas defensiver: “Träumen darf man und natürlich wäre das schön, wenn wir das Erreichte der letzten Saison bestätigen können”, sagt Lerch. “Wir wissen aber auch, dass die Konkurrenz größer geworden ist. Da muss dann schon viel zusammenpassen. Wir müssen Spielerinnen neu integrieren, aber klar wollen wir bestmöglich durch die Saison kommen.”
Vorbereitung auf die Qualifikation zur Champions League
Für die Champions League müssen die Wolfsburgerinnen sich zunächst qualifizieren – die Gegnerinnen in Hin- und Rückspiel Ende August stehen noch nicht fest. “Das ist uns allen extrem wichtig. Wir sind hier, um Champions League zu spielen, um international zu spielen, um viele Highlight-Spiele zu haben”, so Minge.
Dafür wollen sie bis Sonnabend im Weimarer Land den Grundstein legen. Zum Teil sind zwei Einheiten auf dem Platz pro Tag angesetzt, dazu kommen Besprechungen und andere Termine. “Man ist 24-7 mit der Mannschaft zusammen. Und da gehört natürlich auch Intensität dazu.
Jetzt in den nächsten Tagen soll es auch sehr, sehr heiß werden. Das sind irgendwie die typischen Trainingslager-Vibes. Aber darauf freuen wir uns. Da darf es auch ruhig anstrengend werden, dafür sind wir hier, dafür spielen wir Fußball und wollen uns bestmöglich dann vorbereiten.”
Quelle:
www.sportschau.de




