Analyse
Der WM-Investoren-Deal könnte Infantinos großer Coup werden, auch mit Blick auf die eigene Zukunft. Es bleiben zwei Hürden – eine ist die US-Justiz.
Jetzt will Gianni Infantino also Anteile an der Fußball-WM an Investoren verkaufen. Es ist ein brisanter Plan und einmal mehr hat Infantino gute Karten, damit durchzukommen. Wer das verstehen will, sollte sich die Mitteilung des Weltverbandes FIFA zum Investorendeal anschauen.
Sie erklärt dort in den ersten Worten nicht etwa Details, sondern wedelt direkt mit Geldscheinen. Eine Zustimmung der Gremien vorausgesetzt, soll jeder Mitgliedsverband sofort 20 Millionen Dollar (17,56 Mio. Euro) abrufen können – zusätzlich. Beim nächsten WM-Zyklus bis 2030 winken weitere 20 Mio. Dollar, mehr als doppelt so viel wie bisher bilanziert. Die Summe soll anschließend weiter wachsen auf 22 und 24 Mio. Dollar.
Geldspritzen als Infantinos Machtinstrument
Jeder Verband erhält die gleichen Summen, unabhängig von seiner Größe. Für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) klingen die Zahlen interessant, für die Verbände aus Andorra, Vanuatu oder von den Turks- und Caicosinseln klingen sie bombastisch. Wer sollte da widersprechen?
Und wer sollte da Infantino die Stimme verweigern? Im kommenden Jahr stehen die FIFA-Präsidentschaftswahlen an und jeder Verband hat eine Stimme – unabhängig von seiner Größe.
Wie immer argumentiert die FIFA, dass das Geld dem Fußball zugutekomme. “Wir beabsichtigen, auch in den kleinsten und abgelegensten Teilen der Fußballwelt massiv zu investieren – in Regionen, die allzu oft vernachlässigt werden”, heißt es in der FIFA-Mitteilung.
Viele Gemeinsamkeiten mit Donald Trump
Infantino weiß die kleinen Verbände hinter sich, die Dauerkritik aus Europa prallt an ihm ab, auch jetzt angesichts der Investorenpläne. Das Gefühl der Unantastbarkeit ist eine der vielen Gemeinsamkeiten mit seinem Verbündeten Donald Trump.
Eine weitere ist die vollständige Abwesenheit von Schamgefühl. Trump brüstet sich mit der Respektlosigkeit, auf eine Spielberechtigung für den gesperrten US-Stürmer Folarin Balogun gedrängt zu haben. Und Infantino hat mit dem FIFA-Friedenspreis für Trump in Sachen Absurdität neue Maßstäbe gesetzt.
Infantino voll auf Kurs Gewinnmaximierung
Die WM 2026 nutzte Infantino entsprechend unverschämt und konsequent für sein zentrales Ziel: die Gewinnmaximierung. Es gipfelte darin, dass die FIFA mehrere tausend Euro für Tickets verlangte und auch auf dem Zweitmarkt mitverdiente, wo noch obszönere Preise gefordert wurden.
Vor diesem Hintergrund ist der aktuelle Vorstoß nur konsequent. Eine neue Tochterfirma treibt die Kommerzialisierung der WM weiter voran und Investoren sorgen für weiteres Kapital. Die FIFA – so das Versprechen – behält die Mehrheit der Anteile und damit das Sagen.
Die Deutsche Fußball Liga war mit ähnlichen Plänen am Protest der Fans gescheitert. Eine solche Hürde existiert für die FIFA nicht. Wer sollte denn bei FIFA-Wettbewerben die Stimmung boykottieren oder mit Tennisbällen werfen?
Die Gegenargumente
Dabei gibt es Gegenargumente. Geld der Investoren wird in der Gegenwart verbraucht, während die Gewinne in der Zukunft kleiner ausfallen könnten – schließlich bekommen dann die Investoren ihre Anteile an den Einnahmen. Und sie werden auch ohne Mehrheitsanteile Einfluss üben wollen auf die Ausrichtung der Weltmeisterschaften.
Investoren haben in der Regel nur ein Ziel: ihre eigenen Gewinne zu maximieren. Sie würden jedem Versuch entgegentreten, die Kommerzialisierung auszubremsen. Aber was, wenn künftige FIFA-Präsidenten die WM nicht als reines Produkt sehen? Wenn sie sich zurückbesinnen wollen auf ein gesellschaftliches Ereignis für alle Schichten?
Wer einmal Investoren ins Haus geholt hat, wird sie kaum mehr los und öffnet Türen für weitere Anteilsverkäufe. Es geht um die große Frage: Wem gehört der Fußball? Dürfen FIFA-Funktionäre so weit gehen, das populärste Fußballturnier der Welt anteilig zu verkaufen?
Letzte Hürden: Das FIFA-Council und die US-Justiz
Ein Bremsklotz könnte noch der FIFA-Rat sein, wo die Infantino-Kritiker mehr Einfluss haben als im Kongress. Sie haben zum Beispiel 2018 Infantinos Milliarden-Deal mit saudi-arabischen Investoren verhindert. Damals ging es um die Klub-WM und eine weltweite Nations League.
Eine andere Hürde könnte die US-Justiz werden, schon im Korruptionsskandal 2015 großer Gegenspieler der FIFA. Am Dienstag hat Jamie Raskin, ranghöchster Demokrat im Justizausschuss, Aufklärung über die Verflechtungen zwischen Infantino und Trump gefordert. Er will den FIFA-Präsidenten vor den Justizausschuss zitieren.
Verbindungen zur Trump-Familie
Auch bei den Investorenplänen gibt es Verbindungen zur Trump-Regierung. Die Risikokapitalfirma Thrive Capital gehört Joshua Kushner, dem jüngeren Bruder von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner.
Der Investorendeal könnte Infantinos größter Coup werden, auch mit Blick auf seine persönliche Zukunft. Laut Statuten darf er bis maximal 2031 FIFA-Präsident bleiben. Danach könnte er Berichten zufolge gut bezahlter Geschäftsführer in der von ihm selbst erschaffenen Tochterfirma werden. Auch das wäre letztlich nur konsequent. Statement.
Quelle:
www.sportschau.de





