Die letzte Eiszeit hat viele Landschaften Europas tiefgreifend verändert und geprägt: Gewaltige Gletscher rückten aus dem Norden vor und überdeckten weite Landstriche mit kilometerdickem Eis. Auch die Alpengletscher wuchsen in dieser Zeit zu großen Eisströmen heran, die Täler auskerbten, Berghänge glattschmirgelten und gewaltige Mengen an Sediment und Geröll mit sich schleppten.
Zeugen dieser eiszeitlichen Umwälzungen sind unter anderem unzählige Findlinge – größere und kleinere Felsbrocken, die heute weit von ihren Ursprungsorten entfernt liegen.
Ursprungsrätsel der Findlinge
Doch woher kommen diese Findlinge? Und über welche Wege gelangten sie an ihre heutigen Plätze? Erste Hinweise auf die Ursprünge einzelner Findlinge geben meist die Gesteinszusammensetzung und Mineralogie. „Aber die Routen, über die sie transportiert wurden, sind oft schwer zu rekonstruieren“, erklärt Erstautor Tancrède Leger von der Universität Lausanne. Bisher gelang dies nur für Einzelfälle und bestimmte Gebiete – nicht aber für den gesamten Alpenraum.
Der Grund: Um die Findlingsrouten in den gesamten Alpen zu rekonstruieren, muss man die Eisflüsse und deren Gerölltransport über Jahrtausende hinweg und gleichzeitig mit hoher räumlicher Auflösung rekonstruieren. Bisher erforderten entsprechende Computermodelle aber eine zu hohe Rechenleistung. „Als Folge gab es keine Studien, die den glazialen Sedimenttransport für große Partikelmengen und über kontinentale Eisfelder wie das der Alpen simulieren konnten – erst recht nicht über Tausende von Jahren“, schreiben Leger und sein Team.
Dieses Schema zeigt verschiedene im neuen Modell berücksichtigte Prozesse und Faktoren beim Transport von Fels und Sediment durch eiszeitliche Alpengletscher. — © Tancrède Leger et al./ Earth Surface Dynamics, CC-by 4.0
Millionen virtueller Gesteinsbrocken
Doch inzwischen haben die Anforderungen der künstlichen Intelligenz und Fortschritte bei Grafikprozessoren (GPU) die Rechenleistung von Computern deutlich erhöht. Leger und sein Team haben daher eine Modellierungsmethode entwickelt, die vor allem Grafikprozessoren für ihre Berechnungen nutzt. „Damit konnten wir das erste alpenweite Modell produzieren, das den Sedimenttransport durch Gletscher in der Zeit vor 40.000 bis vor 18.000 Jahren dreidimensional abbilden kann“, erklärt das Team.
Quelle:
wissenschaft.de




