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WissenschaftNeue Affenart im Kongo entdeckt

Neue Affenart im Kongo entdeckt

Eigentlich gehören die Primaten zu den am besten untersuchten Tierarten überhaupt. Denn neben Lemuren, Loris und Affen gehören auch wir Menschen zu dieser Ordnung. Die Primatenforschung kann daher auch viel über unsere Ursprünge und unsere Evolution verraten. Es ist daher selten, dass Biologen neue Primatenarten entdecken.

Ein Schnappschuss gab den Anstoß

Doch eine solche Entdeckung ist nun einem Team um John Hart von der Lukuru Wildlife Research Foundation in Kinshasa gelungen. Für ihre Studie waren sie einer Spur aus dem Jahr 2008 nachgegangen. Damals hatten Biologen zufällig das Foto eines halb verdeckten Affen in einem entlegenen Waldgebiet im zentralen Kongo aufgenommen. Dieser Affe schien sich von den bekannten Colobusaffen zu unterscheiden, genaueres war aber nicht zu erkennen.

Deshalb begannen die Biologen ab 2018 eine gezielte Fahndung nach dem mysteriösen Affen. Sie unternahmen mehrere Feldexpeditionen in das am Lomami-Nebenfluss des Kongo gelegene Gebiet. Außerdem befragten sie die Bewohner mehrerer Dörfer nach dem lokal „Likweli“ getauften Affen. Tatsächlich wurde das Team fündig: Im Laufe der letzten Jahre konnten sie den gesuchten Affen 114-mal beobachten, ihn fotografieren, seine Laute aufnehmen und DNA-Proben gewinnen.

Auffallendes Gesicht und röhrende Rufe

Es zeigte sich: Bei dem rätselhaften Affen handelt es sich tatsächlich um eine eigene, zuvor unbekannte Spezies. Die Colobus congoensis getaufte Art ist etwas kleiner als die bekannten Colobusaffen und besitzt ein stark glänzendes, tiefschwarzes Fell mit weißer Analpartie. Besonders auffällig ist jedoch das Gesicht der Neuentdeckung: „Das dunkle, unbehaarte Gesicht zeigt einen prominenten rosa bis orangefarbenen Hautflecken, der den Mund umgibt und bis zu den unteren Teilen der Nasenflügel reicht“, berichten die Forschenden.

Colobus congoensis ist etwas kleiner als die schon bekannten Colobusaffenarten und extrem selten. — © Bravo Bofenda

Ebenfalls auffallend sind die Lautäußerungen der neu entdeckten Affenart, wie Hart und sein Team berichten. Bei ihren Feldexpeditionen waren die tiefen, weithin hörbaren Rufe von Colobus congoensis fast den ganzen Tag zu hören. Die akustische Struktur dieser Rufe unterscheidet sich jedoch von denen anderer Colobusaffen: „Sie sind an der schnellen Pulsrate der Rufe erkennbar und an einem charakteristischen Grunzen zwischen den Rufsequenzen“, berichtet das Team.

Schon vor vier bis fünf Millionen Jahren abgespalten

Analysen von DNA-Proben ergaben, dass sich Colobus congoensis auch genetisch deutlich von den benachbarten Colobusaffen unterscheidet. „Sein nächster Verwandter, Colobus satanas, lebt nur rund 1200 Kilometer entfernt, aber unsere Genanalysen zeigen, dass sich beide Arten schon vor vier bis fünf Millionen Jahren voneinander trennten“, berichtet Co-Autorin Kate Detwiler von der Florida Atlantic University in den USA. „Dies ist eine der frühesten bekannten Aufspaltungen innerhalb der Colobusaffen.“

Speziell ist auch das Verbreitungsgebiet der neu entdeckten Affenart. Denn die Beobachtungen legen nahe, dass Colobus congoensis nur in einem kleinen, rund 1700 Quadratkilometer großen Gebiet östlich des Lomami-Flusses vorkommt. Er ist offenbar auf die seltenen, geschlossenen Waldgebiete angewiesen, die dort auf lehmigem, nährstoffreichem Boden wachsen, wie die Biologen erklären.

Karte des Verbreitungsgebiets

Das Verbreitungsgebiet von Colobus congoensis ist vergleichsweise winzig. — © John Hart/ Lukuru Wildlife Research Foundation

Neu entdeckt und schon bedroht

Das kleine Verbreitungsgebiet und die selbst dort raren Sichtungen machen Colobus congoensis zu einer der seltensten Colobusaffenarten Afrikas. Hart und sein Team befürchten, dass diese neu entdeckte Spezies stark gefährdet ist. Denn auch in diesem entlegenen Waldgebiet im Kongobecken nimmt die menschliche Präsenz zu und neue Siedlungen werden gebaut. Das Team hat daher bereits beantragt, dass Colobus congoensis auf der Roten Liste der bedrohten Arten als „gefährdet“ eingestuft wird.

“Die Entdeckung von Colobus congoensis ist ein wissenschaftlicher Triumpf, aber auch eine ernüchternde Erinnerung daran, dass einige der seltensten Kreaturen der Erde verschwinden könnten, bevor wir überhaupt wissen, dass sie existieren“, sagt Detwiler.

Quelle: John Hart (Lukuru Wildlife Research Foundation, Kinshasa) et al., PLOS One, 2026; doi: 10.1371/journal.pone.0349857


Quelle:

wissenschaft.de