Der FC St. Pauli taumelt dem Abstieg entgegen. Nach erneut trauriger Leistung holten die Kiezkicker beim 1:2 (0:2) auch gegen Mainz 05 keine Punkte. Die 05er hingegen feierten ihren endgültigen Klassenerhalt.
Der stark aufspielende Mittelstürmer Phillip Tietz (6.) und Verteidiger Phillipp Mwene (40.) erzielten die Treffer der Mainzer. Der Anschlusstreffer des eingewechselten Abdoulie Ceesay zum 1:2 kam zu spät (87.). Die Rheinhessen haben damit – auf Rang zehn liegend – den Klassenerhalt gesichert. Ganz anders St. Pauli, das nach dem erneuten Tiefschlag zwar noch auf dem Relegationsrang liegt, allerdings befürchten muss, dass der VfL Wolfsburg von hinten kommend noch vorbeizieht.
Der Angriff – St. Paulis Problemzone
Die Ausgangslage für beide Teams konnte im mit fast 30.000 Fans restlos ausverkauften Millerntor-Stadion unterschiedlicher kaum sein. Während Mainz nach den letzten erfolgreichen Wochen locker aufspielen konnte, stecken die Hamburger tief im Abstiegskampf. Das große Problem des FC St. Pauli: Das Team ist offensiv viel zu harmlos. Die Kiezkicker schossen in 31 Spielen gerade einmal 26 Treffer. In vier der letzten sieben Ligaspiele blieben die “Boys in Brown” wieder gänzlich torlos. In den anderen drei Partien war es jeweils nur ein Treffer.
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Aufbaufehler bringt St. Pauli in Rückstand
Umso erstaunlicher, dass die Hamburger loslegten wie die Feuerwehr und schon nach drei Minuten für allerhellste Aufregung vor dem Mainzer Kasten sorgen konnten. Zwei Eckstöße in Folge sorgten für Chaos vor dem Kasten von Keeper Daniel Batz. Ein Tor lag in der Luft, es fiel aber nicht. Zumindest nicht im Mainzer Kasten.
Der Treffer fiel auf der anderen Seite: St. Paulis Abwehr versuchte einen spielerischen Aufbau von hinten, das ging schief. Sechser Eric Smith konnte das viel zu riskante Anspiel von Hauke Wahl nicht verarbeiten, Kaishu Sano ging dazwischen und die Kugel landete beim völlig blank vor dem Kasten wartenden Tietz, der keine Mühe hatte, aus 16 Metern zum 0:1 zu vollstrecken (6.).
St. Pauli – das Problem mit der Harmlosigkeit
St. Pauli hatte sich quasi selbst in Rückstand geschossen – es war ein ungeheurer Tiefschlag. Man fragt sich in solcherlei Momenten, warum Teams wie St. Pauli überhaupt dieses enorme Risiko eingehen, trotz Gegnerdruck von hinten auf Teufel komm raus spielerisch aufbauen zu wollen. Nun lagen die Kiezkicker früh zurück – und Mainz igelte sich direkt mal hinten ein, um die Hamburger kommen zu lassen.
Und genau dies – einen dichten Abwehrriegel spielend aufzubrechen – damit hat St. Pauli schon die ganze Saison lang enorme Probleme. Auch diesmal. Die Mainzer hatten überhaupt keine Schwierigkeiten, dem Gegner den gefährlichen Bereich zu versperren. Je näher St. Pauli dem Mainzer Strafraum kam, desto mehr Tempo ging verloren – die Fans sahen fades Ballgeschiebe vor dem 16er des Auswärtsteams.
Mainz – einfach und schörkellos
Wie man ganz einfach treffen kann, zeigte Mainz in der 40. Spielminute. Tietz machte einen langen Ball stark fest, legte die Kugel rechts raus auf Silvan Widmer, der ganz frei zurücklegen konnte auf den herbeieilenden Mwene. Und der schob die Kugel ganz lässig zum 0:2 über die Linie. St. Pauli war ausgespielt – aber so richtig.
Die Mainzer Spieler bejubeln ihre Führung gegen St. Pauli
Aber hatten die Hamburger auch schon ausgespielt? Bei einer erneuten Niederlage wäre definitiv nicht mehr drin als der Relegationsplatz, zudem drohte in dem Fall auch der VfL Wolfsburg von hinten an den Hamburgern vorbeizuziehen.
St. Pauli wechselt, Mainz dominiert
St. Pauli musste etwas tun. Coach Alexander Blessin brachte mit Connor Metcalfe und Adam Dzwigala zwei neue Leute – aber auch neuen Schwung? Erst einmal hatte Mainz das 0:3 auf dem Fuß. Besser gesagt Nadiem Amiri hatte es vor den Füßen liegen. Auf der linken Seite hatte er sich bis vors Hamburger Tor durchgespielt – einzig der den Winkel verkürzende Vasilj verhinderte den erneuten Einschlag (48.).
Zwei Minuten später war St. Paulis Abwehr schon wieder ausgespielt. Sheraldo Becker war völlig blank zum Kopfball gekommen, nachdem Amiri und Mwene mustergültig vorbereitet hatten – wieder musste Vasilj die Fehlerkette seiner Vorderleute ausbügeln.
Millerntor lechzt nach Action
Wie bescheiden die Fans am Millerntor geworden sind, verdeutlichte Metcalfes Abschluss in der 64. Minute. Der Einwechselspieler zog aus gut 23 Metern ab. Weit über den Mainzer Kasten – dennoch jubelten die Hamburger Fans beinahe euphorisch. Sie hatten wenigstens mal einen Torabschluss ihres Teams gesehen.
Auf der anderen Seite weiter alles viel klarer: Nach einer Widmer-Flanke von rechts nahm Mwene im Zentrum volley ab – und nur Dzwigalas Rettungsaktion auf der Linie verhinderte das 0:3.
Plötzlich doch noch Hoffnung
Das Publikum blieb geduldig – doch auch auf den Rängen waren die Nerven dann irgendwann überstrapaziert. Als der eingewechselte Martijn Kaars in der 75. Minute eine endlich einmal aussichtsreiche Torgelegenheit verdaddelt hatte, schallten plötzlich gellende Pfiffe durch die Arena. Man hatte irgendwie genug von St. Paulis Dilettantismus.
Und dann kam plötzlich doch noch einmal Stimmung auf. Nach einem langen Ball in die Spitze war Ceesay plötzlich halbrechts ganz frei und stocherte die Kugel durch die Beine von Keeper Batz zum 1:2 über die Linie (88.). Fünf Minuten Nachspielzeit blieben den plötzlich wieder hoffenden Hamburgern – doch Joel Fujitas Fernschuss blieb die einzig nennenswerte Chance. Und die vereitelte 05-Keeper Batz.
St. Pauli in Leipzig, Mainz gegen Union
Das kommende Programm für beide Teams: St. Pauli ist am Samstagnachmittag bei RB Leipzig zu Gast (15.30 Uhr). Mainz empfängt am Sonntagabend Union Berlin (19.30 Uhr).
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Quelle:
www.sportschau.de




