Im Dunkeln vergessen leben zahlreiche Betroffene einer chronischen Erkrankung, die in Deutschland mehr als 600.000 Menschen betrifft. In vielen Fällen sind Patientinnen und Patienten so stark beeinträchtigt, dass sie kaum noch das Bett verlassen, Licht und Geräusche kaum ertragen. Der Fotograf Leon Joshua Dreischulte hat einzelne dieser Lebenswelten besucht und in Bildern festgehalten, um die oft verborgene Realität von ME/CFS zu dokumentieren.
Die von Medizin und Forschung beschriebenen Kernsymptome wie anhaltende Erschöpfung und eine Verschlechterung nach geringer Belastung zeigen sich in den Häusern dieser Menschen alltäglich: abgedunkelte Räume, streng strukturierte Tagesabläufe und ein hoher Bedarf an Unterstützung prägen den Alltag. Viele Betroffene sind auf Hilfe durch Angehörige oder Pflegedienste angewiesen; soziale Teilhabe und Arbeitsfähigkeit sind in schweren Fällen stark eingeschränkt.
Die Bildserie von Leon Joshua Dreischulte konzentriert sich auf Innenansichten und Porträts, die wenige äußere Gesten, aber viel Kontext vermitteln. Durch die fotografische Dokumentation werden Räume, Geräusche und Lichtverhältnisse als Ausdruck der Krankheit sichtbar gemacht. Die Arbeiten zeigen keine medizinischen Diagnosen, sondern alltägliche Situationen: Schlafräume, Hilfsmittel, die Anwesenheit von Versorgungspersonen und Spuren eines eingeschränkten Lebensrhythmus.
Für die Öffentlichkeit bleibt die Erkrankung häufig unsichtbar; die Fotografien tragen dazu bei, Verständnis für die praktischen Konsequenzen schwerer Verläufe zu schaffen. Neben der individuellen Belastung legen die Aufnahmen auch strukturelle Fragen offen, etwa zur Zugänglichkeit von Versorgung und zur sozialen Absicherung Betroffener. Indem sie private Räume abbilden, veranschaulichen sie, wie sehr chronische Erkrankungen das Leben grundlegend verändern können und weshalb Sichtbarkeit für Diskussionen über Versorgung und Unterstützung wichtig ist.




