Am Samstagabend empfängt der FC St. Pauli den Bundesliga-Tabellenführer FC Bayern München am Millerntor. Können die abstiegsbedrohten Hamburger den FCB wie im Hinspiel ärgern – und dieses Mal vielleicht sogar punkten?
“Kiezclub im Krisenmodus” – Was ein wenig nach semi-reißerischem Boulevard klingt, sind die Worte des Rekordmeisters. Zumindest überschreibt der FC Bayern seine Vorschau auf die Partie beim FC St. Pauli am Samstagabend (18.30 Uhr, im NDR Livecenter) mit diesen Worten.
Die Münchner biegen dann aber schnell auf den Pfad der Analyse ab – und die ist absolut treffend. Da beschreiben sie die Braun-Weißen als “defensiv organisiert, laufstark, mit klaren Stärken bei Standards – aber offensiv zu selten zwingend und tabellarisch unter Druck”. Die Hamburger stehen mit 25 Zählern auf Relegationsrang 16 – zwei Punkte hinter dem SV Werder Bremen am rettenden Ufer sowie vier Zähler vor dem VfL Wolfsburg auf dem ersten direkten Abstiegsplatz.
St. Pauli im “Real-Sandwich”
Aus Sicht des FCB ist die Partie im Champions-Legaue-Sandwich – am nächsten Mittwoch steht das wichtige Viertelfinal-Rückspiel gegen Real Madrid an – daher “eine Pflichtaufgabe mit klarer Favoritenrolle, aber ohne Spielraum für Nachlässigkeiten”. Sehr wohl aber wird es im Team von Trainer Vincent Kompany mit Blick auf den Königsklassen-Kracher gegen St. Pauli wahrscheinlich reichlich Raum für personelle Wechsel geben – und zwar in allen Mannschaftsteilen vom Torhüter bis in die Sturmspitze.
“In den letzten drei Spielen waren wir nah dran, aber über 90 Minuten braucht man auch Matchglück.”
St. Paulis Trainer Alexander Blessin hofft daher ein wenig darauf, dass der FCB zwischen den beiden Duellen mit Real Madrid nicht voll fokussiert am Millerntor antritt. “Von zehn Spielen werden sie im Normalfall zehn gewinnen. Aber vielleicht haben sie ja mal einen schlechten Tag”, sagte der 52-Jährige. “Das ist mit die beste Mannschaft auf der Welt. Wir haben nichts zu verlieren, aber wir wollen trotzdem alles reinhauen und freuen uns wahnsinnig auf das Spiel.”
Die Hamburger wollen an das Hinspiel anknüpfen. Da ärgerten die “Kiezkicker” den Rekordmeister nämlich gewaltig. Erst ein Doppelschlag in der Nachspielzeit brachte den Bayern einen 3:1-Sieg.
“Wir werden unser Bestes geben, um es ihnen so schwer wie möglich zu machen und ein gutes Ergebnis zu erzielen.”
Mit einem frühen Tor von Andreas Hountondji hatte die Blessin-Mannschaft die Münchner geschockt – und danach dank eines leidenschaftlichen Auftritts und starker Defensive auch nach dem 1:1 kurz vor der Pause zurecht von einem Punkt an der Isar träumen dürfen.
Es kam anders, dennoch hat Hinspiel-Torschütze Hountondji für die Partie am Sonnabend Hoffnung – und ein klares Ziel: “Im Rückspiel wollen wir es besser machen.” Klar sei natürlich: “Die Bayern sind ein absolutes Topteam und wir sind der Underdog.” Aber, so der 23-Jährige auf der Homepage des Clubs: “Wir werden unser Bestes geben, um es ihnen so schwer wie möglich zu machen und ein gutes Ergebnis zu erzielen.”
Sorgen im Mittelfeldzentrum
Große Stücke setzt er dabei auf den Zusammenhalt des Teams: “Wir sind eine top Gruppe mit einer tollen Mentalität.” Auf die wird es gegen den unangefochtenen Tabellenführer auch ankommen, soll eine Überraschung gelingen. Zumal die Hamburger nach dem späten Platzverweis von Kapitän Jackson Irvine beim 1:1 gegen Union Berlin und dem drohenden weiteren Ausfall von James Sands (Sprunggelenk) im Mittelfeld erneut umbauen müssen. Connor Metcalfe und Mathias Rasmussen könnten auf der Doppelsechs auflaufen.
Ein Lichtblick beim zähen Kick in der Hauptstadt war der Auftritt von Mathias Pereira Lage. Der portugiesische Linksaußen wurde von Blessin etwas weiter nach hinten beordert und zeigte nicht nur wegen seines Traumtores eine gute Leistung.
Hountondji: “Qualität, den Klassenerhalt zu schaffen”
Hountondji, gegen Union nach 60 Minuten für Martijn Kaars eingewechselt, hofft auf einen Startelf-Einsatz – und vielleicht ja wieder ein frühes Tor: “Es war ein super Gefühl und ein besonderer Moment für mich”, sagte er mit Blick auf seinen Treffer in München im vergangenen November.
Wichtiger aber ist dem Nationalspieler des Benin der Klassenverbleib am Ende der Saison: “Ich war in meiner Karriere schon oft in solch einer Situation und bin froh, dass ich noch nie abgestiegen bin.” Und er ist sich sicher: “Wir haben die Qualität, den Klassenerhalt erneut zu schaffen und in dieser Liga zu überleben.” Ein überraschender Punkt gegen den FC Bayern könnte diese Überzeugung weiter stärken.
Mögliche Aufstellungen
FC St. Pauli: Vasilj – Ando, Wahl, Mets – Pyrka, Rasmussen, Metcalfe, Ritzka – Fujita, Pereira Lage – SinaniFC Bayern München: Urbig – Laimer, Kim, Ito, Davies – Goretzka, Bischof – Karl, Guerreiro, Musiala – Jackson
Quelle:
www.sportschau.de


