Die jüngste Angriffswelle der US-Armee habe darauf abgezielt, die iranischen Revolutionsgarden für eine tödliche Attacke auf amerikanische Soldaten in Jordanien “schnell zu bestrafen”, teilte das US-Regionalkommando CENTCOM mit. In der Nacht zum Sonntag seien iranische Anlagen zur Flugabwehr und zur Küstenüberwachung “erfolgreich” angegriffen worden. Das US-Militär will nach eigenen Angaben auch die Fähigkeit des Iran weiter schwächen, die Handelsschifffahrt in der Straße von Hormus zu bedrohen.
Laut iranischer Nachrichtenagentur Tasnim schlugen etliche Raketen in Gebieten am Rande der Insel Gheschm im Persischen Golf ein. Der Iran reagierte mit Angriffen auf zwei US-Stützpunkte in Kuwait und in Bahrain.
“Eine sehr traurige Sache” in Jordanien
Es war das erste Mal seit den Anfangstagen des Iran-Krieges vor fast fünf Monaten, dass das US-Militär wieder Tote durch iranischen Beschuss meldete. Demnach starben zwei Soldaten schon am Freitag, als sich die US-Streitkräfte in Jordanien gegen iranische Raketen- und Drohnenangriffe verteidigten. Ein weiterer Soldat werde noch vermisst, hieß es. Die offiziell bekannte Zahl der im Krieg gegen den Iran gefallenen US-Soldaten stieg damit auf 16.
Der Druck auf US-Präsident Donald Trump, der sich im eigenen Land angesichts des dort unpopulären Krieges ohnehin mit Unzufriedenheit konfrontiert sieht, dürfte mit dem Tod der beiden US-Soldaten weiter steigen. Das sei “eine sehr traurige Sache”, sagte Trump. Zugleich bekräftigte er einmal mehr, der Iran dürfe keine Atomwaffen besitzen.
“Unvergessliche Lektionen” für Amerikaner
Im Iran starben nach Darstellung des dortigen Gesundheitsministeriums seit der neuen Eskalation mit den USA vor gut einer Woche mindestens 50 Menschen. Mehr als 500 weitere Personen wurden demnach verletzt. Die Regierung in Teheran berichtet in der Regel nur über zivile Opfer. Über Verluste unter den eigenen Streitkräften gibt es keine offiziellen Daten.
Irans oberster Führer Ajatollah Modschtaba Chamenei hatte seinerseits mit Racheakten gedroht. Er ließ mitteilen: “Da der amerikanische Feind nun auf Kriegstreiberei, die Übernahme noch schwererer Kosten und eine noch größere Schande aus ist, soll er wissen, dass das geliebte iranische Volk und die Widerstandsfront unvergessliche Lektionen für ihn bereithalten.”
Rahmenabkommen mittlerweile bedeutungslos
Der iranische Vizeaußenminister Kasem Gharibabadi erklärte, sein Land habe das Mitte Juni mit den Vereinigten Staaten vereinbarte Rahmenabkommen ausgesetzt und fühle sich nicht mehr daran gebunden. Trump sagte dazu, das sei ihm “völlig egal”.
Vereinbart im Abkommen war, innerhalb von 60 Tagen einen endgültigen Deal zur Beendigung des Krieges auszuhandeln. Auch sollte die Straße von Hormus geöffnet werden. Seit Anfang April galt zudem eine Waffenruhe, die Trump jedoch selbst kürzlich für beendet erklärte.
Die Vereinigten Arabischen Emirate forderten “ein sofortiges Ende der Feindseligkeiten sowie eine rasche Rückkehr an den Verhandlungstisch”. Dadurch könnte “ein Abgleiten der Region in ein neues Ausmaß an Gewalt und Instabilität” verhindert werden.
Unterstützung aus China oder Russland?
Der Iran habe sich inzwischen auf die amerikanischen Abwehrsysteme eingestellt und feuere Raketen ab, die mit extrem hoher Geschwindigkeit fliegen und während ihres Sturzflugs manövrieren könnten, zitierte das “Wall Street Journal” US-Beamte. Die Fähigkeit des Iran, empfindliche Ziele zu treffen, schüre Befürchtungen, dass Teheran bei der Zielerfassung Unterstützung aus China oder Russland erhalte.
Es werde immer deutlicher, “dass die Ereignisse allmählich außer Kontrolle geraten”, schrieb der israelische Iran-Experte Danny Citrinowicz auf der Onlineplattform X.
Angesichts des praktisch nicht vorhandenen Vertrauens zwischen Washington und Teheran, der zunehmend erschöpften Vermittler und eines Dialogs, der vor allem über Militärschläge geführt werde, “ist das Risiko einer weiteren Eskalation mittlerweile größer als die Aussichten auf eine Deeskalation”. Sofern sich nicht bald etwas Wesentliches ändere, steuere der Konflikt auf eine “weitaus gefährlichere Phase” zu, meinte Citrinowicz.
wa/ack (dpa, afp, rtr)
Quelle:
www.dw.com




