Für John Degenkolb ist es das “brutalste Rennen” des Jahres. Und das schönste. Der hessische Radprofi kehrt am Sonntag zurück nach Paris-Roubaix – und will es auf seine älteren Tage noch mal wissen.
Paris-Roubaix hat viele Namen. Die “Hölle des Nordens” zum Beispiel. Oder “Königin der Klassiker”. Für John Degenkolb aus Oberursel (Hochtaunus) ist es einfach “das brutalste und härteste Radrennen, das man sich vorstellen kann”. Über 258,3 Kilometer geht es für die besten Radprofis der Welt am Sonntag (ab 14 Uhr live im Ersten und im Livestream) wieder nach Roubaix. Fast 55 Kilometer führen dabei über Kopfsteinpflaster – Schmerzen, Leiden, ein Wahnsinnsritt, der zur Legendenbildung taugt. Wer Paris-Roubaix gewinnt, eines der fünf Monumente des Radsports, gehört zu den Größten seiner Zunft. Wie Degenkolb.
2015 war es, da triumphierte der Hesse bei seinem Lieblingsrennen als zweiter Deutscher überhaupt (nach Josef Fischer bei der Premierenausgabe 1896). Er setzte sich im Zielsprint durch. Weitere Top-Platzierungen beim wichtigsten Eintagesklassiker, dem nach der Tour de France wohl zweitbedeutendsten Rennen des Jahres, pflastern die Vita Degenkolbs. “Das Rennen ist mir einfach auf den Leib geschneidert”, so Degenkolb gegenüber dem hr-sport.
“Paris-Roubaix fließt durch meine Adern”
2024, bei seiner bisher letzten Teilnahme, kämpfte sich der mittlerweile 37-Jährige auf einen beachtlichen elften Platz, im Ziel kullerten Tränen des Glücks. “Paris-Roubaix fließt durch meine Adern”, sagte Degenkolb damals, “nichts ist mit diesem Rennen vergleichbar. Es ist einfach großartig, hier und Teil dieses Stücks Radsport-Tradition zu sein.”
Eine solche Aussage bekommt dann noch mehr Gewicht, wenn man es eben nicht ist, ein Teil dieser Tradition. Vergangenes Jahr erlebte Degenkolb, der für das niederländische Team Picnic PostNL antritt, das Rennen im Krankenhaus, war er kurz vorher schwer gestürzt und bangte gar um die Fortsetzung seiner Karriere. Am Sonntag kehrt er zurück an den Start, er wolle noch einmal angreifen, sagte Degenkolb im Vorfeld. “Aber ich spüre schon Respekt und Ehrfurcht”, so Degenkolb.
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ARD-Experte traut Degenkolb gute Rolle zu
Gibt es etwa auch eine Chance auf einen Sieg? “Nein, nein”, entfährt es dem ARD-Radsportexperten Florian Naß spontan bei dieser Nachfrage, “gewinnen wird Dege das Rennen nicht”. Sehrwohl traut der langjährige Tour-de-France-Kommentator dem Hessen aber eine Platzierung im vorderen Bereich zu.
“Vielleicht Top 10”, so Naß, denn: “Für dieses Rennen braucht man viel Erfahrung.” Degenkolb wird bereits das 13. Mal am Start stehen. Niemand weiß genau, ob es vielleicht das letzte Mal für ihn sein wird. Das Karriereende dürfte nicht mehr allzu fern sein.
Gehören zum Rennen dazu wie das Kopfsteinpflaster: die Duschen im Velodrom von Roubaix. John Degenkolb kennt sich aus.
Auch Rutsch mit guten Erinnerungen
Die Favoriten sind jedoch andere, vor allem zwei: Nahezu alle Experten rechnen wie zuletzt bei der Flandern-Rundfahrt mit einem Duell zwischen dem Niederländer Mathieu van der Poel, der zuletzt dreimal in Folge in Roubaix triumphierte, und Tadej Pogacar aus Slowenien.
Im Vorjahr lieferten sich beide einen spektakulären Radtag. Pogacar kämpfte bei seiner Roubaix-Premiere mit van der Poel auf Augenhöhe, musste sich nur nach einem Steuerfehler und Sturz mit Platz zwei begnügen. Vier Ränge weiter hinten rollte Jonas Rutsch über die Linie – nicht weniger als eine kleine Sensation. Der Erbacher (Odenwald) hatte eine Ausreißergruppe initiiert und war nur 46 Sekunden hinter Sieger von der Poel ins Ziel gekommen – Rutschs bisher größter Karriereerfolg. Die “Hölle des Nordens” als Wohlfühloase hessischer Radprofis.
Quelle:
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