Künstliche Intelligenz setzt offene Projekte wie Wikipedia vor neue Herausforderungen: Automatisierte Textgenerierung, veränderte Nutzungsgewohnheiten und Fragen nach Urheberrecht und Quellenprüfung treffen auf die traditionellen Arbeitsweisen freier Enzyklopädien. Beim zehnten Jahrestag des Online-Lexikons Die Musik in Geschichte und Gegenwart stand deshalb die Suche nach Kriterien für verlässliches Wissen im Netz im Mittelpunkt, ebenso wie die Abwägung zwischen offener Zugänglichkeit und redaktioneller Kontrolle.
Die Teilnehmenden des Symposiums diskutierten Instrumente zur Qualitätssicherung, von strengeren Editorialprozessen bis zu technischen Prüfpfaden für maschinell erzeugte Inhalte. Vorgeschlagen wurden Maßnahmen für transparente Provenienz, formalisierte Peer-Review-Verfahren und längerfristige Finanzierungsmodelle, die unabhängig von starker Werbung oder kurzfristigen Fördermitteln arbeiten. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich Verlässlichkeit und Zugänglichkeit vereinbaren lassen, ohne den wissenschaftlichen Kern lexikalischer Angebote zu schwächen.
Als Beispiel für die Schnittstelle von Kultur, Forschung und KI dient die 2019 in Bonn aufgeführte Teil-Uraufführung einer durch KI geschaffenen sogenannten Zehnten Symphonie Ludwigs van Beethovens, die in der Bonner Konzernzentrale der Telekom präsentiert wurde. Solche Projekte zeigen, wie sehr algorithmisch erzeugte Inhalte die Definitionslinien von Authentizität und Urheberschaft verschieben. Für Fachlexika bedeutet das konkret, Metadaten zu verstärken, Urheber- und Lizenzinformationen klarer zu kennzeichnen und Schnittstellen zu schaffen, die maschinenlesbare Nachweise erlauben.
Die Auseinandersetzung auf dem Symposium macht deutlich, dass es nicht nur um die Form der Angebote geht, sondern um ihre langfristige Nutzbarkeit für Forschung, Lehre und Öffentlichkeit. Neben technischen Lösungen wurden institutionelle Kooperationen und standardisierte Prüfprozesse als Voraussetzungen genannt, um Künstliche Intelligenz produktiv in bestehende Wissensinfrastrukturen einzubinden. Für Fachbereiche wie die Musikforschung bleibt die Herausforderung, Verlässlichkeit, Erreichbarkeit und wissenschaftliche Nachvollziehbarkeit gleichermaßen zu gewährleisten.




