Immer wieder brennen Wälder in Spanien – und in diesem Jahr so früh wie selten. Wie lassen sich die Feuer verhindern – und welche Rolle spielt die Abwanderung aus ländlichen Gebieten? Ein EU-Forschungsprojekt sucht Antworten.
Der Landkreis El Bierzo ist ein Becken, umgeben von bis zu 2.000 Meter hohen, bewaldeten Berghängen der kantabrischen Gebirgskette. Hier in der Region von León gibt es eigentlich viel fruchtbaren Boden für Wein, Obst und Gemüseanbau.
Aber es gibt immer weniger Menschen, die auf dem Land leben wollen, berichtet María Gómez Fernández, Chefin der Waldbrandbekämpfung der Region Kastilien-Leon. “Die Beschäftigungsmöglichkeiten werden auf dem Land immer geringer, es gibt keine Einkommensperspektive und das Leben scheint in den Städten besser”.
Fernández klagt über die Abwanderung aus den ländlichen Gebieten. “Und das bedeutet auch, dass die Biomasse, also die Brennstoffmenge in den Waldgebieten zugenommen hat, sodass Waldbrände immer heftiger werden. Wir haben kein Vieh im Wald.”
Tierherden für weniger Waldbrände?
Die Wanderung von großen Tierherden zwischen Süd- und Nordspanien hat eine lange Tradition – sich jedoch stark reduziert. Dieser Wechsel wird von der Unesco als Weltkulturerbe anerkannt und als Transhumanz bezeichnet, sagt Expertin Laura Ortiz. Sie forscht bei der Stiftung CESEFOR daran, wie eine ganzheitliche Entwicklung der Vieh- und Waldwirtschaft die Waldbrandrisiken langfristig senken kann.
“Transhumanz – dieses kulturelle Erbe, das wir haben, bedeutet, dass die Schafe vom Süden Spaniens in den Norden wandern und einige Monate verbleiben.” Sie beeinflussen dabei alle Arten von Ökosystemen und die Artenvielfalt, die sie auf ihrem Weg vorfinden, so Ortiz. “Die Artenvielfalt im Süden hat so Zeit, sich zu erholen und eine Art Pause einzulegen. Das ist wie eine sehr nachhaltige Waldwirtschaft.”
Die Bewohner ziehen weg, die Vegetation wuchert
In vielen Orten wurde die Land- und Waldwirtschaft aufgegeben, es fehlen Verdienstmöglichkeiten. Die Bewohner zogen weg und auf den nicht mehr bewirtschafteten Flächen und in den Wäldern wuchert die Vegetation, berichtet David González, Waldökologe bei CESEFOR.
Waldbrände seien ein Problem, denn “die Vegetation ist hier unglaublich produktiv, weshalb sie das ganze Jahr über Nahrung für Waldbrände liefert”, so González
Mehr Durchmischung von Baumarten
Die regelmäßig von Waldbränden bedrohte Region in Nord-Ost-Spanien war eine der 12 Demonstrationsregionen des EU-Forschungsprojektes SUPERB. Erforscht wurde, wie sich die Waldbiodiversität und die Ökosystemleistungen fördern lassen, um so letztendlich die Wälder widerstandsfähiger auch gegen Waldbrände zu machen.
Dazu gehört es, bei Wiederaufforstungen eine bessere Durchmischung der Baumarten zu fördern, betont Elisabeth Schatzdorfer vom Europäischen Waldinstitut EFI in Bonn: “Das bedeutet, dass dieses traditionelle Wissen, welche Baumart wohin gehört in Europa, so nicht mehr zutrifft.” Es brauche eine sehr intensive, auch forstgenetische Forschung.
Auch angepasste Baumarten haben Grenzen
Ein Ergebnis der Forschung von SUPERB ist aber auch, dass auch eine Strategie von klimaangepassten Baumarten und Bewirtschaftungstechniken bei den intensiven Feuern auf ausgetrockneten Böden Grenzen hat. “Also selbst Baumarten, die an ein gewisses moderates Feuerregime angepasst sind und dabei auch nicht sofort sterben, auch wenn jetzt zum Beispiel ein Bodenfeuer durch diesen Wald zieht, die sterben dann aber eben auch großflächig ab, weil die Feuer zu heiß sind”, erklärt Schatzdorfer. Dadurch wiederum gehe bei heißen Feuern viel mehr Hitze in den Boden – “und dadurch ändert sich auch die Bodenstruktur und das Bodenlebewesen.” Die Bodenlebewesen seien noch viel massiver beeinträchtigt, das Ökosystem gestört.
Brandgefahr durch Bewirtschaftung minimieren
In El Bierzo will man weitermachen, das Leben auf dem Land attraktiv und so die Vegetation weniger brandanfällig zu gestalten. Dabei setzen die Forscher um Elisabeth Schatzdorfer auch auf den Tourismus als Einkommensquelle für die Bevölkerung, da die Region am stark frequentierten Jakobsweg für Pilger nach Santiago de Compostela liegt.
Die Bewirtschaftung des Waldes soll die Brandgefahren minimieren. “Das heißt, in vielen Bereichen wird der Mensch auch weiter gebraucht, gewisse extensive Nutzung vorzunehmen, um eine breite Palette der Ökosystemleistungen auch weiter sicherstellen zu können”, erklärt Schatzdorfer.
Quelle:
www.tagesschau.de




