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KulturFilm & KunstAuf zur Leopardenjagd

Auf zur Leopardenjagd

Ab 5. August schauen Cineastinnen und Cineasten wieder nach Locarno, wo bis 15. August die 79. Internationalen Filmfestspiele zu Entdeckungen einladen. Neben zwei internationalen Wettbewerben und Stars auf der Piazza Grande lockt diesmal unter anderem eine Retrospektive, die sich mit der „schwarzen Liste“ der McCarthy-Ära auseinandersetzt.

 

Bunt glitzernd hat Locarnos letztjähriges Festivalplakat, einen Leoparden auf einem Baum präsentierend, die Blicke unmittelbar auf sich gezogen. Anders das diesjährige Plakat von US-Künstlerin Cindy Sherman. Es zeigt keinen Leoparden, sondern umrahmt von einem wallenden Leopardenschal, das Porträt der Künstlerin, deren Blick in die Ferne geht. Vielleicht sieht sie da die vielen Brandherde, welche die Welt derzeit unsicher machen. Oder die Zukunft.

Das Plakat in Auftrag gegeben hat Festivalpräsidentin Maja Hoffmann. Das 233 Filme umfassende Programm mit 103 Weltpremieren verantworten Festivaldirektor Giona A. Nazzaro und sein Team. In Locarnos Hauptwettbewerb, dem „Concorso Internazionale“, sind 17 Werke gestandener Filmemachender zu sehen, im ersten und zweiten Werken vorbehaltenen „Concorso Cineasti di Presente“ konkurrieren 15 Filme. Im ersten darf man sich auf Wiedersehen mit alten Bekannten wie Isabelle Stever („I Rarely Wake Up Dreaming“), Sarah Leonor („D’ici là“) und Basil Da Cunha („O Jacaré“) freuen, im zweiten auf Neuentdeckungen.

 

Das Herz schlägt auf der Piazza

Locarnos Herzstück sind einmal mehr die Abendvorführungen auf Piazza Grande, wo auch Ehrenpreise vergeben werden. Als Preisträger diverser Auszeichnungen erwartet werden etwa Isabella Rossellini, Darren Aronofsky, Virginie Efira, James Gray, Asia Argento und Zoe Saldaña. Zur Aufführung kommen Titel wie Olivia Wildes „The Invite“, „Ni vue, ni connue“ von Marc Fitoussi und „Frank & Louis“ von Petra Volpe, aber auch einige Klassiker. Als Höhepunkt des Piazza-Programms entpuppen dürften sich die Mitternachtsvorstellungen von „Wild at Heart“, „Taxi Driver“ und „Dances With Wolves“.

Plakat des Wettbewerbsfilms „I Rarely Wake Up Dreaming“ (© X-Filme Creative Pool)

 

Abgesehen von der 2026 neu in den Rang eines Wettbewerbs erhobenen „Kids Screenings“-Sektion, in der eine Jugendjury den „Locarno Kids Award“ vergeben wird, ist in Locarno 2026 fast alles wie immer. Seine Vielfalt verdankt das Festival seinen Nebensektionen und Sonderprogrammen. Die „Open Doors Screenings“ sind dieses Jahr Afrika gewidmet, und unter den in „Histoire(s) du Cinéma“ versammelten Klassikern werden sich neben Roger Cormans „Frankenstein Unbound“ (1990) und Isao Takahatas „Die letzten Glühwürmchen“ (1988) auch zwei Werke der Schweizerin Isa Hesse-Rabinovitch finden. Die thematische Retrospektive 2026 wiederum setzt einen Schwerpunkt, der angesichts des aktuellen Kulturkampfs in den USA unter Donald Trump interessante Verbindungslinien zu einem US-amerikanischen Kulturkampf der Vergangenheit zieht: Unter dem Titel „Red & Black – Hollywood Left and the Blacklist“ beleuchtet die Schau das Filmschaffen der McCarthy-Ära, als diverse als Kommunisten-Sympathisanten gebrandmarkte Filmschaffende auf einer schwarzen Liste landeten und oft nur unter Pseudonym arbeiten konnten.

 

Inszenierung, Transformation und Rollenspiel

Er habe beim Sinnieren über das Programm drei Tendenzen ausgemacht, meinte Festivaldirektor Giona A. Nazzaro bei dessen Bekanntgabe. Das erste seien Geschichten um Familie, das zweite Filme um das Funktionieren größerer Gemeinschaften, das dritte Filme, die sich wie „Objet a“ (Ann Oren) und „Violence du corps de l’autre“ (Denis Côté) mit menschlichen Körpern und deren Transformationen auseinandersetzen.

Plakat zum Retrospektiven-Film „Thieves' Highway“
Plakat zum Retrospektiven-Film „Thieves’ Highway“ (© Park Circus/Disney)

 

Ob das stimmt, wird sich, da die Inhaltsangaben im Programm derart kurz sind, dass man sich darunter nichts vorstellen kann, im Laufe des Festivals erweisen. In der Presseerklärung zu Locarnos diesjährigem Plakat ist von Inszenierung, Transformation und Rollenspiel die Rede, und dass Identität inszeniert und durch Kultur geformt wird. Das aber lässt sich dem Plakat beim besten Willen nicht ablesen – aber man ist gespannt, inwieweit die Filme dies thematisch und stilistisch einlösen werden.

 

Hinweis

Detaillierte Auskünfte zum Programm & alle weiteren Angaben finden sich auf der Website des Festivals in Locarno.


Quelle:

www.filmdienst.de