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Analyse & RecherchenInterviewsFIFA stoppt Investorenpläne nach massivem Widerstand

FIFA stoppt Investorenpläne nach massivem Widerstand

Der Fußball-Weltverband FIFA gibt seine umstrittenen Investorenpläne auf. Der Vorschlag werde nicht weiterverfolgt, erklärte Verbandspräsident Gianni Infantino in einer in der Nacht veröffentlichten Stellungnahme. “Nachdem wir uns alle Standpunkte aufmerksam angehört haben, ist deutlich geworden, dass das Projekt zu Spaltungen geführt hat, die – unabhängig vom Ausmaß der Unterstützung – nicht mehr im Interesse des ursprünglich angestrebten Ziels liegen”, begründete Infantino seine abrupte Kehrtwende.

Ziel waren zusätzliche Milliardeneinnahmen

Die Pläne der FIFA um den mächtigen Präsidenten Infantino hatten vorgesehen, mit dem potenziellen Verkauf eines Teils ihrer kommerziellen Rechte etwa an der Weltmeisterschaft eine Milliardensumme einzuspielen. Für die Umsetzung wollte die FIFA das Tochterunternehmen FIFA Forward Enterprise (FFE) gründen. Mit dem Verkauf von rund 20 Prozent der Anteile sollten bis zu 4,2 Milliarden Dollar eingenommen werden. Der ​Wert des neuen Geschäftsbereichs hätte damit bei 20 Milliarden Dollar gelegen.

Laut Berichten setzte der Weltverband eine Frist für die Zustimmung zum geplanten Investorendeal bis zum 19. September und versprach im Gegenzug eine hohe Sonderzahlung und eine nochmals erweiterte WM. Eine einfache Mehrheit hätte ausgereicht, um das Vorhaben umzusetzen.

Fußball-WM 2026 | FIFA-Logo im Toronto-Stadion bei Deutschland vs. Elfenbeinküste
Die FIFA mit Gianni Infantino an der Spitze hat sich verkalkuliert (Archivbild)Bild: Jan Woitas/dpa/picture alliance

Infantino: Mitgliederverbände sollten gestärkt werden

Infantino erklärte weiter, Ziel der FIFA sei es, stets zu vereinen und zu verbessern. “Daher wird dieser Vorschlag nicht weiterverfolgt.” Es sei seine Absicht, alle interessierten Parteien in den kommenden Tagen und Wochen “im Geiste des gemeinsamen Interesses an unserem Sport wieder zusammenzubringen, mit dem Ziel, den Fußball überall weiter voranzubringen, insbesondere in jenen Ländern, die unsere Unterstützung am dringendsten benötigen”. 

Mit dem Projekt habe er die Mitgliedsverbände stärken wollen. Zur Umsetzung wäre es ohnehin nur gekommen, wenn eine Mehrheit dem Projekt zugestimmt hätte, erklärte er in dem Statement weiter. 

UEFA und andere Verbände drohten teilweise mit WM-Boykott

Die FIFA beugte sich damit dem Druck, der in den vergangenen Tagen immer größer geworden war. So hatte die europäische UEFA nicht nur die Pläne heftig kritisiert, sondern sogar mit einem WM-Boykott gedroht. “Keine Nationalmannschaften aus der UEFA werden an irgendeinem FIFA-Wettbewerb teilnehmen, solange diese Vorschläge weiterbestehen”, teilte die UEFA nach einem Dringlichkeitstreffen mit. “Europas Position ist eindeutig. Wir werden diesem Modell niemals unsere Legitimität verleihen. Niemand hat das moralische Recht, etwas zu verkaufen, das er lediglich treuhänderisch für die nächste Generation verwaltet”, schrieb die Europäische Fußball-Union.

Italien Bologna | Uefa Euro 2024 Logo
Die UEFA hatte mit einem WM-Boykott gedroht – hier der UEFA-Fußball von 2024Bild: Alessio Marini/IPA Sport/ZUMAPRESS.com/picture alliance

Auch die für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik zuständige CONCACAF und der asiatische Fußballdachverband AFC gingen deutlich auf Distanz zu Infantino und seinen Plänen. Der südamerikanische Fußballverband CONMEBOL bezog dagegen zunächst keine inhaltliche Position. Stattdessen kündigte der Kontinentalverband an, die Pläne weiter zu prüfen und forderte zusätzliche Informationen von der FIFA an.

Hochrangiger Infantino-Berater zurückgetreten

Zudem bröckelte auch innerhalb der FIFA die Unterstützung für Infantino. FIFA-Betriebsdirektor Kevin Lamour warf Infantino vor, die Mitarbeiter hintergangen zu haben. Carlos Cordeiro, ein hochrangiger Berater des 56-Jährigen, trat aus Protest gegen das Vorhaben zurück. Dabei wählte er drastische Worte. “Als leitender Berater des FIFA-Präsidenten, früherer Banker und lebenslanger Fußball-Fan kann ich nicht tatenlos zusehen, wie die FIFA den Verkauf einer Beteiligung an der Weltmeisterschaft in Erwägung zieht”, schrieb der Topfunktionär auf der Plattform LinkedIn.

Der ehemalige Präsident des US-Verbandes, der seit 2021 für die FIFA arbeitet, schrieb zudem: “Es ist ein schlechtes Geschäft für die FIFA-Mitgliedsverbände, ein schlechtes Geschäft für den Fußball und ein schlechtes Geschäft für die langfristige Zukunft dieses Sports.”

Fußball-WM 2026 Auslosung | Washington | FIFA-Präsident Infantino überreicht US-Präsident Trump FIFA-Friedenspreis
Infantinos Nähe zu Donald Trump und die Vergabe des “Friedenspreises” an den US-Präsidenten sorgten im Vorfeld der WM für Kopfschütteln Bild: Octavio Guzmán/Agencia EFE/IMAGO

Kritik an Infantino wird lauter

Aber auch mit seiner Kehrtwende könnte es für Infantino schwierig werden, sich an der Spitze des Fußball-Weltverbandes zu halten. So sprach sich der britische Premierminister Andy Burnham nach Bekanntwerden der Pläne offen für die Ablösung Infantinos aus. Der Schweizer sei “der falsche Mann” an der Spitze des Weltverbandes, sagte der neue Regierungschef. 

UEFA-Vizepräsidentin Laura McAllister sagte bei Sky News nach der harschen Kritik an den Investorenplänen, die weltweite Einigkeit gegen die Vorschläge gebe der FIFA einige Anhaltspunkte dafür, was den Spielern, den Fans, den Vereinen und den Funktionären wichtig sei, wenn es darum gehe, wie der Fußball in Zukunft gestaltet werde. “Ich hoffe, dass dies für den Präsidenten und die FIFA ein Weckruf ist, damit sie diese Aufgaben weitaus ernster nehmen, als sie es offenbar bisher getan haben.”

as/haz (dpa, rtr, afp sid)


Quelle:

www.dw.com