Werbungspot_imgspot_img
TechnologieFalcon-9-Einschlag auf dem Mond: Simulationen sagen sichtbare Staubwolke voraus

Falcon-9-Einschlag auf dem Mond: Simulationen sagen sichtbare Staubwolke voraus

Am 5. August 2026 kommt es voraussichtlich um 08:34 Uhr deutscher Zeit (06:34 UTC) auf dem Mond zu einem außergewöhnlichen, von Menschen verursachten Ereignis: Die ausgediente obere Stufe einer Falcon-9-Rakete von SpaceX wird mit rund 8700 Kilometern pro Stunde auf der Oberfläche des Erdtrabanten einschlagen. Das etwa 3,9 Tonnen schwere Wrack ist seit über einem Jahr unkontrolliert im All unterwegs.

Weiterlesen nach der Anzeige

Gestartet war die Rakete am 15. Januar 2025 vom Kennedy Space Center in Florida, um die beiden kommerziellen Mondlander Blue Ghost-1 von Firefly Aerospace und Hakuto-R Mission 2 des japanischen Unternehmens Ispace zum Erdtrabanten zu bringen. Die Sonden setzte die Rakete auch im Orbit ab, nur die Blue Ghost-1 erreichte allerdings den Mond. Während die erste Stufe der Rakete („First Stage“) danach wieder wie vorgesehen zur Erde zurückkehrte, kreist die zweite Stufe („Second Stage“) seitdem weiter durch den Orbit. Normalerweise ändert die zweite Stufe nach dem Abgeben der Ladung noch einmal ihre Flugbahn und verglüht kontrolliert in der Atmosphäre. Das ist allerdings schon öfter missglückt. Jetzt befindet sich die besagte Zweitstufe auf Kollisionskurs mit dem Mond.

Einschläge auf dem Mond sind zwar häufig, doch der nun erwartete Aufprall bietet der Forschung eine seltene Gelegenheit. Anders als ein kompakter Meteorit besteht die Raketenstufe aus einem dünnwandigen Hohlkörper mit einem massiven Triebwerk. Ein internationales Forscherteam um William Jo von der University of Texas in Austin simulierte den Einschlag mit dem Programm Isale. Demnach schlägt zunächst das Triebwerk ein und erzeugt eine erste Vertiefung, bevor die kollabierenden Seitenwände den Großteil der Energie in den Mondboden übertragen. Dadurch unterscheidet sich der Einschlagsmechanismus deutlich von natürlichen Kollisionen.

Innerhalb der ersten 25 Millisekunden werden laut der Analyse über zwölf Tonnen Mondstaub und Gestein aufgewirbelt. Die Simulationen zeigen zwei markante Strukturen: Eine breite Auswurffahne soll in 15 bis 20 Kilometer Höhe aufsteigen und sich über einen Radius von bis zu 183 Kilometern ausbreiten. Das meiste Material falle nach drei bis vier Minuten wieder zurück, so die Erwartung. Gleichzeitig schieße direkt über der Einschlagstelle ein schmaler senkrechter Staubstrahl bis in 50 bis 100 Kilometer Höhe und bleibe bis zu zehn Minuten bestehen.

Die Staubwolke könnte mit ausreichend leistungsfähigen Teleskopen mehrere Minuten lang erkennbar sein, da die Partikel im luftleeren Raum das Sonnenlicht stark reflektieren. Beobachtungen sind vor allem von Regionen der Erde mit Blick auf den sonnenbeschienenen westlichen Mondrand möglich. Auch das Weltraumteleskop Hubble sowie Mondsonden wie der Lunar Reconnaissance Orbiter der NASA und Südkoreas Danuri sollen Vorher-Nachher-Aufnahmen des voraussichtlich rund 27 Meter breiten und fünf Meter tiefen Kraters anfertigen.

Über das Schauspiel hinaus dürfte der Einschlag Daten für die Raumfahrt liefern. Nach Einschätzung von Benjamin Fernando vom Los Alamos National Laboratory helfen sie dabei, Risiken durch künstlichen Weltraumschrott für künftige Mondmissionen besser einzuschätzen. Auswurfmaterial könnte im Extremfall bis zu 1000 Kilometer weit fliegen. Zudem lässt sich der exakt bekannte Einschlag zur Kalibrierung seismischer Messgeräte nutzen. Angesichts der wachsenden Zahl von Mondmissionen sehen Experten den Vorfall zugleich als Mahnung: Ein kleiner Kursimpuls nach dem Aussetzen der Nutzlast hätte genügt, um die Oberstufe auf eine Sonnenumlaufbahn zu schicken und den Einschlag zu verhindern.

Weiterlesen nach der Anzeige

(nen)

Dieser Link ist leider nicht mehr gültig.

Links zu verschenkten Artikeln werden ungültig,
wenn diese älter als 7 Tage sind oder zu oft aufgerufen wurden.

Sie benötigen ein heise+ Paket, um diesen Artikel zu lesen. Jetzt eine Woche unverbindlich testen – ohne Verpflichtung!


Quelle:

www.heise.de