Tadej Pogacar hat mit einer Solo-Show in den Bergen der Auvergne die 10. Etappe der Tour de France gewonnen. Dabei beglich der Slowene im Zielort Le Lorian im Zentralmassiv auch eine offene Rechnung.
Einmal mehr zeigte Pogacar, wie sehr er den anderen Fahrern überlegen ist. 15,5 Kilometer vor dem Ziel attackierte der 27-Jährige aus dem nur noch kleinen Feld der Klassementfahrer. Am Col de Pertus, einem Berg der 1. Kategorie, ging Pogacar kurz aus dem Sattel. Dem explosiven Antritt des Mannes im Gelben Trikot konnte keiner der Kontrahenten folgen, es gab noch nicht einmal eine richtige Reaktion.
10. Etappe
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Gesamtwertung
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Fast noch beeindruckender war, wie Pogacar dann zu Richard Carapaz aufschloss. Der Ecuadorianer war bei Pogacars Attacke alleine vorne und hatte 46 Sekunden Vorsprung. Nur noch 900 Meter waren es für den 33-Jährigen bis zur Bergwertung – aber die sollte Pogacar gewinnen. 250 Meter vor der Passhöhe flog er an Carapaz vorbei, ging als Solist in die Abfahrt und den nicht ganz so schweren Schlussanstieg. Für Pogacar war es am Ende bereits der dritte Etappensieg bei dieser Tour und der 24. insgesamt.
Evenepoel nun Dritter im Gesamtklassement
Den zweiten Platz belegte Remco Evenepoel mit 32 Sekunden Rückstand. Der Belgier musste im Finale zwischenzeitlich abreißen lassen, kämpfte sich aber wieder ran und war dann im Schlusssprint der Verfolger der Schnellste. Zwei Sekunden hinter Evenepoel kamen Paul Seixas und Florian Lipowitz ins Ziel. Jonas Vingegaard, der in der Verfolgergruppe am meisten gearbeitet hatte, überquerte als Siebter die Ziellinie (+44 Sekunden). Im Gesamtklassement bleibt der Däne Zweiter, mit nun 3:36 Minuten Rückstand. Evenepoel rückt auf den 3. Platz vor, Lipowitz macht einen Platz gut und ist nun Sechster.
“Sehr zufrieden” zeigte sich Lipowitz mit dem Ergebnis und der Team-Leistung: “Die Beine waren ziemlich gut nach dem Ruhetag. Wenn Pogacar los fährt, hatten wir heute nicht die Beine, um zu folgen. Wir haben hinten versucht, die Lücke zu schließen. Aber Pogacar war einfach zu stark heute.”
Die 10. Etappe war ein richtiger Mittelgebirgshammer im Zentralmassiv. Auf den 166 Kilometern von Aurillac nach Le Lioran summierten sich 3.800 Höhenmeter, es ging dabei über sieben kategorisierte Anstiege. 19 Kilometer vor dem Ziel wartete einer von zwei Bergen der 1. Kategorie.
Vingegaard siegte 2024 in Le Lioran vor Pogacar
In die Etappe dürfte Pogacar mit einer Portion Extra-Motivation gegangen sein. Denn er hatte in der Auvergne noch eine Rechnung offen: 2024 beim gleichen Finale hatte Pogacar im Gelben Trikot 31 Kilometer vor dem Ziel attackiert, alles sah nach einem Solo-Sieg aus. Doch dann startete Vingegaard sein Aufholjagd und schlug den Slowenen im Zielsprint.
Und dass Pogacar nichts als den Sieg im Blick hat, das war schon früh zu sehen. Schon in der Anfangsphase sah man den Slowenen aufmerksam an der Spitze des Pelotons, er schloss sogar selber eine Lücke als sich das Feld einmal kurz geteilt hatte. Das UAE-Team wollte also zu keinem Zeitpunkt die Kontrolle verlieren.
Neun Franzosen in erster Ausreißergruppe
Nach dem Zwischensprint, den Mads Pedersen nach 25 Kilomtern hauchdünn vor Max Kanter gewann, gab es dennoch einen verbissenen Kampf um die Ausreißergruppe. Es dauerte dann fast 30 Kilometer, bis eine Gruppe sich richtig absetzen konnte. 31 Fahrer hatten es schließlich geschafft. Neun Franzosen waren dabei, das war keine Überraschung. Denn am französischen Nationalfeiertag hätte ein Etappensieg einen besonderen Stellenwert.
Bereits nach der ersten Bergwertung sortierten sich die Ausreißer neu. Der Kolumbianer Harold Tejada und der Spanier Javier Romo setzten sich ab. Pogacar spannte in dieser Phase bereits sein ganzes Team vorne ein und die Ausreißer kamen nicht richtig weg.
Romo muss weiter auf Grand-Tour-Sieg warten
Romo im Trikot des Movistar-Teams ließ sich davon aber nicht beeindruckenden. Der 27-Jährige zeigte ein starkes Rennen und wehrte sich gegen die UAE-Übermacht. Bei der zweiten Bergwertung des Tages setzte er sich von Tejada ab und fuhr nun als Solist an der Spitze. Dahinter sammelte das UAE-Team immer mehr Ausreißer ein. 55 Kilometer vor dem Ziel war dann nur noch Romo vorne.
Javier Romo als Ausreißer auf der 10. Etappe
Am Fuß des Puy Mary, dem ersten Anstieg der 1. Kategorie, war dann auch Romos Flucht beendet. 38 Kilometer vor dem Ziel war für den Spanier damit klar, dass es wieder nichts wird mit dem ersten Sieg bei einer Grand Tour. Dabei war er 2025 bei der Vuelta ganz nah dran, wurde aber von Landsmann Juan Ayuso, der keine Führungsarbeit leistete, regelrecht abgekocht und musste sich bei der 12. Etappe mit Platz zwei begnügen.
Carapaz attackiert 38 Kilometer vor dem Ziel
Kaum war Romo gestellt, attackierte Richard Carapaz. Der Ecuadorianer und hatte oben am Puy Mary 24 Sekunden Vorsprung. Im Hauptfeld verloren Evenepoel und Lipowitz rund einen Kilometer vor der Passhöhe mit Jai Hindley ihren letzten Helfer. Pogacar hatte da noch drei Helfer, Vingegaard noch einen im nur noch rund 20 Fahrer großen Feld.
19 Kilometer vor dem Ziel begann der 4,4 Kilometer lange Anstieg zum Col de Pertus, Carapaz nahm den Berg der 1. Kategrie mit 1:03 Minuten Vorsprung in Angriff. Aber auf dem letzten Kilometer begann dann die große Pogacar-Show. Für Carapaz blieb am Ende der 10. Platz (+2:09 Minuten). Belohnt wurde er für seinen mutigen Auftritt mit den goldenen Startnummer für dem kämpferischten Fahrer.
Neue Chance für die Sprinter an der Loire
Nach der schweren Bergetappe in der Auvergne folgt am Mittwoch eine Flachetappe. Die 11. Etappe führt über 161 Kilometer von Vichy nach Nevers. Lediglich zwei Bergwertungen der 4. Kategorie gibt es, die Chance auf einen Massensprint werden sich die Teams mit den schnellen Männern da kaum nehmen lassen.
Quelle:
www.sportschau.de



