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"Der Angst die Liebe entgegensetzen" / Autorin zeichnet die letzten Tage der Heiligen Edith Stein nach

“Hier betete Edith Stein 1933 -1938 im Karmel Köln. Ermordet 9.8.1942 Auschwitz”. – Vor dem Karmelitinnenkloster “Maria vom Frieden” in der Kölner Südstadt liegt ein Stolperstein, der an Edith Stein erinnert. Von Köln aus ist sie 1938 vor den Nazis in die Niederlande geflohen. Am 2. August 1942 wurde sie verhaftet und über das Durchgangslager Westerbork nach Auschwitz deportiert. Am 9. August wurde sie in einer Gaskammer ermordet. 

“Der Zug mit Edith Stein kommt am Abend des 8. August in Auschwitz an und dann weiß man nichts mehr”, sagt Hildegard Therese Schmitz. “Der Angst die Liebe entgegensetzen” heißt ihr Buch über den Weg der heiligen Edith Stein nach Auschwitz. Im Edith-Stein-Archiv Köln sowie in Archiven in den Niederlanden, in Oswiecim-Auschwitz und Jerusalem hat sie recherchiert, um die letzten Tage und Stunden der katholischen Jüdin zu rekonstruieren.

Die Autorin beginnt die Premierenlesung ihres Buches im Kölner Karmelitinnenkloster ungewöhnlich. Mit einem Gebet von Edith Stein: “Wer bist du, Licht, das mich erfüllt und meines Herzens Dunkelheit erleuchtet? Du leitest mich gleich einer Mutter Hand”. Die Autorin sagt, dass es ihr in ihrem Buch nicht nur um den äußeren Weg von Edith Stein nach Auschwitz gehe, sondern auch um den inneren Weg der heiligen Teresia Benedicta a Cruce, wie Edith Stein im Orden hieß. 

Weg nach Auschwitz nachgezeichnet

Akribisch zeichnet sie den Weg von Edith Stein nach Auschwitz nach. Sie fasst neueste Forschungsergebnisse zusammen und analysiert und vergleicht Augenzeugenberichte. Ihr Buch ist aber mehr als eine wissenschaftlich wertvolle historische Arbeit mit den Reproduktionen vieler Originaldokumente – das Buch ist zugleich eine Annäherung an das tiefe Glaubenszeugnis, das Edith Stein bis in den Tod getragen hat. Schmitz sieht die Heilige in ihrer tiefen Spiritualität und absoluten Hingabe an den Willen Gottes: “Gott möge ihr Leben und Sterben zu seiner Verherrlichung annehmen”. 

Langsam, fast andächtig spricht die Autorin, mit Bedacht Pausen setzend, sodass die erschütternden Ereignisse, die Edith Steins Leben nach 1938 prägten und die Schmitz anhand von historischen Dokumenten nachgezeichnet hat, länger nachhallen.

Um den Konvent nicht zu gefährden, flieht Edith Stein 1938 ins Kloster Echt in die Niederlande. Dort lebt sie 14 Monate in Sicherheit, bis im Mai 1940 Deutschland die Niederlande überfällt. 1942 – nach der Wannseekonferenz – veröffentlichen die Kirchen der Niederlande in einem Zusammenschluss einen Hirtenbrief, der den Nazi-Rassismus anprangert. Vorher gibt es Streit unter den Kirchen, einige Kirchen, unter ihnen die katholische Kirche, lassen nicht zu, dass entscheidende Stellen in dem Hirtenbrief gestrichen werden. In einem Racheakt beschließen die Nazis sofort, katholische Juden aus den Niederlanden zu deportieren und umzubringen. 

Letzte handschriftliche Nachricht

Am 2. August 1942 wird Edith Stein verhaftet und mit 985 Gefangenen, darunter 63 katholische Juden, nach Westerbork gebracht. In einem Brief an die Mitschwestern schildert sie ihr Leben in dem Durchgangslager. In einem Schlafsaal seien alle Klosterfrauen untergebracht. Weiter schreibt sie: “Wir sind ganz ruhig und fröhlich. Natürlich bisher keine Messe und Kommunion; kommt vielleicht später. Nun kommen wir ein bißchen dazu zu erfahren, wie man ganz von innen leben kann”. Eine letzte handschriftliche Nachricht von Edith Stein stammt vom 6. August 1942. Sie bittet um Decken und “warmes Unterzeug” für ihre Schwester Rosa, die gemeinsam mit Edith Stein verhaftet und deportiert wurde. “Konnten bisher herrlich beten”, schreibt sie, und dass der Transport morgen weitergehe. 

In Auschwitz kommt der Zug abends am 8. August an. “Die Deportationszüge fuhren nicht schneller als 35 km/h”, erzählt Schmitz. Das waren lange, quälende Fahrten. Edith Stein und die anderen wussten nicht, dass ihre Ermordung längst geplant war. Schmitz hat in vielen Archiven nach Aussagen von Augenzeugen gesucht, die später erzählt haben, was weiter an der Rampe passiert ist. So hat sie erfahren, dass alle Frauen über 35 Jahre gar nicht registriert wurden, sondern gleich in die Gaskammern transportiert wurden. Der Zeuge habe gehört, wie zwei Wachmänner zueinander sagten, die Frauen und Kinder würden nur im Himmel registriert. Der Zeitzeuge berichtet auch davon, dass unter den Deportierten der Name Edith Stein gefallen sei.

Mit dem Lastwagen wurden die Frauen und Kinder ins Todeshaus gefahren. “Mit Gewissheit wurde Edith Stein am Morgen des 9. August 1942 ermordet”, ist sich die Autorin nach ihren umfangreichen Recherchen sicher. Sie war selbst einige Male in Auschwitz und schildert in ihrem Buch, wie die Todesmaschine der Nazis dort funktionierte. 1942 waren es noch konfiszierte polnische Bauernhäuser, deren Fugen abgedichtet und die dann als Gaskammern benutzt wurden. Später wurden dafür eigene Todeshäuser gebaut.

Hildegard Therese Schmitz hat einen Stein aus dem Fundament des Hauses mitgebracht, in dem Edith Stein ermordet wurde. Dieser Stein steht auf einem kleinen Podest im Kölner Karmelitinnenkloster. Auf den vier Seiten des Sockels steht jeweils: “Philosophin / Jüdin / spurlos verbrannt / Märtyrerin”.


Quelle:

www.domradio.de