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SportSieg in Rekordzeit dank fremder Hilfe

Sieg in Rekordzeit dank fremder Hilfe


Tourreporter

Stand: 24.07.2026 • 22:06 Uhr

Tadej Pogacar überholte am letzten Anstieg des Tages mal wieder alle und stellte dabei sogar einen neuen Rekord für die Fahrt nach Alpe d’Huez auf. Doch den Sieg verdankt er nicht nur sich und seinem Team.

Michael Ostermann

Tadej Pogacar wirkte sehr aufgeräumt als er die Mixed Zone hinter dem Podium in Alpe d’Huez betrat. Obwohl sein Pressesprecher den wartenden Medienvertretern schon mehrfach gedankt hatte – was normalerweise das Signal ist, die Fragen einzustellen – antwortete der Slowene einfach immer weiter. Auch die Frage zur Rekordzeit, die er auf dem 13,8 Kilometer langen Anstieg durch die 21 berühmten Kehren aufgestellt hatte.

“Es wurde Zeit, dass der Rekord gebrochen wird”, sagte Pogacar mit einem Grinsen im Gesicht. In 35 Minuten und 27 Sekunden war der Mann im Gelben Trikot den ikonischen Anstieg hinauf gestürmt. Mehr als eine Minute schneller als Marco Pantani 1995, in den Hochzeiten des EPO-Dopings. “Der Radsport hat sich in den letzten fünf Jahren enorm weiterentwickelt, es ist gut, dass wir jetzt schneller sind”, fand Pogacar.

19. Etappe

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Evenepoel festigt Platz 2 – die aktuelle Gesamtwertung

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Ein Sieg für das geschwächte Team

Das mögen all jene, die den Radsport ob seiner Vergangenheit immer noch mit Argwohn betrachten, anders sehen. Aber unstrittig ist auch, dass Pogacar ein Ausnahmekönner ist, dem alle anderen ganz offensichtlich nicht gewachsen sind. Einer, der die Dinge im Notfall auch weitgehend alleine regelt. Auch den auf seiner langen Liste bis zu diesem Tage noch fehlenden Etappensieg in Alpe d’Huez, der – wie er später in der Pressekonferenz flunkerte – sich nicht anders anfühle als all die anderen vielen Siege, die er schon errungen hat.

Pogacars Team ist geschwächt in diese letzten Tage der Tour de France gegangen. Krankheiten hatten drei seiner Helfer geschwächt, einer von ihnen – der US-Amerikaner Brandon Mc Nulty – ist gar nicht mehr dabei. Der Belgier Tim Wellens war auf der 19. Etappe keine Hilfe. Der in den vergangenen Tagen geschwächte Brite Adam Yates hatte es zumindest in die große Fluchtgruppe des Tages geschafft und diente seinem Kapitän am Schlussanstieg zumindest eine Weile als Relaisstation, ohne dabei nennenswerte Tempoarbeit leisten zu können.

“Das ist ein Sieg für das gesamte Team”, sagte Pogacar später und lobte seine Helfer für die tolle Arbeit. Doch vermutlich wäre ihm der prestigeträchtige Etappensieg in Alpe d’Huez deutlich schwerer gefallen oder sogar unmöglich gewesen, hätte er nicht auch fremde Hilfe erhalten.

Lenny Martinez zwingt die anderen zur Arbeit

Die große Ausreißergruppe des Tages war prominent besetzt. Vor allem das Team Visma-Lease-A-Bike hatte sich dort mit mehreren Fahrern vorne eingenistet, um nach dem Ausfall des zweimaligen Toursiegers Jonas Vingegaard, die Tour noch irgendwie zu retten. Als designierter Mann der niederländischen Equipe für das Etappenfinale war der US-Amerikaner Sepp Kuss auserkoren worden, der als Vierter ins Ziel kam. “Wir wussten, dass Tadej wahrscheinlich direkt unten am Berg losfahren würde”, sagte Kuss. “Darum hätten wir wahrscheinlich sechs Minuten Vorsprung gebraucht, um eine Chance zu haben.”

Tadej Pogacar zwischen den Fans in Alpe d’Huez

Das hätte sogar klappen können. Denn so sehr sich Pogacars wertvollste Helfer, der Kölner Nils Politt und der Österreicher Felix Großschartner, auch abrackerten, der Vorsprung der Ausreißer wuchs langsam aber stetig an auf bis zu viereinhalb Minuten. Erst als sich auch andere Teams an der Nachführarbeit beteiligten, wurde der Abstand kleiner.

Der Grund für die unerwartete Unterstützung für den Mann im Gelben Trikot war der Franzose Lenny Martinez, der es als bis dato Neunter der Gesamtwertung ebenfalls unter die Ausreißer geschafft hatte. Dadurch mussten die vor Martinez liegenden Klassementfahrer plötzlich um ihre Position fürchten. Zunächst beteiligte sich allerdings das am wenigsten gefährdete Team Red Bull-Bora-hansgrohe an der Nachführarbeit.

Am Ende profitiert nur Pogacar

Und nachdem Mads Pedersen seinen Zwischensprint gewonnen und seine Führung in der Wertung für das Grüne Trikot weiter ausgebaut hatte, spannte sich auch das Team Lidl-Trek für seine Klassementfahrer Juan Ayuso und Mattias Skjelmose vor das Feld. Alles vergeblich: Martinez, der in Alpe d’Huez am Ende Zweiter wurde, machte dennoch einen gewaltigen Satz im Klassement. Er ist nun Fünfter der Gesamtwertung.

Der eigentliche Profiteur der fremden Hilfe war daher Pogacar, dem knapp drei Minuten Rückstand am Fuße des Schlussanstieges reichten, um alle noch vor ihm liegenden Fahrer einzusammeln. Pogacar hat in der Gesamtwertung nun mehr als sieben Minuten Vorsprung auf Remco Evenepoel. “Es war zu erwarten, dass Tadej heute wieder einen verrückten Stunt abziehen wollte”, sagte er später. “Es war eine Mission Impossible, ihm zu folgen.”

Der Belgier festigte in Alpe d’Huez seinen zweiten Platz im Klassement, auch wenn er in den Fanmassen zwischendurch aufgehalten worden war, weil die vor ihm fahrenden Motorräder zwischen all den tobenden Menschen nicht mehr vorankamen. “Es war zu erwarten, dass es bei all den Zuschauern irgendwo schiefgehen würde. Nur schade, dass es ausgerechnet mir passiert ist”, sagte er.

Jetzt geht es beim UAE-Team um del Toro

Für Evenepoel ist das Podium in Paris nun in greifbarer Nähe, allerdings muss er die Königsetappe am Samstag, die erneut in Alpe d’Huez endet, dafür noch unbeschadet überstehen. “Es wird eine ganz andere Etappe werden, weniger explosiv. Es wird viel länger mit hohem Tempo gefahren werden”, vermutete Evenepoel. “Das sollte mir etwas besser liegen als heute.”

Unterdessen sucht Pogacar schon nach neuen Herausforderungen für die kommenden Tage. Sein Teamkollege Isaac del Toro konnte als Dritter der Gesamtwertung seinen Vorspung gegenüber dem Franzosen Paul Seixas um ein paar Sekunden ausbauen und das Weiße Trikot des besten Jungprofis verteidigen, was den Slowenen sichtlich zufrieden machte. “Heute war mein Tag”, sagte Pogacar. “Und morgen werden wir sicherstellen, dass Isaac für dieses wunderschöne Trikot und das Podium kämpft.” Zur Not auch wieder mit fremder Hilfe.


Quelle:

www.sportschau.de

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