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Wie war das erste Jahr "Katholino"? / Größter katholischer Kita-Träger in NRW zieht erste Bilanz

DOMRADIO.DE: Was war für Sie persönlich die größte Herausforderung in diesem ersten Jahr?

Agnes Busch (Geschäftsführerin der “Katholino” Kindertagesstätten im Erzbistum Köln gGmbH): Die größte Herausforderung war wirklich der Start: Schaffen wir es, dass die 35 Kitas, die zum 1. August das Vertrauen hatten, in unsere Trägerschaft zu wechseln, gut starten können? Mit dem Ziel, dass sie sich gut aufgehoben fühlen, dass wir als Träger gut funktionieren? 

Als das dann lief, wurde es zwar noch skaliert und immer größer, aber die größte Hürde war damit geschafft. 

DOMRADIO.DE: Die Idee hinter “Katholino” lautet, die Kitas von Verwaltungsaufgaben zu entlasten und sie stärker in ihrer pädagogischen Arbeit zu unterstützen. Woran merken die Erzieherinnen und Erzieher denn heute ganz konkret, dass sie zu “Katholino” gehören?

Busch: Zum Beispiel haben wir versucht, das ganze Thema Rechnungen aus der Kita herauszunehmen. Das heißt, die Kita-Leitungen müssen sich nicht mehr zwei Stunden in der Woche mit dem Einscannen von Rechnungen beschäftigen, sondern die Rechnungen kommen direkt bei uns in der Zentrale per E-Mail an.

Die Kita-Leitung muss wirklich nur noch freigeben und sagen: ‘Ja, die Rechnung stimmt so.’ Ansonsten sind sie da komplett raus. Ich glaube, das ist schon der erste Mehrwert, den sie sehr schnell merken. 

Agnes Busch

“Die Kita-Leitungen müssen sich nicht mehr zwei Stunden in der Woche mit dem Einscannen von Rechnungen beschäftigen.”

DOMRADIO.DE: Es gab nicht nur Applaus, als “Katholino” an den Start ging. Da stand die Frage im Raum, wie der Kontakt zur Gemeinde ist und ob da nicht die Individualität der einzelnen Kitas verloren geht. Wie garantieren Sie, dass die einzelne Kita vor Ort ihr Gesicht behält und nicht im Verwaltungsapparat untergeht?

Busch: Wir sind gerade dabei, mit allen Kirchengemeinden oder mit allen pastoralen Einheiten einen sehr individuellen Kooperationsvertrag abzuschließen, sodass die Gegebenheiten vor Ort, die pastorale Einbindung vor Ort, vertraglich festgelegt werden. So können beide Seiten beim Vertragsabschluss schon sicherstellen, dass die Individualität vor Ort bewahrt wird.

Agnes Busch (m.) beim Bühnenprogramm des Katholino-Sommerfestes.

DOMRADIO.DE: Wie teilen Sie sich diese Mammutaufgabe jetzt auf, um den Träger zukunftssicher zu machen?

Busch: Wir sind mittlerweile 285 Kitas, mit dem Ziel, nächstes Jahr über 500 zu werden. Das ist für eine einzelne Person nicht mehr stemmbar. 

Daher ist es klasse, dass wir jetzt ein Dreier-Team sind, in dem alle sehr unterschiedliche Kompetenzen einbringen. So können wir “Katholino” von allen Seiten weiterentwickeln. 

DOMRADIO.DE: “Katholino” beschreibt seine Einrichtungen als Bildungs-, Lebens- und Glaubensort und betont die christlichen Werte wie Nächstenliebe und Toleranz. Gleichzeitig ist die Zielgruppe, also junge Eltern, oft gar nicht mehr so eng mit der Kirche verbunden. Was bedeutet das für den Alltag in der Kita? 

Agnes Busch

“Durch Katholino schaffen wir es, die guten Dinge zu übertragen.”

Busch: Wir haben religionspädagogische Angebote, die wir mit den Kitas gemeinsam anbieten. Wir haben bei “Katholino” ein kleines Team, das sich mit der Religionspädagogik beschäftigt und Ideen entwickelt, wie Kitas das Thema Religionspädagogik auch vor Ort noch stärken können. 

Es gibt das christliche Jahr, das in der Kita gefeiert wird, inklusive aller katholischen Feste. Wir versuchen, durch die Einbindung in die Gemeinde gemeinsame Gottesdienste mit der Gemeinde zu feiern. Wir versuchen ehrenamtlich, viel zu gestalten. 

Dort, wo es heute schon gut läuft, wo heute schon unsere katholischen Kitas das katholische Profil sehr stark leben, wird es hoffentlich weitergehen und ausgebaut werden. Durch “Katholino” schaffen wir es, die guten Dinge zu übertragen. 

DOMRADIO.DE: Wie schafft man es, dass sich niemand ausgeschlossen fühlt, der nicht den Zugang zum Glauben hat? 

Busch: Unsere katholischen Kitas sind offen für alle anderen Religionen. Was wir erwarten, ist, dass Menschen, die sich bei uns in der Kita bewerben und ihre Kinder bei uns abgeben, offen für den katholischen Glauben sind. Denn wir praktizieren in unseren katholischen Kitas den katholischen Glauben, indem wir die katholischen Feste und die Gottesdienste feiern. 

Daher muss die Offenheit da sein, diese Feste mitzufeiern. Aber es wird keiner gezwungen, katholisch zu werden.

Agnes Busch

“Unsere katholischen Kitas sind offen für alle anderen Religionen.”

DOMRADIO.DE: Bis August kommenden Jahres soll “Katholino” noch stärker wachsen. Wie verhindern Sie, dass aus einem starken Netzwerk ein schwerfälliger Verwaltungsapparat wird? 

Busch: Wir versuchen durch die Dezentralität, durch Regionalleitungen, die für zirka 15 bis 20 Kitas vor Ort verantwortlich sind, die Individualität und die Regionalität weiter aufrechtzuerhalten. 

Was wir zentralisieren, ist alles, was dahintersteckt. Also die ganze Verwaltung wie Rechnungswesen, Finanzverwaltung oder Recruiting – alles Prozesse, die standardmäßig zentral abgebildet werden können. Ansonsten versuchen wir durch Fachberatung, durch Religionspädagogik und durch Regionalleiter vor Ort, die Individualität mitzugestalten. 

Das Interview führte Dagmar Peters.

Erzbistum Köln

Das Erzbistum Köln zählt zu den bedeutendsten Diözesen in Deutschland, hat jedoch seinen Status des mitgliederstärksten Bistums abgegeben. Mit rund 1,58 Millionen Katholikinnen und Katholiken steht es laut Kirchenstatistik von 2025 nun an zweiter Stelle hinter dem Bistum Münster (1.59 Millionen), gefolgt von Rottenburg-Stuttgart und Freiburg (je rund 1,5 Millionen). 

Das Vermögen liegt bei rund 3,8 Milliarden Euro (Stand 2023). Damit liegt Köln auf Platz drei hinter Paderborn (7,15 Milliarden Euro) und München-Freising (6,1 Milliarden Euro).


Quelle:

www.domradio.de