Soziale Rangordnungen können bei gemeinsamen Feiern an Betrieben nicht zwangsläufig Spannungen erzeugen, schreiben Soziologinnen und Soziologen einer norwegischen Universität in einer aktuellen Untersuchung. Die Forschenden beobachten demnach, dass Begegnungen zwischen Beschäftigten unterschiedlicher Hierarchieebenen durchaus von Gelassenheit und Gesprächsbereitschaft geprägt sein können, wenn die Veranstaltung informell gestaltet ist.
Die Studie analysiert, unter welchen Rahmenbedingungen strukturelle Ungleichheiten sichtbar bleiben oder in den Hintergrund treten. Dem Bericht zufolge tragen Faktoren wie freie Sitzordnungen, gemeinsame Aktivitäten ohne formale Zeremonien und die Abwesenheit klar markierter Trennlinien zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitenden dazu bei, dass soziale Distanzen temporär abgebaut werden. Dagegen könne eine stark formalisierte Organisation von Veranstaltungen bestehende Rangordnungen eher reproduzieren.
Personalverantwortliche und Betriebsräte werden in der Auswertung als zentrale Akteure benannt, da Entscheidungen über Ablauf und Rituale den Charakter einer Zusammenkunft maßgeblich beeinflussen. Die Forschenden betonen, dass Gestaltungselemente von Festen — etwa die Auswahl von Programmpunkten oder die Platzierung von Ansprachen — nicht nur symbolische Bedeutung hätten, sondern praktische Auswirkungen auf Interaktionen zwischen Hierarchieebenen.
Als ergänzenden Kontext zeigt ein Bild die Geselligkeit bei einem Betriebsfest in Dongguan, einer Industriestadt in Südchina: Mitarbeitende und Vorgesetzte mischen sich in lockerer Atmosphäre. Die Studie weist darauf hin, dass kulturelle und regionale Unterschiede die Wirkung einzelner Gestaltungsprinzipien beeinflussen können und dass Ergebnisse nicht ohne weiteres auf alle Arbeitskontexte übertragbar sind.
Die Autorinnen und Autoren der Untersuchung schließen mit dem Hinweis, dass betriebliche Feiern kein Ersatz für strukturelle Maßnahmen zur Förderung von Chancengleichheit sind, wohl aber als ergänzendes Element verstanden werden können. Sie empfehlen, die Organisation solcher Veranstaltungen bewusst zu reflektieren und empirisch weiter zu untersuchen, wie informelle Begegnungen langfristig Arbeitsbeziehungen und Teamdynamiken beeinflussen.




