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Der SC Freiburg tanzt wie die Bayern – auf drei Hochzeiten

Stand: 20.04.2026 • 17:18 Uhr

Halbfinale im DFB-Pokal, Halbfinale in der Europa League, und in der Bundesliga wieder mit der Aussicht auf die Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb: Der SC Freiburg spielt eine grandiose Saison – weil er der Meister seiner eigenen Kragenweite ist.

Marcus Bark

Der Donnerstag ist in der Regel außen vor, wenn die Ansetzungen für den DFB-Pokal erfolgen. Höchst selten ist am vierten Tag der Woche in diesem Wettbewerb gespielt worden. Eine der legendären Partien wurde jedoch an einem Donnerstag gespielt. Am 31. Mai 1984 trafen sich im Fankfurter Waldstadion der FC Bayern und Borussia Mönchengladbach, um den Gewinner des Pokals zu ermitteln. Der junge Lothar Matthäus bestritt sein letztes Spiel für die Gladbacher. Er verschoss im Elfmeterschießen, die Bayern holten den Pokal.

Der 31. Mai 1984 war mit Christi Himmelfahrt ein Feiertag, und daher passte die Ansetzung ein paar Tage nach dem letzten Bundesligaspieltag und vor der Europameisterschaft in Frankreich ganz gut.

Das bislang letzte Halbfinale an einem Donnerstag wurde am 25. April 1991 gespielt, ebenfalls im Waldstadion. Die Frankfurter Eintracht traf auf Werder Bremen, nach der Verlängerung stand es 2:2. Es gab ein Wiederholungsspiel, das die Bremer mit 6:3 gewannen. Das andere Halbfinale fand im ersten Anlauf auch keinen Sieger. Der MSV Duisburg und 1. FC Köln trennten sich 0:0. Dieses Spiel war am Dienstag, 23. April. Am Mittwoch spielte der FC Bayern im Halbfinale des Europapokals der Landesmeister, und dieser Wettbewerb dürfte auch der Grund gewesen sein, dass an jenem Tag keine Konkurrenz durch den nationalen Pokal geschaffen werden sollte.

Der Europapokal ist nun auch der Grund, dass nach 35 Jahren wieder mal einem Donnerstag ein Halbfinale im Pokal gespielt wird. Am 23. April trifft der VfB Stuttgart auf den SC Freiburg, Beide Mannschaften spielten in der Bundesliga erst am Sonntag, weil Freiburg am Donnerstag zuvor noch in der Europa League beschäftigt war.

Sechster gegen Erster, Vierter gegen Siebter

Im anderen Halbfinale des DFB-Pokals empfängt Bayer Leverkusen am Mittwoch (22. April) den FC Bayern München. In Bundesliga-Platzierungen ausgedrückt kommt es also zu Vergleichen zwischen dem Sechsten und Ersten sowie dem Vierten und Siebten. Anders als in der Saison zuvor, als Drittligist Arminia Bielefeld sogar bis ins Finale kam, geht der Überraschungsfaktor gegen Null.

Auch dass der FC Bayern den Tanz auf der einen Hochzeit, nämlich der Meisterschaft, schon abgehakt hat und zwei weitere Titel anstrebt, ist für den deutschen Fußball des 21. Jahrhunderts halbwegs normal. Dass allerdings der SC Freiburg noch auf drei Hochzeiten tanzt, ist außergewöhnlich.

Nach einem Regionalligisten drei Zweitligisten ausgeschaltet

Die Mannschaft von Trainer Julian Schuster erweist sich auf nationaler Ebene wieder mal als meisterhaft darin, das Machbare erfolgreich zu lösen. Im DFB-Pokal gab es bislang noch keinen Vergleich mit einem Bundesligisten. Nach dem Viertligisten Sportfreunde Lotte wurden die Zweitligisten Fortuna Düsseldorf, SV Darmstadt 98 und im Elfmeterschießen Hertha BSC aus dem Weg geräumt.

In der Liga zog der SCF durch den Sieg gegen den 1. FC Heidenheim an Eintracht Frankfurt vorbei. Es war der zwölfte Saisonsieg, nur einer davon gelang gegen eine Mannschaft, die in der Tabelle vor den Freiburgern platziert ist. Das war am dritten Spieltag beim 3:1 gegen den VfB Stuttgart. Das Rückspiel gewannen die Schwaben, die nun auch im Pokal wieder Heimrecht haben.

Auch in Hoffenheim (0:3), Leverkusen (0:2) und Leipzig (0:2) setzte es Niederlagen, ohne dass ein Treffer gelang. Lediglich in München erzielten die Freiburger Tore. Sie führten sogar 2:0, verloren letztlich aber 2:6.

Meister der eigenen Kragenweite

Der SC Freiburg ist der Meister der eigenen Kragenweite, und das schon seit Jahren. Regelmäßig ist er daher inzwischen auch im Europapokal vertreten. Bereits zum dritten Mal in den vergangenen vier Spielzeiten schaffte es der SCF in die K.o.-Runde der Europa League. Erstmals gelang nun sogar der Einzug ins Halbfinale, und das furios.

Freiburgs Trainer Julian Schuster

Nach dem 3:0 gegen Celta Vigo wurde im Viertelfinale auch das Rückspiel mit 3:1 gewonnen. Der SC Freiburg schaltete den aktuellen Tabellensechsten der spanischen La Liga so souverän aus, dass er gegen den SC Braga, Tabellenvierter der portugiesischen Liga, vielleicht sogar als leichter Favorit gilt.

Es ist der vorletzte Donnerstag im April, und der SC Freiburg hat noch noch Chancen, zwei Titel zu holen. Ein Gewinn der Europa League würde erstmals in der Vereinsgeschichte in die Champions League führen. Im anderen Halbfinale treffen die beiden englischen Klubs Nottingham Forest und Aston Villa aufeinander. Das ist wirtschaftlich eine andere Kragenweite, sportlich wäre Villa zwar Favorit, aber auch nur so wie es der VfB im DFB-Pokal wegen seines Heimvorteils ist.

Das Spiel gibt es live im Ersten und im Stream zu sehen – am Donnerstag.


Quelle:

www.sportschau.de