In der Nacht vom 30. auf den 31. Juli kamen laut Medienberichten und Angaben der spanischen Regierung 50.000 Menschen von Marokko in die spanische Exklave Ceuta. Seitdem verbreiten sich online Videos, mit denen offenbar Ängste geschürt und Stimmung gegen Migrantinnen und Migranten gemacht werden soll.
Im aktuellen Fall geht es um ein Video von einem Jungen, der angeblich sagt: „Allah hat uns hierher gebracht, nach Europa. Die nächsten Tage werden wir nach Deutschland weiterreisen.“ Auf Tiktok erreichte es über 150.000 Ansichten, auf Facebook wurde es mehr als 450 Mal geteilt (Stand: 4. August 2026). Doch das Video entstand bereits am 4. Juli, mit den Geschehnissen in Ceuta hat es nichts zu tun. Die angebliche Übersetzung in der Video-Beschreibung ist falsch.
Video entstand in Casablanca während der Fußball-WM
Wir haben zunächst recherchiert, wo und wann das Video entstand. Dafür haben wir mit einer Bilder-Rückwärtssuche nach dem Logo gesucht, das in der oberen rechten Ecke des Videos zu sehen ist. So stießen wir auf die Facebook-Seite eines Mediums namens „Zenatanews“. Zenata ist ein Stadtteil in der marokkanischen Stadt Casablanca.
Auf der Facebookseite von Zenatanews fanden wir einen Beitrag mit dem Video. Es wurde bereits am 4. Juli 2026 veröffentlicht und kann daher nichts mit den aktuellen Geschehnissen in Ceuta zu tun haben. Das Video selbst kommentierte die Nachrichtenseite auf Arabisch mit den Worten: „فرحة هستيرية وتصريح للتاريخ من هذا الشاب المغربي: „ها شنو غانديرو لفرنسا!“ Laut übereinstimmenden Angaben von Google Translate und dem Übersetzungsdienst Deepl heißt das: „Hysterische Freude und eine historische Aussage von diesem jungen Marokkaner: ‚Ich sage euch, was wir mit Frankreich anstellen werden’“.
Das, zusammen mit den offenbar feiernden Menschen im Hintergrund, die teilweise Trikots tragen, bringt das Video in den Kontext der Fußball-WM 2026. Denn am 4. Juli hatte Marokko Kanada besiegt, der nächste Gegner im Viertelfinale war anschließend Frankreich.
Auch wo das Video aufgenommen wurde, wird im Video selbst gesagt. Laut Übersetzungen von Google Translate und Deepl sagt der Junge, „wir sind in Bernoussi-Casablanca“.
Das konnten wir anhand von Bildern im Video und von Google Maps bestätigen.

Darin sind in einer Aufnahme eine Zahnarztpraxis und zwei Geschäfte zu sehen. Alle drei Orte fanden wir auf Google Maps in Casablanca im Stadtteil Sidi Bernoussi wieder. Wir haben den Tiktok-Account, der mit dem Video über 150.000 Ansichten erreichte, um eine Stellungnahme gebeten. Bis zur Veröffentlichung erhielten wir keine Rückmeldung (Stand: 4. August).
Redigatur: Sara Pichireddu, Gabriele Scherndl
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Quelle:
correctiv.org



