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Sehnsucht nach Anerkennung, Gemeinschaft und Würde / Das Gebetsanliegen des Papstes für den August

Am 6. Mai 1849 gründeten sieben Handwerksgesellen zusammen mit dem Kölner Kaplan Adolph Kolping einen Gesellenverein. Bald folgten überall ähnliche Gründungen – zuerst in den stark wachsenden Industriestädten des Rheinlands und Westfalens, später auch in anderen Regionen Deutschlands. Bei Kolpings Tod 1865 waren es bereits über 400 Vereine mit insgesamt fast 24.000 Mitgliedern.

Wandernde Gesellen litten während der Frühindustrialisierung in Europa unter schlechten Arbeitsbedingungen und Einsamkeit. Sie sollten in den Vereinen und ihren bald eingerichteten Häusern nach Kolpings Worten “gewissermaßen ihre Familie, gleichgesinnte und gleichberechtigte Freunde wiederfinden und mit ihnen in inniger freundschaftlicher Weise zusammenleben”. Das internationale Kolpingwerk bemüht sich noch heute in rund 60 Ländern der Erde, diese Ideale auf vielfältige Weise weiterzuführen.

Handeln aus dem Glauben heraus

Die Kolpingfamilie ist nur ein Beispiel für die Bemühungen vieler Frauen und Männer seit dem 19. Jahrhundert, “einen katholischen Beitrag zur Lösung der Arbeiterfrage” zu leisten – so Bischof Wilhelm Emmanuel von Kettler 1864. Heute würde man vielleicht sagen, dass Christinnen und Christen versuchten und versuchen, neue soziale Herausforderungen aufzugreifen und aus dem Glauben heraus zu handeln.

Die Beschreibung der Situation durch Menschen unterschiedlicher politischer und ideologischer Ausrichtung – von Sozialisten über Unternehmer und engagierte Beamte bis hin zu Geistlichen – hebt neben der wirtschaftlichen Not vor allem die “Isolierung und Einsamkeit des Menschen in der neuen Stadt” hervor, wie 1842 auch Friedrich Engels beobachtete. Papst Leo steht also mit dem Gebetsanliegen dieses Monats in einer langen Tradition.

Ganz neue Herausforderungen

Die schnell wachsenden Industriestädte stellten Gesellschaft und Kirche vor neue Herausforderungen, auf die man nur schwer Antworten fand. Sollten Christinnen und Christen sich dem Kampf der Arbeiterschaft für ein besseres Leben anschließen? Oder ging es vorwiegend um eine seelsorgerliche Begleitung der Menschen in den neuen Stadtteilen mit ihren zahlreichen sozialen Problemen?

Manchmal spielten bei der Verkündigung des Evangeliums in den wachsenden, oftmals anonymen und von Armut geprägten Ballungszentren auch innerkirchliche Konflikte mit hinein. So wurden auf römische Initiative hin 1953/54 fast alle Arbeiterpriester aus den jeweiligen Betrieben herausgenommen und sogar ein Verbot körperlicher Arbeit für Seminaristen erlassen, weil man ihre Annäherung an den “Marxismus” fürchtete.

Überraschende Kreativität

Zugleich zeigt sich aber auch eine überraschende Kreativität, Vielfalt und Begeisterung, mit welcher Ordensgemeinschaften, Gruppen und auch einzelne Frauen und Männer sich aus christlicher Hoffnung heraus aktiv wurden – und es weiterhin tun. Papst Leo kennt solche Initiativen, Projekte und Gemeinschaften in schwierigem Umfeld sehr gut, etwa aus seiner Zeit in Chicago, Chiclayo und dem von Bandenkriminalität geprägten Trujillo im Nordwesten Perus.

Die Verhältnisse haben sich gegenüber der Zeit Adolph Kolpings weiterentwickelt. Das bringt neue Herausforderungen mit sich. Im Jahr von Kolpings Tod (1865) galten London (3,7 Millionen Einwohner), Paris (2,3 Millionen), New York (1,5 Millionen) und Wien (900.000) als die größten Städte der Welt. Heute sind es Shanghai, Delhi und Karatschi mit jeweils mehr als 20 Millionen Menschen. Viele Metropolen liegen heute in sehr armen Ländern, was die Versorgung der Bevölkerung mit dem Lebensnotwendigen erschwert.

Menschliche Grundbedürfnisse

Die menschlichen Grundbedürfnisse nach Anerkennung, Gemeinschaft, Würde, Heimat und wirtschaftlicher Sicherheit bleiben aber bestehen. Vor mittlerweile 177 Jahren wurden junge Menschen kreativ und suchten im Gebet und im Handeln neue Wege.

Auch wir dürfen uns heute auf die Herausforderungen unserer Zeit einlassen, in den großen Städten das Evangelium verkünden und kreative Wege zur Gemeinschaftsbildung finden. Eine Botschaft von Adolph Kolping von 1851 kann uns darin bestärken: “Der Mut wächst, je größer die Hindernisse sind”.

Kolping International

Kolping International ist ein katholischer Sozialverband, der 1850 durch den Priester und Sozialreformer Adolph Kolping gegründet wurde. Mittlerweile sind sie als starke Weltfamilie und Solidargemeinschaft von Kolpingschwestern und Kolpingbrüdern in 60 Ländern aktiv. Man findet viele der 400.000 Mitglieder engagiert in Kirche, Gesellschaft und Politik.


Quelle:

www.domradio.de