22 Wohnetagen hat der “Weiße Riese”, ein Hochhaus in Kiel im Stadtteil Mettenhof. An diesem Dienstagmorgen rückten rund 100 Polizisten an, um das Gebäude in der Hauptstadt des Bundeslandes Schleswig-Holstein im Norden Deutschlands systematisch zu durchsuchen.
Anlass ist ein Vorfall in der Nacht zum 2. Juni. Ein bislang Unbekannter soll einen Pflasterstein aus dem Wohnhaus auf einen Streifenwagen geworfen haben. Der Stein habe die Frontscheibe durchschlagen und eine Polizistin auf dem Beifahrersitz an der Hand und am Sprunggelenk verletzt. Die 25-Jährige sei nicht mehr dienstfähig. Ihr 59 Jahre alter Kollege wurde demnach nicht verletzt. Nach dem Stand der Ermittlungen muss der Pflasterstein von einem der höheren Balkone aus herabgeworfen worden sein.
Das Hochhaus wurde am frühen Morgen umstellt: Wie der Norddeutsche Rundfunk berichtet, sichern Polizistinnen und Polizisten das Gebäude Etage für Etage von oben nach unten. Die Beamten gehen von Tür zu Tür, um von den Bewohnern DNA-Proben zu nehmen. Der genetische Fingerbadruck soll helfen, den Steinewerfer oder die Werferin aufzuspüren, wie Polizei und Staatsanwaltschaft in Kiel mitteilten. Insgesamt gibt es in dem Mehrfamilienhaus 242 Wohnungen.
Versuchtes Tötungsdelikt
Die Staatsanwaltschaft Kiel wertet den Steinwurf als versuchtes Tötungsdelikt. An dem Pflasterstein fanden Ermittler DNA-Spuren. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft ordnete das Amtsgericht Kiel daher eine DNA-Reihenuntersuchung in dem Hochhaus an. Betroffen sind demnach alle, die in dem Mehrfamilienhaus amtlich gemeldet sind oder tatsächlich dort wohnen und die zum Tatzeitpunkt das 14. Lebensjahr vollendet haben.
Laut Polizeisprecherin Stephanie Lage ist die Abgabe der DNA-Speichelprobe aber freiwillig. “Falls wir Bewohner nicht antreffen, werden sie per Mitteilungen in den Briefkästen um eine Mitwirkung bitten”, sagte Lage der Deutschen Welle. Nach den Ermittlungen in diesem Fall werden die freiwilligen Proben vernichtet.
Da viele Migranten in dem Hochhaus wohnen, begleiten Dolmetscher für kurdisch, arabisch und polnisch die Polizisten. Ziel sei es, den Einsatz den Bewohnerinnen und Bewohnern den Vorgang auf Augenhöhe erklären zu können. Laut Staatsanwaltschaft gab es eine DNA-Untersuchung in diesem Umfang schon lange nicht mehr in Schleswig-Holstein.
AR/gri (dpa, afp, NDR, Polizeidirektion Kiel, DW)
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Quelle:
www.dw.com



