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GesundheitDFB-Team: Was ändert sich unter Bundestrainer Jürgen Klopp?

DFB-Team: Was ändert sich unter Bundestrainer Jürgen Klopp?

Was sind die größten Baustellen im Nationalteam?

“Wir müssen einige Dinge jetzt grundlegend ändern”, meinte Jürgen Klopp während der Fußball-WM in seiner Rolle als TV-Experte nach dem enttäuschenden Scheitern der deutschen Nationalmannschaft im Sechzehntelfinale gegen Paraguay. Baustellen gibt es auf und neben dem Platz.

Rein sportlich sind eine klare Spielweise sowie mehr Tempo und Kreativität im Spielaufbau vonnöten. Die Torwartfrage muss geklärt, außerdem ein in der Weltspitze konkurrenzfähiger Rechtsverteidiger und ein verlässlicher Torjäger gefunden werden.

Neben dem Platz waren unter Julian Nagelsmann zuletzt die Kommunikation und das Vertrauen gestört. Der Ex-Bundestrainer hat mit seiner – offenbar allein getroffenen – Entscheidung, Manuel Neuer zur WM zu reaktivieren, viel Porzellan zerschlagen. Auch seine Auftritte im Fernsehen oder bei Pressekonferenzen, bei denen er Einzelkritik an Spielern übte, haben nicht geholfen.  

Wie wird die Spielweise der Mannschaft aussehen?

Seit Jürgen Klopp in England beim FC Liverpool gearbeitet hat, gibt es auch dort in der Umgangssprache die Vokabel “to gegenpress”, weil der Coach sein Gegenpressing mit hohem Anlaufen und direktem, aggressiven Attackieren nach Ballverlusten so propagiert hat. Diese Spielweise wird Klopp sicher auch im Nationalteam etablieren.

Insgesamt steht der 59-Jährige für offensiven und kreativen Fußball und sieht – anders als es beispielsweise Vor-Vorgänger Joachim Löw getan hat – das spanische Spiel mit viel Ballbesitz nicht als Ideal an.

Was passiert mit der Generation Kimmich?

Wird es einen kompletten Umbruch und Neuanfang geben, oder nutzt Klopp das Gerüst der aktuellen Nationalmannschaft? Zumindest für einige Spieler aus der Generation über 30 könnte es eng werden. So hat Mittelfeldspieler Pascal Groß mit 35 Jahren wohl keine Zukunft im DFB-Team mehr, auch Innenverteidiger Antonio Rüdiger, mit 33 einer der Ältesten, droht die Aussortierung.

Joshua Kimmich und andere Nationalspieler gehen mit gesenkten Köpfen vom Platz
Wer aus der bisher gescheiterten “Generation” um Kapitän Joshua Kimmich (3.v.r.) bleibt im DFB-Kader?Bild: Uwe Kraft/IMAGO

Ansonsten verfügt Klopp über einen breiten Stamm von teilweise recht erfahrenen Spielern zwischen 25 und 31 Jahren, die alle noch für die nächsten beiden Turnierzyklen infrage kommen. Doch auch in dieser Altersklasse dürfte es einige geben, die ab September nicht mehr mit einer Berufung ins DFB-Team rechnen können. Beispielweise bei Leon Goretzka und Leroy Sané (beide 31) wäre es durchaus nachvollziehbar, wenn sie nicht mehr nominiert würden, weil es jüngere (möglicherweise bessere) Alternativen gibt.

Eine der wichtigsten Maßnahmen wird dabei wohl sein, dass Klopp Kapitän Joshua Kimmich wieder auf die Sechser-Position ins defensive Mittelfeld stellt, wo er beim FC Bayern gemeinsam mit Aleksandar Pavlovic ein herausragendes Duo bildet.   

Klopps Gerüst dürfte aus einer noch zu benennenden Nummer eins im Tor, davor Jonathan Tah und Nico Schlotterbeck in der Innenverteidigung, Kimmich und Pavlovic im defensiven Mittelfeld sowie Florian Wirtz, Jamal Musiala und Kai Havertz in der Offensive bestehen – der Rest ist offen.

