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VerteidigungFIFA: Muss Gianni Infantino um seinen Posten bangen?

FIFA: Muss Gianni Infantino um seinen Posten bangen?

Nach dem Scheitern der Investoren-Pläne von FIFA-Präsident Gianni Infantino wird die Kritik an dem Schweizer immer lauter. Nachdem der walisische Fußballverband (FAW) und auch der englische Verband (FA) am Montag bekannt gegeben hatten, dass sie Infantinos Kandidatur für eine erneute Amtszeit von 2027 bis 2031 nicht länger unterstützen werden, meldete sich nun auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) zu Wort.

“Das ist aus meiner Sicht ein irreparabler Vertrauensverlust – und nicht nur zum DFB”, sagte DFB-Sportdirektor Andreas Rettig in einem Interview mit dem “Stern” nach den gescheiterten Investorenplänen Infantinos.

“Sie können aber Prinzipien der Finanz- oder Realwirtschaft nicht eins zu eins auf den Fußball übertragen. Das versteht niemand, der den Fußball liebt.”

Gianni Infantino geht am WM-Pokal vorbei bei Eröffnung des IBC in Dallas
FIFA-Boss Gianni Infantino ist mit seinen Plänen, WM-Anteile an Investoren zu verkaufen, gescheitertBild: Tony Gutierrez/AP Photo/picture alliance

Bei dem Projekt Anteile an Investoren zu verkaufen habe der FIFA-Chef versucht, “den Weg über Überraschung, Zeitdruck und vor allem diesen 20-Millionen-Köder zu gehen”, betonte Rettig: “Das ist in höchstem Maße ungehörig. Was hier verkauft werden sollte, ist ein unbezahlbarer, immaterieller Vermögenswert.”

Wiederwahl Infantinos 2027?

Die Macht von Infantino ist gehörig ins Wanken geraten. Vor drei Jahren hatte sich der Schweizer noch mit dem Applaus der Delegierten als FIFA-Präsident bestätigen lassen. “Alle, die mich lieben, ich weiß, das sind viele, und alle die mich hassen, ich weiß, es gibt da ein paar – ich liebe euch alle”, sagte Infantino, seit 2016 im Amt ist.

Im kommenden Jahr stehen nun wieder Wahlen an. Am 18. März 2027 wollte sich der 56-Jährige in Rabat (Marokko) auf dem 77. FIFA-Kongress den Statuten zufolge ein drittes und letztes Mal für vier Jahre zum Präsidenten wählen lassen.

Doch aufgrund der massiven Kritik scheint ein Wechsel an der Spitze nun doch möglich zu sein – auch wenn der Schweizer nach wie vor viel Unterstützung genießt – besonders unter afrikanischen und einigen asiatischen sowie südamerikanischen Fußballnationen. 

Kann Infantino vorzeitig abgewählt werden?

Bis zum 18. November können Kandidaten ihre Bewerbungen für die Wahl zum FIFA-Präsidenten einreichen. Bis dahin sollten also mögliche Unterstützerkreise gesichert sein. Einen offiziellen Gegenkandidaten zu Infantino gibt es aber bisher nicht.

UEFA-Präsident Aleksander Ceferin sitzt in einer Diskussionsrunde und gestikuliert mit der rechten Hand.
Von der UEFA um Präsident Aleksander Ceferin kommt deutliche Kritik an Infantinos PlänenBild: Dino Ninkovic

Sollte eine zum Beispiel von der Europäischen Fußball-Union UEFA unter Präsident Aleksander Ceferin angeführte Opposition eine schnelle Ablösung des FIFA-Präsidenten anstreben, was nach den jüngsten scharfen Erklärungen nicht unwahrscheinlich erscheint, könnte der FIFA-Rat aktiv werden.

Dieses sogenannte FIFA-Council ist das wichtigste Entscheidungsgremium der Organisation zwischen den FIFA-Kongressen und besteht aus 37 Mitgliedern. Um eine Krisensitzung einzuberufen, müssten mindestens 19 Teilnehmer dafür stimmen, schreibt die “BBC”.

Das Treffen müsste innerhalb von zwei Wochen stattfinden. Eine Rücktrittsaufforderung könnte Infantino dann aber auch einfach ablehnen, insofern werden die Chancen für dieses Vorhaben eher gering eingeschätzt.

Misstrauensvotum gegen Infantino?

Eine andere Möglichkeit wäre eine außerordentliche Sitzung des FIFA-Kongresses, des obersten Organs des Weltverbands. Dafür ist ein Fünftel der Stimmen (43) der 211 FIFA-Mitgliedsverbände nötig.

Die Anfrage muss schriftlich eingehen, innerhalb von drei Monaten muss das Treffen dann abgehalten werden. Anschließend könnte ein Misstrauensvotum gegen Infantino gestellt werden.

Im Hintergrund dürften die Verbände – allen voran die UEFA – mögliche Gegenkandidaten diskutieren. Denn momentan gibt es einen offiziellen Herausforderer noch nicht. Zudem genießt Infantino nach wie vor viel Rückendeckung, daher scheint ein Machtwechsel – Stand jetzt – eher unwahrscheinlich. 


Quelle:

www.dw.com