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Für mehr Sichtbarkeit und Wertschätzung von Frauen / Apostelinnen-Leuchter erinnert an Maria Magdalena

Häufig hängen sie eher unscheinbar im Raum, aber tatsächlich hat jede Kirche zwölf sogenannte Apostelleuchter. Sie symbolisieren die zwölf Apostel als geistige Säulen der Kirche und werden zu hohen Festtagen entzündet. Sie stehen zudem für die Stellen der Kirche, wo die Wände bei der Kirchweihe gesalbt wurden. 

In St. Mariä Empfängnis gibt es seit Sonntag zudem einen Apostelinnen-Leuchter, der Maria Magdalena darstellt. Die Bibel berichtet, wie sie die erste Zeugin der Auferstehung von Jesus Christus wird und die Botschaft, dass er lebt, den Aposteln überbringt. Deswegen wurde sie bereits im 3. Jahrhundert als Apostelin der Apostel bezeichnet. Ihr Festtag ist der 22. Juli.  

Jetzt am Sonntag davor wurde in Mönchengladbach-Venn erstmals der Apostelinnen-Leuchter gezeigt. “Das war schon ein ganz besonderes Erlebnis; für mich persönlich, aber auch für das ganze Team”, erzählt Manuela Thies-Diekamp. Sie ist Gemeindereferentin in der Leitung des Pastoralen Raums Mönchengladbach Nord-West, Mitglied im Team-Apostelinnen-Leuchter der Gemeinde. Auf den Leuchter habe es beim Gottesdienst von den Gläubigen viel positives Feedback gegeben, berichtet sie. 

Die Aktion “Apostelinnen-Leuchter” ist eine Kooperation der Frauenseelsorge im Bistum Aachen und des kfd-Diözesanverbandes Aachen. Anderthalb Jahre lang hatte die Gemeinde das Projekt vorbereitet, die Künstlerin Sonja Toepfer gestaltete den Leuchter, der ein umfassendes Kunstwerk ist. Rund 300 Jahre altes Eichenholz bildet einen Grabstein. Dahinter leuchtet die Inschrift “Jesus lebt”. Daneben steht Maria Magdalena mit einem Licht und unterstreicht so ihre Rolle als Zeugin der Auferstehung.  

Dass der Leuchter gerade nach St. Mariä Empfängnis kam, ist kein Zufall. Elf Gemeinden hatten sich darum beworben, einen Apostellinnen-Leuchter aufzustellen. “Uns war wichtig, eine Gemeinde zu finden, wo wir nicht einfach nur einen Leuchter hinstellen“, erklärt Madeleine Helbig-Londo, Referentin für Frauenseelsorge im Bischöflichen Generalvikariat Aachen. Entscheidend sei gewesen, dass die Gemeinde in Mönchengladbach-Venn die Botschaft des Kunstwerks in ihr pastorales Leben einbinden will.

Wertschätzung und Sichtbarkeit stärken

Die Idee eines Apostelinnen-Leuchters entstand im Bistum Aachen auf Initiative der früheren Bundestagsabgeordneten Christa Nickels, die viele Jahre Mitglied im Zentralkomitee der Deutschen Katholiken war und Schirmherrin des Projekts ist. 

Bestärkt wurde das Projekt auch durch eine Entscheidung von Papst Franziskus, der 2016 den Gedenktag der heiligen Maria Magdalena zu einem liturgischen Festtag aufwertete und damit ihre herausragende Stellung erneut unterstrich. Helbig-Londo erklärt: “Uns ist wichtig, ein sichtbares Zeichen für Frauen in der Kirche zu setzen.” Zugleich wolle man zeigen, “dass schon in der Urkirche Frauen eine wichtige Rolle hatten”.

Das Thema Wertschätzung und Sichtbarkeit von Frauen in der Katholischen Kirche ist zentral für das Konzept des neuen Leuchters. Dabei geht es auch um einen korrigierten Blick auf Maria Magdalena, erklärt Gemeindereferentin Thies-Diekamp. Denn Maria von Magdala wurde von Papst Gregor I. bereits im 6. Jahrhundert mit einer namenlosen Sünderin gleichgesetzt, obwohl die Bibel inhaltlich keinen Bezug herstelle. Stattdessen habe sie zu den engsten Jüngerinnen Jesu gehört, sagt Thies-Diekamp. Mit dem Leuchter, der gut sichtbar in der Kirche St. Mariä Empfängnis steht, solle dieses Bild korrigiert und ausgedrückt werden: “Alle Menschen, egal welchen Alters oder Geschlechts, haben einen Platz in unserer Kirche.”

Auch Helbig-Londo verbindet mit dem Leuchter eine weitergehende Hoffnung. Er mache sichtbar, “welche Bedeutung Frauen für Jesus hatten” und knüpfe an eine Tradition an, die in der Kirchengeschichte vielfach überdeckt worden sei. 

Mit dem Leuchter hat die Gemeinde viel vor, sagt Thies-Diekamp. Mehrere Aktionen, etwa in der Karwoche, sind in der Planung. 

Wie sehr der Leuchter Menschen berühren kann, hat sich bereits bei seiner Enthüllung gezeigt, erzählt Thies-Diekamp. Ein älterer Mann habe beim Anblick der Installation Tränen der Rührung in den Augen gehabt, berichtet die Gemeindereferentin. Solche Reaktionen bestärken die Initiatorinnen in ihrem Anliegen. Thies-Diekamp hofft, “dass der Blick auf das, was Frauen in der Gemeinde getan haben und auch heute tun, noch mal ein anderer wird, nämlich ein wertschätzender”.

Maria Magdalena, Heilige und Jüngerin Jesu

Maria hat ihren Beinamen wohl nach ihrem Heimatort Magdala, dem heutigen Migdal in Israel. Maria schloss sich Jesus als Jüngerin an, nachdem der sie von Besessenheit befreit hatte (Lukasevangelium 8, 2). Der Jüngerkreis Jesu war größer als die bekannten zwölf Männer und umfasste auch Frauen, unter denen Maria offenbar eine besondere Stellung hatte, denn die Listen der Frauen im Neuen Testament werden stets von ihr angeführt. 


Quelle:

www.domradio.de