„Wie findest du eigentlich Soaking?“ Diese Frage stellte mir heute ein guter Freund, seines Zeichens amerikanischer Staatsbürger im deutschen Exil. Diese Information ist für das Folgende wichtig, wie Sie gleich sehen werden.
„Wie, Soaking?“, fragte ich, „Soaking wie einweichen? Sprechen wir hier vom Geschirrspülen? Von der Badewanne? Oder ist das so ein Sex-Ding?“ „Ein Sex-Ding.“ Er lachte, und ich fühlte mich ein wenig doof. Also ließ ich mich aufklären, und glauben Sie mir, ich lauschte ganz genau hin.
Beim Soaking führt der Mann seinen Penis in die Vagina seiner Partnerin ein und verharrt dann regungslos. Keine Stöße, kein Rein-Raus. Reinstecken und genießen. Oder so. Er kenne das Prinzip ursprünglich von Freunden, so mein US-amerikanischer Buddy, die im Glauben der Church of Jesus Christ of Latter-day Saints, kurz LDS-Kirche, auch bekannt als Mormonen, erzogen wurden. Und für die Sex vor der Ehe streng verboten war.
Der Gedanke: Durch den Verzicht auf Stoßbewegungen gelte der Akt nicht als vollständiger Geschlechtsverkehr. Personen, die Soaking praktizieren, glauben so oft, ihre Jungfräulichkeit bewahren zu können und ja, eventuell auch Lust zu erleben, ohne eine Sünde zu begehen. Na gut, ein ganz kleines bisschen sündigen vielleicht, nur nicht zu viel.
Ich sollte an dieser Stelle ergänzen, dass Soaking keineswegs mormonischen Werten entspricht. Für manchen aber mag es eine Art willkommene Grauzone darstellen. So was wie „Ja sorry, ich bin da irgendwie so reingerutscht – und dann einfach drin geblieben.“ Ob und wie häufig Soaking von Mitgliedern der LDS-Kirche tatsächlich betrieben wird, ist unklar. Klar ist dagegen, dass es für viele von uns etwas Neues sein dürfte. Und wer weiß, vielleicht wollen Sie ja mal ausprobieren, wie es sich anfühlt. Schauen wir uns den Bums mal genauer an. Moment. Den Nicht-Bums, denn gebumst wird ja nicht.
Warum sollte ich Soaking ausprobieren?
Weil Sie neugierig sind. Darauf, wie es sich anfühlt, in Ihrer Partnerin zu verharren. Eins zu sein, ohne eine explizit sexuelle Komponente. Und ja, auch Lust kann hierbei im Vordergrund stehen. Denn das genitale Verschmelzen ist selbstverständlich auch ohne penetrative Bewegungen stimulierend, geil. Noch geiler, wenn Sie nebenbei knutschen, Fantasien miteinander teilen, dirty talken oder sich oder den Partner manuell stimulieren. Oder einfach alles.
Die extreme körperliche Nähe macht Soaking außerdem zu einem wahnsinnig intimen Akt, der, so glaube ich, die Bindung zweier Partner absolut intensivieren kann. Ich meine, Sie marinieren in den Körperflüssigkeiten des anderen, stecken literally ineinander, Schlüssel-Schloss-Prinzip, noch mehr geht nicht. Klar, bei regulärem Sex ist das auch der Fall. Doch stehen dabei nun mal Penetration und der anschließende sexuelle Höhepunkt im Fokus. Sich aber so nah sein, ohne ein Ziel im Sinn zu haben? Könnte für so manchen seinen Reiz haben.
Eventuell wird‘s auch lustig. Stellen Sie sich vor, die Netflix-Serie, die während Ihrer Soaking-Premiere im Hintergrund läuft, ist kompletter Schrott, den Sie dringend um- oder abschalten wollen. Greifen Sie jetzt mal nach der Fernbedienung, ohne aus Ihrem Girl rauszurutschen.
Quelle:
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