Die Künstliche Intelligenz treibt weltweit enorme Investitionen an und verändert damit die Risikolandschaft für die deutsche Versicherungswirtschaft. Große Rechenzentren, gesteigerte Nachfrage nach Rechenleistung und die Bündelung kritischer Infrastrukturen erhöhen die Wahrscheinlichkeit signifikanter aggregierter Schäden, die klassische Versicherungsmuster in Frage stellen.
Die Schwarz Gruppe plant in Lübbenau den Aufbau ihres bislang größten Rechenzentrums mit einer Investitionssumme von rund elf Milliarden Euro, ein Beispiel für die Kapitalintensität der KI-Expansion. Solche Projekte bündeln Vermögenswerte und Betriebsrisiken an wenigen Standorten, steigern den Bedarf an spezialisierter Energieversorgung und Kühlinfrastruktur und schaffen Korrelationen zwischen physischer Infrastruktur, Lieferketten und digitalen Diensten.
Versicherer sehen sich dadurch mit mehreren konkreten Herausforderungen konfrontiert: erstens der Aggregations- und Konzentrationsrisiken bei Sachschäden, zweitens der Zunahme von Cyber- und Betriebsunterbrechungsrisiken durch Angriffe oder Fehlfunktionen komplexer KI-Systeme sowie drittens dem Modellrisiko bei der Bewertung neuer Gefährdungsprofile. Versicherungsverträge und Prämienkalkulationen, die auf historischen Schadendaten beruhen, reichen in vielen Fällen nicht mehr aus; stattdessen sind dynamische Szenarioanalysen, engere Zusammenarbeit mit Betreiberunternehmen und spezialisierte Deckungskonzepte erforderlich.
Rückversicherer und Aufsichtsbehörden beobachten diese Entwicklung und reagieren mit erweiterten Stresstests, neuen Meldepflichten und der Förderung standardisierter Datengrundlagen für Risikomodelle. Marktteilnehmer passen Produkte an, stärken ihre Cyber-Deckungen und prüfen Kapazitäten zur Begrenzung von Kumulationsrisiken. Langfristig wird die Branche nach Lösungen suchen, die technische, energetische und rechtliche Aspekte verknüpfen, um die neue Infrastruktur wirtschaftlich absicherbar zu machen.




