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Papst warnt vor "dunklen Seiten" von Sozialen Medien und KI

Halbzeit beim Afrikabesuch des Papstes: Und wieder setzt Leo XIV. einen besonderen Akzent. Bei einer Rede vor Studierenden und Dozenten in Kameruns Hauptstadt Jaunde warnte das katholische Kirchenoberhaupt eindringlich vor negativen Folgen Sozialer Medien und Künstlicher Intelligenz.

In Afrika sehe man neben den faszinierenden Aspekten auch die “dunkle Seite” der digitalen Revolution. Dazu gehörten nicht nur die ökologischen und sozialen Schäden durch den Abbau von Rohstoffen und Seltenen Erden, so der Papst am Freitag in der Katholischen Universität Zentralafrikas.

Appell zum eigenen Denken

Er rief die Studierenden, die ihn begeistert feierten, dazu auf, Künstliche Intelligenz kritisch zu begleiten. Sie habe immer größeren Einfluss auf soziale und geistige Entwicklungen. Deshalb gelte es, sich eigene Freiheit und eigenes Denken zu bewahren, so der Papst in seiner auf Französisch gehaltenen Ansprache.

Kamerun Jaunde 2026 | Leo XIV. hält eine Rede in der Katholischen Universität, im Vordergrund unscharf zwei afrikanische Professoren (17.04.2026)
Papst Leo bei Rede in der Katholischen Universität (am Freitag): “Austausch der Realität durch Simulation”Bild: Simone Risoluti/Vatican Media/ABACAPRESS/IMAGO

“Die Herausforderung durch diese Systeme ist größer als sie scheint”, mahnte der Papst mit Blick auf Künstliche Intelligenz. “Es geht nicht nur um die Nutzung neuer Technologien, sondern um den allmählichen Austausch der Realität durch ihre Simulation.”

Auf diese Weise verbreiteten sich “Polarisierung, Konflikte, Angst und Gewalt. Es geht nicht nur um die Gefahr von Irrtümern, sondern um einen grundlegenden Wandel in unserer Beziehung zur Wahrheit”, gab Leo zu bedenken. “Wenn die Simulation zur Norm” werde, lebten alle “in einer undurchlässigen Blase” und fühlten sich “bedroht durch alles, was anders ist”, warnte er.

Trumps Selbstdarstellung mit KI

Die Äußerungen des Papstes erfolgten auch vor dem Hintergrund zunehmender Kritik an der Nutzung KI-generierter Bilder durch US-Präsident Donald Trump zu politischen Zwecken. Nach scharfer Kritik des Papstes am Iran-Krieg hatte Trump am Sonntag ein mit Hilfe von KI erstelltes Bild veröffentlicht, das ihn als Heiligen zeigt. Die von christlichen Ikonen inspirierte Illustration wurde einen Tag später wieder gelöscht.

USA 2026 | KI-generiertes Bild von Donald Trump als Jesus auf Truth Social (12.04.2026)
KI-Generiertes Bild von US-Präsident Trump: Von christlichen Ikonen inspirierte IllustrationBild: @realDonaldTrump/Truth Social/Handout/REUTERS

An der Universität in Jaunde appellierte der in den USA geborene Papst an die Studierenden, “die Verschiedenheit der Menschen” einer “funktionalen Antwort” von Chatbots vorzuziehen.

An diesem Samstag geht es für Leo XIV. weiter nach Angola. Vor seinem Abflug feierte er zunächst noch eine Messe am Flughafen von Jaunde. In dem Gottesdienst bekräftigte er vor rund einer halben Million Menschen die “vorrangige Option der Kirche für die Armen”. Damit folgte Leo der Linie seines vor einem Jahr gestorbenen Vorgängers Franziskus.

Leos Sicht auf die Befreiungstheologie

Die “Option für die Armen” hatte sich Ende des 20. Jahrhunderts als eine zentrale Forderung der Befreiungstheologie in Lateinamerika durchgesetzt – war aber in der katholischen Kirche zunächst umstritten. Papst Franziskus entwickelte den Ansatz in seinem Pontifikat weiter und Leo will das nun offenbar fortführen.

Kamerun Jaunde 2026 | Gläubige bei Open-Air-Gottesdienst von Papst Leo XIV. (18.04.2026)
Gottesdienstbesucher am Flughafen von Jaunde: “Bürgersinn und ziviles Verantwortungsbewusstsein”Bild: Christoph Sator/dpa/picture alliance

Das Bibelzitat “Fürchtet euch nicht” habe eine umfassende Bedeutung, auch auf sozialer und politischer Ebene, predigte Leo XIV. in Jaunde. Dies sei eine Ermutigung, Probleme in Sachen Armut und Gerechtigkeit “mit Bürgersinn und zivilem Verantwortungsbewusstsein anzugehen”.

AR/se (kna, afp)


Quelle:

www.dw.com