Die USA und der Iran haben ihre gegenseitigen Angriffe fortgesetzt. Das für die Region zuständige US-Regionalkommando CENTCOM teilte mit, US-Kampfjets der Marine und der Luftwaffe hätten am Samstagabend zehn iranische Militärziele “an mehreren Orten in und nahe der Straße von Hormus” angegriffen.
Getroffen worden seien militärische Überwachungseinrichtungen, Kommunikationssysteme, Luftabwehrstellungen, Drohnenlager und Mittel zur Minenverlegung. Einem US-Vertreter zufolge gab es zunächst keine Berichte über Opfer oder größere Schäden an den Einrichtungen. CENTCOM veröffentlichte dazu ein kurzes Video, das Explosionen zeigen soll.
Laut des iranischen Außenministeriums verletzen die US-Angriffe das vorläufige Abkommen zur Beendigung des viermonatigen Krieges. Die Revolutionsgarden erklärten, sie hätten als Vergeltung für die US-Angriffe Ziele in Kuwait und Bahrain attackiert. Sie hätten “acht wichtige Einrichtungen der US-Armee” auf dem Stützpunkt Ali al-Salem in Kuwait und auf dem Stützpunkt der Fünften US-Flotte in Port Salman in Bahrain zerstört, heißt es in einer Mitteilung.
Die kuwaitische Armee bestätigte, sie wehre “feindliche Raketen- und Drohnenangriffe” ab. In Bahrain, wo sich ein wichtiger Stützpunkt der US-Marine befindet, wurde nach Angaben der Behörden zwei Mal in der Nacht zum Sonntag Luftalarm ausgelöst. Das Innenministerium rief die Bevölkerung auf, Ruhe zu bewahren und Schutzräume aufzusuchen.
Gefährliche Handelsschifffahrt in der Straße von Hormus
Das US-Zentralkommando teilte mit, die eigenen Angriffe seien eine direkte Reaktion auf die anhaltende iranische Aggression gegen die Handelsschifffahrt. Demnach war am Samstag der unter der Flagge Panamas fahrender Tanker “Kiku” in der Straße von Hormus von einer iranischen Drohne getroffen worden. Ein ähnlicher Vorfall am Donnerstag hatte bereits gegenseitige Angriffe am Freitag und Samstag zur Folge.
US-Präsident Donald Trump drohte auf seiner Plattform Truth Social, die USA könnten gezwungen sein, den Einsatz militärisch zu beenden. “Wenn das passiert, wird die Islamische Republik Iran nicht mehr existieren!”, so Trump. Die Revolutionsgarden betonten wiederum, die US-Angriffe führten zu einer vollständigen Einstellung aller diplomatischen Prozesse.
Brüchiges Rahmenabkommen
Das vorläufige 14-Punkte-Abkommen sollte die am 28. Februar begonnenen Kämpfe stoppen und die strategisch wichtige Straße von Hormus zwischen Persischen Golf und dem Indischen Ozean wieder für die Schifffahrt öffnen. Vor einer Woche hatten US-Vizepräsident JD Vance und der iranische Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf in der Schweiz vermittelt, woraufhin die Regierung in Washington ihre Sanktionen gegen den Iran aussetzte. Durch die Meerenge wird üblicherweise ein Fünftel des weltweiten Bedarfs an Öl und Flüssigerdgas transportiert.
Seit Ausbruch des Konflikts saßen hunderte Schiffe mit ihren Besatzungen im Persischen Golf fest. Als diese in den vergangenen zwei Wochen begannen, die Meerenge wieder zu passieren, gaben die Ölpreise nach.
Zwischen den Vereinigten Staaten und der Islamischen Republik gibt es zudem Streit über die Routenführung: Während die USA eine südliche Route entlang der Küste von Oman befürworten, fordert der Iran die Nutzung einer nördlichen Route unter eigener Kontrolle.
Streitpunkt Libanon
Der Iran wirft den USA darüber hinaus vor, sich nicht an die Zusagen für einen Waffenstillstand im Libanon zu halten. Dort geht der US-Verbündete Israel gegen die vom Iran unterstützte radikal-islamische Hisbollah vor.
Das israelische Militär teilte am Sonntag mit, es habe in der Gegend von Nabatija im Süden des Libanon Hisbollah-Kämpfer getötet und eine Raketenabschussrampe zerstört. Am Samstag hatte die israelische Armee zudem mehrere bewaffnete Kämpfer im Süden Syriens getötet.
Israel ist nicht an dem Abkommen zwischen den USA und dem Iran beteiligt. Ein am Freitag unter US-Vermittlung vereinbarter Waffenstillstand im Libanon gilt als äußerst brüchig, da Israel einen Abzug seiner Armee ablehnt und die Hisbollah eine Entwaffnung verweigert, solange israelische Truppen im Land stehen. Die Miliz wird von vielen Staaten als Terrororganisation eingestuft.
fab/AR (afp, rtr)
Quelle:
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