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VerteidigungRisiken in der Straße von Hormus - Exporteure setzen auf Pipelines

Risiken in der Straße von Hormus – Exporteure setzen auf Pipelines

Von Frieden oder nur Verständigung im Falle der Straße von Hormus ist nichts zu bemerken. Im Gegenteil: Gegenseitige Angriffe der USA und des Iran gefährden weiterhin die Öl- und Gasexporte aus der Golfregion. Für beide Länder ist die Kontrolle über die Straße von Hormus von entscheidender Bedeutung.

In den vergangenen Monaten habe der Iran gezeigt, dass er die Meerenge kontrollieren oder zumindest deren Nutzung unterbinden könne, sagt Guntram Wolff, Senior Fellow bei der Denkfabrik Bruegel und Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Freien Universität Brüssel. “Monatelange Luftangriffe haben die Fähigkeit des Iran, die Straße von Hormus zu kontrollieren, nicht beseitigt”, so Wolff.

Erneute Blockade

In dieser Woche kam der Schiffsverkehr in der Meerenge erneut fast zum Erliegen, nachdem der Iran Tanker angegriffen sowie Drohnen und Raketen auf militärische Einrichtungen in Bahrain, Kuwait und Jordanien abgefeuert hatte.

Oman Musandam 2026 | Schiffe in der Straße von Hormus
Bild: REUTERS

Die USA führten weitere Angriffe auf den Iran durch und verhängten erneut eine Seeblockade gegen dessen Häfen. Zudem hoben sie eine Ausnahmeregelung von den Sanktionen auf, die es dem Iran zuvor ermöglicht hatte, sein Öl offen zu verkaufen und so dringend benötigte Einnahmen zu erzielen.

Die Lage vor Kriegsbeginn

Vor den Angriffen Israels und der USA auf den Iran am 28. Februar war die Straße von Hormus eine mautfreie internationale Wasserstraße und diente laut der Internationalen Energieagentur (IEA) als Umschlagplatz für rund 20 Prozent des weltweit gehandelten Flüssigerdgases (LNG).

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Zudem wurden etwa 20 Prozent des weltweiten Erdöls über diese Wasserstraße aus dem Persischen Golf in das Arabische Meer und darüber hinaus transportiert. Der Löwenanteil ging nach Asien.Nach Angaben der US-Energieinformationsbehörde (EIA) entsprach dies in den letzten Jahren einer durchschnittlichen Menge von rund 20 Millionen Barrel pro Tag.

Eskalation wahrscheinlich

Im ersten Quartal sank das Transportvolumen durch die Straße von Hormus auf etwa 14,6 Millionen Barrel pro Tag und ist seit der Eskalation des Konflikts stark zurückgegangen. Ein am 17. Juni unterzeichnetes vorläufiges Waffenstillstandsabkommen zwischen den USA und dem Iran hatte der Schifffahrt zwar eine gewisse Entlastung gebracht, ist jedoch nicht mehr in Kraft.

In den vergangenen Wochen haben US-Streitkräfte Hunderte iranischer Militärziele angegriffen.Analysten warnen, dass weitere Angriffe auf den Iran Vergeltungsmaßnahmen gegen die Öl- und Gasinfrastruktur der Golfregion – einschließlich Raffinerien, Häfen und Pipelines – nach sich ziehen könnten; dies würde den Krieg für die gesamte Region kostspielig machen und zu Ölknappheit führen.

“Die begrenzten Fortschritte, die nach dem Waffenstillstand im Juni erzielt wurden, sind nun faktisch zunichtegemacht worden”, warnte das griechische Unternehmen für maritimes Risikomanagement MARISKS nach der Eskalation in der Region. “Die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Eskalation bleibt sehr hoch.”

Die Bedeutung von Öl- und Gaspipelines

Zu Beginn des Konflikts gab es Berichte, wonach der Iran 1,7 Millionen Euro pro Schiff für die Nutzung der Wasserstraße verlangte. Zuletzt wurde gefordert, dass Schiffe eine nördliche Route durch iranische Gewässer nehmen. Gleichzeitig eskortiert die US-Marine Schiffe auf einer südlichen Route, die entlang der Küste Omans auf der gegenüberliegenden Seite der Meerenge verläuft.

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Derzeit sind der Iran, der Irak, Kuwait, Katar und Bahrain auf die Straße von Hormus angewiesen, um den Großteil ihrer Ölexporte abzuwickeln. Sie suchen jetzt nach Alternativen. Einige Länder, wie Saudi-Arabien (Ost-West-Pipeline/Petroline) und die Vereinigten Arabischen Emirate (Abu Dhabi Crude Oil Pipeline), verfügen bereits über Exportrouten, die an der Meerenge vorbeiführen. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur können diese Pipelines jedoch täglich maximal 8,8 Millionen Barrel Öl umleiten.

Neue Routen, neue Risiken

Da die bestehenden Pipelines die üblichen Transportmengen über die Straße von Hormus nicht ersetzen können, ist der Ausbau neuer Pipeline-Kapazitäten eine der wenigen verbleibenden Optionen. Solche Projekte erfordern jedoch Jahre und Investitionen in Milliardenhöhe. Zudem wären auch Pipelines, die zum Roten Meer führen, möglicherweise nicht mehr sicher, sollte sich der Konflikt über die Straße von Hormus hinaus ausweiten.

Um jedoch das Arabische Meer und die asiatischen Märkte zu erreichen, müssen Tanker, die Yanbu verlassen, die Bab-el-Mandeb-Straße passieren – eine weitere Engstelle, an der die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen aus dem Jemen Angriffe verüben können. Dies würde nicht nur für die betroffenen Schiffe Probleme verursachen, sondern könnte auch eine zweite Front im Krieg eröffnen und Schiffe auf dem Weg zum Suezkanal zwingen, einen Umweg um die Südspitze Afrikas zu nehmen.

Dennoch setzen die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) verstärkt auf Alternativen: Berichten zufolge wollen sie die bestehende Infrastruktur ausbauen sowie einen neuen Hafen samt Containerterminal an ihrer Ostküste errichten. Im Irak, in Jordanien, Kuwait und der Türkei sind weitere Pipelines entweder bereits in Betrieb oder befinden sich im Bau. Deren Kapazitäten sind jedoch begrenzt; sie können einen größeren Ausfall in der Straße von Hormus nicht kompensieren.

Alles oder nichts für den Iran

Unter Verweis auf die saudische Ost-West-Pipeline und die “Abu Dhabi Crude Oil Pipeline” der VAE warnte MARISKS, dass die direkte Drohung des Iran gegen die alternative Ölexport-Infrastruktur der Golfregion “vielleicht die bedeutendste Entwicklung” in der aktuellen Lage darstelle. “Irans Botschaft ist ebenso klar: Entweder exportieren alle regionalen Produzenten Energie, oder keiner.”

Was auch immer als Nächstes geschieht: Der Iran hat gezeigt, dass er bereit ist, die wirtschaftlichen Kosten eines Angriffs auf das eigene Land in die Höhe zu treiben – sei es durch die Bedrohung der weltweiten Energieversorgung mittels einer Blockade wichtiger Wasserstraßen oder durch Vergeltungsschläge gegen sonstige Öl- und Gasinfrastruktur am Golf.

Dieser Beitrag wurde aus dem Englischen adaptiert.

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Quelle:

www.dw.com