Werbungspot_imgspot_img
Analyse & RecherchenInterviewsLiechtenstein räumt massive Cyberattacke ein

Liechtenstein räumt massive Cyberattacke ein

Liechtenstein ist Opfer einer umfangreichen Cyberattacke geworden. Es seien die Daten “von etwa 31.000 juristischen Personen” illegal abgerufen worden, teilte die Regierung in Vaduz mit. Man habe einen Krisenstab unter der Leitung von Regierungschefin Brigitte Haas und Justizminister Emanuel Schädler einberufen.

Unbekannte ⁠Täter verschafften sich den widerrechtlichen Zugriff nach vorläufigen Erkenntnissen bereits in der Nacht auf ​den 30. Juli. Angegriffen wurde demnach das “Verzeichnis wirtschaftlich berechtigter Personen”. Darin sind Namen und andere Details von Personen hinterlegt, die hinter Firmen, Stiftungen oder Treuhänderschaften stehen.

Liechtenstein Vaduz | Regierungsgebäude des Fürstentums Liechtenstein (r.), im Hintergrund das Parlamentsgebäude
Im Zentrum von Vaduz haben Regierung und Parlament des Fürstentums ihren SitzBild: Michael Runkel/imageBROKER/picture alliance

Das Register war im Jahr 2021 eingerichtet worden. Die liechtensteinische Regierung will damit nach eigenen Angaben Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung verhindern. Es ​lägen momentan keine ​Hinweise darauf vor, dass Daten im ​System verändert ‌oder gelöscht worden seien, hieß es.

Es seien keine Banken und ‌keine Bankkundendaten betroffen, stellte der Liechtensteinische Bankenverband klar. Gleichwohl sei der Vorfall bedauerlich – er dürfe nicht verharmlost werden, sagte Verbandsgeschäftsführer Simon Tribelhorn.

Kleines reiches Land

Das Nicht-EU-Mitglied Liechtenstein gehört – gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf – zu den reichsten Ländern der Welt. Gelegen zwischen der Schweiz und Österreich hat es lediglich etwa 41.000 Einwohner, rund ein Drittel davon sind Ausländer. Alleinige Amtssprache ist Deutsch. Mit 160 Quadratkilometern ist das Fürstentum der sechstkleinste souveräne Staat der Erde.

Einer der erfolgreichsten Wirtschaftszweige Liechtensteins sind Finanzdienstleistungen. Früher missbrauchten vor allem Europäer dort Stiftungen und Konten zur Steuerhinterziehung. 2017 wurde das Bankgeheimnis in Steuerangelegenheiten allerdings aufgehoben.

wa/pgr (dpa, afp, rtr)


Quelle:

www.dw.com