Deutsche Unternehmen erhalten wieder mehr Aufträge im außereuropäischen Ausland, wie Zahlen des Verbands deutscher Maschinen- und Anlagenbauer zeigen. Eine Wende für die Branche in angespannten Zeiten?
Die dicke Glastür öffnet sich wie die Tür eines Raumschiffs. Dominik Schick steckt den Kopf in den Bauch der Maschine und entnimmt ein kleines Stück Metall. Was auf den ersten Blick unscheinbar wirkt, ist Teil des Kerngeschäfts der Paul Horn GmbH in Tübingen: Auf 30.000 Quadratmetern stellen sie hauptsächlich sogenannte Hochpräzisionswerkzeuge her.
Kunden kommen etwa aus der Autoindustrie, der Luft- und Raumfahrt, dem Maschinenbau und vielen weiteren Branchen. Dominik Schick ist glücklich, seit 13 Jahren in dem Familienunternehmen arbeiten zu dürfen, sagt er: “Unserem Unternehmen geht es gut, wir werden immer größer.” Der 30-jährige Industriemechaniker macht sich wenig Sorgen um seinen Job. Und das, obwohl er natürlich mitbekommt, dass viele Firmen gerade viele tausende Stellen streichen.
Geschäftsführer Markus Horn leitet das Unternehmen in dritter Generation und hat die Verantwortung für 1.500 Mitarbeiter weltweit. “Bei uns ist die Lage noch einigermaßen in Ordnung”, sagt er. Auch wenn das Geschäft in Europa und Deutschland weiterhin schwächele, gebe es außerhalb Europas durchaus Lichtblicke. “Dort sehen wir Wachstum.”
Besonders in den USA laufe das Geschäft wieder besser. Hilfreich ist der internationale Fokus des Familienunternehmens, sagt Horn. Trotzdem setzen sie auch weiterhin auf den Standort Deutschland und investieren Millionen in Tübingen.
Unternehmen bekommen wieder mehr Aufträge
Lichtblicke beim Auslandsgeschäft außerhalb Europas sieht derzeit die gesamte Branche. Das zeigen aktuelle Zahlen des Verbands deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA). Demnach verzeichneten sie im ersten Halbjahr ein Auftragsplus von insgesamt fünf Prozent. Der Grund sei vor allem ein deutlicher Anstieg der Aufträge außerhalb Europas mit einem satten Plus von 16 Prozent.
Dem gegenüber stehe ein Rückgang in Europa und Deutschland mit einem Minus von acht Prozent in Europa. In Deutschland seien es minus zwei Prozent. Florian Scholl, der Konjunkturexperte beim VDMA, sieht schon länger eine positive Entwicklung bei den Aufträgen. So habe es schon im letzten Quartal 2025 ein leichtes Plus gegeben und dieser Trend setze sich jetzt fort.
Auslandsgeschäft als Chance für Deutschland
“Davon wird sich einiges in den kommenden Wochen auch in der Produktion zeigen”, so Scholl. Denn die Produktion laufe zeitversetzt den Aufträgen hinterher, sagt der VDMA-Experte. Das Plus bei den Aufträgen könnte also auch einen Aufschwung in der Produktion bedeuten.
Sollte sich der Aufwärtstrend im Ausland festigen, könnte das auch für Aufschwung in Deutschland sorgen, sagt Außenhandelsexperte Jürgen Matthes vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Das sei in der Vergangenheit schon so gewesen.
Matthes spricht von einem Exportfunken, der überspringen und zünden könnte. Denn ein gutes Auslandsgeschäft habe Firmen schon früher dazu animiert, wieder mehr zu produzieren und dann auch wieder mehr zu investieren. “Und dann kam ein selbsttragender Aufschwung in Gang”, so Matthes.
Belastungen durch China und die USA
Trotz dieser positiven Gedankenspiele gebe es noch viel Reformbedarf in Europa und Deutschland, betont Jürgen Matthes. Er sieht vor allem Veränderungen beim Umgang mit China als besonders dringlich an. Chinesische Produkte drängten mit Dumpingpreisen auf den europäischen und den deutschen Markt. “Das liegt auch an einer unterbewerteten Währung und an massiven Subventionen.”
Hier plädiert der Experte für Ausgleichszölle auf chinesische Produkte, die diese Ungerechtigkeit möglichst weitreichend abfedern könnten. “Das ist eines der Hauptprobleme, die unsere Unternehmen derzeit auf den Weltmärkten haben”, so Matthes.
Die preisliche Wettbewerbsfähigkeit war zuletzt auch ein Problem im wichtigen US-Geschäft. Hier sieht der IW-Experte jedoch wieder positive Signale. Einerseits springe die Konjunktur in den USA gerade besser an. Andererseits sieht er aktuell den Effekt, dass die Zölle auf Maschinenbauprodukte in den USA teilweise zurückgenommen wurden und die Zollbelastung damit geringer geworden sei. “Da steigt die Nachfrage wieder, weil unsere Wettbewerbsfähigkeit wieder besser wird.”
Personalkosten und Bürokratie
Jürgen Matthes vom IW, Florian Scholl vom VDMA und Markus Horn, Geschäftsführer der Paul Horn GmbH, sehen noch immer dringenden Handlungsbedarf bei der Bundesregierung. Matthes identifiziert vor allem das “riesige Bürokratieproblem bei der Umsetzung der Energiewende” als Hürde für die Unternehmen in Deutschland.
Florian Scholl beschreibt die hohen Personalkosten als besonders problematisch: “Die Sozialabgaben von über 40 Prozent sind zu hoch.” Das bestätigt wiederum Markus Horn. Er fordert neben weiterer Fachkräftezuwanderung eine Entlastung der Bürger. “Damit können sie und auch die Firmen mehr investieren”, so Horn. Die bisherigen Reformbemühungen der Bundesregierung reichen laut Markus Horn bisher noch nicht aus.
Quelle:
www.tagesschau.de




