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Der Schwimm-Weltverband hat Russland und Belarus wieder vollständig bei internationalen Wettkämpfen zugelassen. Er folgt dabei der Maßgabe von IOC-Präsidentin Kirsty Coventry.
In die Liste der Spitzensportfunktionäre, die sich um den Weltfrieden verdient machen, gehört nun auch Husain Al-Musallam, Präsident des Weltschwimmverbandes World Aquatics. Die Entscheidung, dass Athleten aus Russland und Belarus künftig wieder nahezu uneingeschränkt bei internationalen Wettkämpfen mitschwimmen dürfen, feierte der Weltverbandspräsident als Friedensbotschaft.
Der Weltverband werde, wie in den vergangenen drei Jahren weiter dafür sorgen, “dass Schwimmbecken und Freiwasser weiterhin Orte bleiben, an denen Athleten aus allen Nationen in friedlichem Wettkampf zusammenkommen können.”
Raketenangriff auf ukrainisches Schwimmzentrum
Vielleicht hätte Al-Musallam vorher einmal mit Mychailo Romantschuk sprechen sollen, dem ukrainischen Top-Schwimmer, für einen Realitäts-Check: Der Olympia-Zweite trainierte eine Zeit lang in Magdeburg, nachdem im Schwimmzentrum in seiner Heimat eine russische Rakete eingeschlagen war.
Oder mit Ivan Perepelytsya, einem Schwimm-Coach aus Kiew, der dort unter anderem mit verwundeten Kriegsveteranen trainiert, die Gliedmaßen verloren haben. Das Schwimmtraining helfe gegen den Phantomschmerz, erzählte der Trainer dem Deutschlandfunk.
Entscheidung des Schwimm-Verbandes überrascht nicht
Wäre es nicht so zynisch, man hätte Geld darauf setzen können, welcher der großen Verbände einer olympischen Kernsportart als erster einknickt und Athleten aus Russland und Belarus wieder zurück in die Sportfamilie holt. Dass es das Schwimmen sein wird, dürfte nicht überraschen.
Der von Al-Musallam geführte Weltverband hat schon 2023, als zweite große Disziplin nach dem Turnen, beschlossen, die bis dahin verbannten Athleten aus Russland und Belarus als sogenannte neutrale Athleten wiederzuzulassen. Bei den Weltmeisterschaften im vergangenen Jahr durften dann auch erstmals wieder russische Teams ins Wasser, die Synchronschwimmerinnen aus Putins Reich holten gleich wieder Silber.
Präsident mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert
Nun also die vollständige Rehabilitation der Schwimmer aus Russland und Belarus durch den Weltverband und seinen katarischen Präsidenten, der sich während seiner Amtszeit schon mehreren Korruptionsvorwürfen gegenübersah. Den Weg dafür bereitet hat aber die Vorsitzende des Internationalen Olympischen Komitees: IOC-Chefin Kirsty Coventry hat bei den Winterspielen im vergangenen Februar die Tür für eine vollständige Rückkehr Russlands in den olympischen Sport weit aufgestoßen, mit ihrer Maßgabe, der Sport müsse als “neutraler Ort” bewahrt werden, “an dem Athleten frei antreten können ohne aufgehalten zu werden durch die Politik oder Regierungen.”
Schwimm-Präsident Al-Musallam galt bei der IOC-Präsidenten-Wahl übrigens als Unterstützer von Coventry.
Quelle:
www.sportschau.de