Wer wird die neue Nummer eins im Tor?

Zwischen den Pfosten wird es definitiv einen Wechsel geben. WM-Rückkehrer Neuer hat seinen endgültigen Rücktritt erklärt. Auf welchen der vielen Kandidaten Klopp im Tor setzen wird, ist noch nicht entschieden.

Es würde zum neuen Bundestrainer passen, wenn er auf eine verlässliche, jüngere Nummer eins setzt, die sich in den zwei Jahren bis zur Fußball-EM 2028 einspielen kann, darüber hinaus auch für die WM 2030 zur Verfügung steht und auf höchstem Niveau spielt.

Torhüter Jonas Urbig vor WM-Spiel gegen Ecuador im Stadion im DFB-Trainingsanzug
Wird Jonas Urbig nicht nur beim FC Bayern München, sondern auch im Nationalteam der Nachfolger von Manuel Neuer?Bild: Bahho Kara/Kirchner-Media/picture alliance

Oliver Baumann, vor Neuer die Nummer eins, ist mit 36 Jahren dafür eigentlich zu alt. Sein Vorgänger Marc-André ter Stegen hat eine lange Verletzungshistorie und plant in der kommenden Saison einen Neuanfang – möglicherweise bei Ajax Amsterdam. Auch er ist bereits 34. Fünf Jahre jünger ist Alexander Nübel, der die Bundesliga verlassen hat und zu Besiktas Istanbul in die Türkei gewechselt ist.

Möglicherweise bevorzugt Klopp aber auch die ganz junge Variante und baut auf einen Torwart mit weniger Erfahrung, wovon er später dann profitieren kann. Hier wären Jonas Urbig (22) vom FC Bayern München und Noah Atubolu (24) Kandidaten. Atubolu hat den SC Freiburg verlassen, sucht aktuell aber noch nach einem neuen Verein. Spätestens wenn Urbig Neuer als Nummer eins im Bayern-Tor ablöst, scheint er die logische Wahl.

Wer gehört zum Staff?

Klopp – so deutet es sich an – wird mit Peter Krawietz und Pepijn “Pep” Lijnders zwei enge Vertraute als Assistenten mit zum DFB bringen. Krawietz arbeitet im Grunde seit Klopps Mainzer Zeit an dessen Seite, war Co-Trainer in Dortmund und Liverpool. Zuletzt war auch er bei Red Bull tätig. Der Niederländer Lijnders war jahrelang Klopps wichtigster Assistent beim FC Liverpool.

Pep Lijnders, Peter Krawietz und Jürgen Klopp beobachten Training beim FC Liverpool
Mit Pep Lijnders (l.) und Peter Krawietz (2.v.l.) hat Jürgen Klopp (r.) schon beim FC Liverpool zusammengearbeitetBild: Jan Woitas/dpa/picture alliance

Aus dem bisherigen DFB-Stab könnten dagegen Torwarttrainer Andreas Kronenberg und Standardspezialist Mads Buttgereit erhalten bleiben, die bereits unter Julian Nagelsmann dazugehörten.

Welche Ziele werden ausgegeben?

Wenn es nach dem Deutschen Fußballbund (DFB) geht, soll Deutschland schon bei der Europameisterschaft 2028 in der Lage sein, um den Titel mitzuspielen. Spätestens bei der WM 2030 wäre der Titel das Ziel.

Klopps Trainer-Vita zeigt, dass er überall, wo er tätig war, Erfolg hatte. Das war beim FSV Mainz, bei Borussia Dortmund und beim FC Liverpool so. Allerdings brauchten seine Mannschaften stets ein wenig Anlaufzeit, bevor es reibungslos funktionierte.

Diese Zeit hat Klopp mit der Nationalmannschaft eigentlich nicht. Gleich das erste Spiel im September gegen die Niederlande ist ein Pflichtspiel in der Nations League.


Quelle:

www.dw.com

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