Der Erzbischof von Homs in Syrien, Jacques Mourad, rät seinen geflüchteten Landsleuten von einer baldigen Rückkehr in die Heimat ab. Sicherheits- und Wirtschaftslage seien nach wie vor desaströs, weiterhin herrsche eine soziale und humanitäre Katastrophe im Land, sagte Mourad (58) im Interview der österreichischen Presseagentur Kathpress und anderen Medien.
Der aktuellen Regierung sowie den USA, Israel und der EU wirft der syrisch-katholische Geistliche vor, nicht um das Wohl des syrischen Volkes und Stabilität im Nahen Osten bemüht zu sein.
Auf die verbliebenen Christen in Syrien habe das verheerende Auswirkungen: Von den ehemals zwei Millionen Christen seien heute nach Schätzungen noch 300.000 bis 350.000 übrig. “Wenn das so weitergeht, stirbt das Christentum in dieser Region aus”, so der Erzbischof.
Die Regierung sei nicht imstande oder nicht gewillt, die grassierende Gewalt im Land einzudämmen. Opfer von Gewalt seien vor allem Alawiten und Drusen, denen man vorwerfe, mit dem gestürzten Assad-Regime kollaboriert zu haben. So pauschal sei das zwar nicht richtig, aber für Islamisten ein guter Vorwand, um gegen religiöse Minderheiten vorzugehen, erklärte Mourad. “Diese Extremisten hassen die Alawiten und Drusen noch mehr als die Christen.”
Gefährdete Religionsfreiheit
Das einst weitgehend säkulare Syrien werde immer stärker islamisch geprägt, schildert der Erzbischof. Religiöse Vielfalt in der Gesellschaft habe für die neue Regierung keinen Wert, auch wenn man sich international mitunter moderat gebe. Die Mehrheit der Parlamentsmitglieder bestehe aus islamistischen Fundamentalisten.
Wirtschaftliche Lage und medizinische Versorgung seien in Syrien katastrophal, sagt der Erzbischof. Immer mehr Menschen könnten sich weder Grundnahrungsmittel noch Mieten leisten. Er forderte konkrete Friedens- und Wiederaufbauprojekte mit Investitionen in die Bildung.
Mourad, der der Ordensgemeinschaft von Mar Musa angehört, war 2015 wegen seiner Entführung durch den IS international bekannt geworden.
Er habe jeden Tag für seine Entführer gebetet, erinnert sich Mourad. “Bekehre dich zum Islam, oder wir schlagen dir den Kopf ab”, hätten sie ihm gedroht. Sein Glaube und die Gottesmutter Maria hätten ihn durch diese schwere Zeit getragen, so der Erzbischof: “Jedes Mal, wenn ich diese Angst hatte, betete ich den Rosenkranz, die Angst verschwand und verwandelte sich in Mut.” Im fünften Monat seiner Haft gelang dem Ordensmann damals die Flucht.
Quelle:
www.domradio.de



