DOMRADIO.DE: Herr Orths, Sie stehen als evangelischer Pastor nicht nur auf der Kanzel, sondern sitzen auch hinter dem Steuer: Sie fahren die Linien 155 und 156 des Bürgerbusses. Wie oft sitzen Sie selbst am Steuer?
Elmar Orths: Ungefähr dreimal im Monat. Insgesamt sind wir 30 ehrenamtliche Fahrerinnen und Fahrer. Zusammen übernehmen wir rund 60 Schichten im Monat. Das verteilt sich auf drei bis vier Einsätze pro Person. Meine nächste Schicht ist Ende der Woche, am nächsten Freitag.
DOMRADIO.DE: Der Bürgerbus sorgt in Twistringen dafür, dass vor allem Menschen in den Dörfern mobil bleiben. Warum haben Sie gesagt: Da steige ich auch mit ein?
Elmar Orths: Zum einen finde ich diese Anbindung der kleinen Ortschaften wichtig. Dort, wo der reguläre Linienbus nicht fährt, gibt es so trotzdem ein öffentliches Verkehrsangebot. Zum anderen lebt Kirche von ehrenamtlichem Engagement. Ich könnte eine Gemeinde allein gar nicht am Laufen halten – dafür braucht es viele Ehrenamtliche. Deshalb finde ich es nur richtig, selbst auch etwas zurückzugeben. In diesem Fall nicht an die Kirche, sondern an die Gesellschaft.
DOMRADIO.DE: Als Pastor sind Sie es gewohnt, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, über Gott und die Welt. Worüber sprechen Sie mit Ihren Fahrgästen? Oder gilt auch bei Ihnen: Bitte nicht mit dem Fahrer sprechen?
Elmar Orths: Nein, das gilt bei uns nicht. Trotzdem sind die Fahrten im Bürgerbus keine Seelsorgegespräche. Meist geht es um ganz Alltägliches: Wohin fahren Sie? Wo möchten Sie aussteigen? Wie gefällt Ihnen das Angebot? Viele wollen einfach von A nach B kommen und hören dabei ihre eigene Musik in den Ohren oder sind mit ihren Gedanken beschäftigt.
DOMRADIO.DE: Gab es trotzdem eine Begegnung, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?
Elmar Orths: Ja, ich hatte einmal einen Fahrgast, der sich mit Verkehrsplanung beschäftigt hat. Mit ihm konnte ich ausführlich darüber sprechen, wie Bürgerbusse organisiert werden, wie sie finanziert werden und welche Rolle sie für den öffentlichen Nahverkehr spielen. Das war schon spannend.
DOMRADIO.DE: Auf dem Dorf kennt man sich. Wie reagieren die Menschen, wenn plötzlich der Pastor am Steuer sitzt?
Elmar Orths: Das ist eigentlich überhaupt kein großes Thema. Ich fahre ja nicht so oft. Wenn ich unterwegs bin, sagen die Leute eben: “Ach, der Pastor fährt heute den Bus.” Das wird ganz selbstverständlich angenommen.
Das Interview führte Carsten Döpp.
Quelle:
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