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GesundheitSudan: Neue Hinweise auf mutmaßliches geheimes Chemiewaffenprogramm der Armee

Sudan: Neue Hinweise auf mutmaßliches geheimes Chemiewaffenprogramm der Armee

Eine am 5. September 2026 veröffentlichte Recherche der US-Zeitung The Washington Post liefert neue Hinweise auf ein mutmaßliches geheimes Chemiewaffenprogramm der sudanesischen Streitkräfte (SAF). Dem Bericht zufolge sollen hochrangige Militärangehörige unter der Führung von General Abdel Fattah al-Burhan an der Herstellung, Lagerung und möglicherweise auch am Einsatz chlorhaltiger Munition beteiligt gewesen sein.

Die Zeitung stützt ihre Recherchen auf militärische Dokumente, elektronische Nachrichten, Fotografien sowie Video- und Audioaufnahmen. Das Material sei von Sicherheitsvertretern aus dem Nahen Osten über Informanten innerhalb des Sudans beschafft worden.

Nach Angaben der Washington Post enthalten die Unterlagen außerdem Hinweise darauf, dass Verantwortliche versucht haben könnten, die Spuren des Programms nach zunehmendem internationalen Druck zu beseitigen.

Dokumente nennen Hunderte chemische Sprengköpfe

In internen Mitteilungen sudanesischer Offiziere ist laut dem Bericht von Munition mit einer „Doppelwirkung“ die Rede. Gemeint seien Waffen, die sowohl durch ihre Explosion als auch durch freigesetzte erstickende Gase wirken könnten.

Aus den ausgewerteten Kommunikationsprotokollen soll hervorgehen, dass bis zu 290 chemische Sprengköpfe an verschiedenen Orten gelagert wurden. Ein bedeutender Teil des Bestands habe sich auf dem Luftwaffenstützpunkt Merowe befunden. Mindestens 106 dieser Waffen könnten bereits eingesetzt worden sein, heißt es in den von der Zeitung zitierten Unterlagen.

Aufnahmen von mutmaßlichen Waffentests zeigen demnach Explosionen, nach denen gelbgrüne Wolken aufsteigen. Die Bilder allein reichen allerdings nicht aus, um die freigesetzte Substanz zweifelsfrei zu bestimmen.

Mehr als 20 Fachleute, darunter Chemiewaffenexperten, ehemalige internationale Inspektoren, Geheimdienstvertreter und Angehörige von Menschenrechtsorganisationen, sollen das Material geprüft haben. Mehrere von ihnen bewerteten die Unterlagen als glaubwürdige Hinweise auf ein organisiertes Waffenprogramm.

Für einen abschließenden Nachweis wären jedoch unabhängige Untersuchungen vor Ort, Umweltproben und der Zugang zu möglichen Zeugen erforderlich.

Chlor möglicherweise aus ziviler Wasserversorgung abgezweigt

Den Dokumenten zufolge könnte Chlor, das ursprünglich zur Aufbereitung von Trinkwasser importiert worden war, für militärische Zwecke umgeleitet worden sein.

Die Herstellung und Befüllung der Bomben soll verdeckt auf Militärstützpunkten erfolgt sein. Tests seien dagegen in abgelegenen Wüstengebieten durchgeführt worden.

Von der Washington Post ausgewertete Bilder sollen Zylinder, Tanks, Befüllungsanlagen, Schweißgeräte, Zünder, Steuerfinnen und improvisierte Bomben zeigen. Ein Transportflugzeug vom Typ Antonow An-32 sei zudem so ausgerüstet worden, dass entsprechende Munition über die hintere Frachtluke abgeworfen werden konnte.

Spätere Änderungen an den Sprengköpfen sollen das Fassungsvermögen der Behälter erhöht haben. Außerdem seien Metallkugeln hinzugefügt worden, um bei einer Explosion eine stärkere Splitterwirkung zu erzielen.

Militärische Nachrichten beschreiben mögliche Einsatzszenarien

Die ausgewerteten Nachrichten enthalten laut dem Bericht auch Überlegungen zum Einsatz von Gas gegen Stellungen der paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF).

In einer Kommunikation soll ein Offizier einen Angriff auf einen von der RSF kontrollierten Gebäudekomplex erörtert haben. Das Gas könne die Türme vollständig umhüllen und gegnerische Kämpfer im unteren Bereich erreichen, soll es darin geheißen haben.

Eine weitere Nachricht an einen für Luftangriffe zuständigen Offizier enthielt dem Bericht zufolge das Video eines schwer verbrannten Menschen. Begleitet worden sei die Aufnahme von der Formulierung „aus deiner Küche“, die auf die Herkunft der eingesetzten Munition hingedeutet haben könnte.

Tariq Madani als zentrale Figur genannt

Als einer der mutmaßlichen Organisatoren des Programms wird der Offizier Tariq Madani genannt. Die Unterlagen sollen seine direkte Kommunikation mit hochrangigen Vertretern des Militärs und der Regierung dokumentieren, darunter auch General al-Burhan.

Madani soll an der Beschaffung von Ausrüstung, der Überwachung von Waffentests und der Lagerung der Munition beteiligt gewesen sein.

Besondere Fragen wirft seine Rolle in einer von al-Burhan eingesetzten Untersuchungskommission auf. Ein im Juli 2025 unterzeichnetes Dokument soll zeigen, dass Madani als Experte in das Gremium berufen wurde, obwohl er in den untersuchten Akten selbst als einer der mutmaßlichen Verantwortlichen erscheint.

Die Kommission erklärte später, keine Hinweise auf eine chemische Kontamination gefunden zu haben. Madanis Beteiligung nährt nun Zweifel an der Unabhängigkeit dieser Untersuchung und den Verdacht eines möglichen Vertuschungsversuchs.

Authentizität einzelner Aufnahmen nicht abschließend geklärt

Die vorliegenden Audioaufnahmen wurden laut der Zeitung forensisch auf Hinweise für Manipulationen oder eine Erzeugung durch künstliche Intelligenz geprüft. Dabei seien keine eindeutigen Anzeichen einer Fälschung festgestellt worden.

Wegen der teilweise schlechten Tonqualität konnten jedoch nicht alle Stimmen zweifelsfrei identifiziert werden. Dies betrifft auch eine Aufnahme, die General al-Burhan zugeschrieben wird.

Unabhängige Untersuchung weiterhin erforderlich

Der Sudan ist seit 1999 Vertragsstaat des Chemiewaffenübereinkommens. Die Entwicklung, Herstellung, Lagerung oder Verwendung chemischer Waffen würde einen schweren Verstoß gegen die internationalen Verpflichtungen des Landes darstellen.

Die von der Washington Post veröffentlichten Erkenntnisse verstärken die bestehenden Vorwürfe gegen die sudanesische Armee. Sie stellen bislang jedoch keinen abschließenden juristischen Beweis für ein Chemiewaffenprogramm oder für die persönliche Verantwortung einzelner Militärführer dar.

Dafür wäre eine unabhängige internationale Untersuchung notwendig. Ermittler müssten Zugang zu den mutmaßlichen Produktions- und Lagerstätten, zu möglichen Opfern und Zeugen sowie zu den militärischen Befehlsketten erhalten.

Bis zu einer solchen Untersuchung sollten die Vorwürfe daher ausdrücklich als Rechercheergebnisse der Washington Post und nicht als abschließend gerichtlich oder international bestätigte Tatsachen dargestellt werden.

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