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SportVon Cottbuser Superhelden und Braunschweiger Überlebenskämpfern

Von Cottbuser Superhelden und Braunschweiger Überlebenskämpfern

Stand: 04.08.2026 • 23:46 Uhr

Nichts ist im deutschen Sport wohl so unberechenbar wie die 2. Fußball-Bundesliga. Selbsternannte Aufstiegskandidaten mussten zuletzt absteigen, Dorfvereine sind aufgestiegen. Verlässliche Vorhersagen gab und gibt es in beide Richtungen nicht. Überraschungen sind an der Tagesordnung. Und so ist auch der Abstiegskampf nur schwer vorauszusagen. Folgende Klubs könnten es aber in der neuen Saison schwer haben.

Jörg Strohschein

Cottbuser Superhelden

Zumindest für einen gemeinsamen Filmbesuch waren die Spieler von Energie Cottbus echte Superhelden. Als Spiderman verkleidet schauten sie sich die neueste Episode rund um den Spinnenmann an. So wie Spiderman wollen (und müssen) die Lausitzer um Trainer Pele Wollitz wohl auch in den kommenden Monaten über sich hinauswachsen, um als Aufsteiger in der 2. Liga bestehen zu können.

Leonardo Bittencourt ist zurück in Cottbus.

Mit Leonardo Bittencourt (aus Bremen) hat das Team einen bundesligaerfahrenen und auch einen Führungsspieler hinzugewonnen. Mit etlichen neuen Profis und aber auch vielen Abgängen steht eine Neuorientierung an. Geld hat der Verein wenig ausgegeben, viele Spieler sind ablösefrei gekommen.

Was sich in der Vorbereitung abzeichnet: Wollitz will weiterhin technisch anspruchsvollen und mutigen Fußball spielen lassen. Ob sich das genauso durchhalten lässt wie in der 3. Liga? Es wird wohl eine schwere Saison für die Lausitzer werden.

Osnabrück will keine Fahrstuhlmannschaft mehr sein

Auch der VfL Osnabrück steht als weiterer Aufsteiger vor einer äußerst anspruchsvollen Spielzeit. “Volle Fahrt voraus”, gab Trainer Timo Schultz vor dem Auftakt beim 1. FC Heidenheim als Motto aus. Besonders auf der Torwartposition haben die Osnabrücker auf mehr Strafraumbeherrschung gesetzt. Jonas Krumrey (22) soll den in Osnabrück äußerst beliebten und nun in seine Heimat Schweden abgewanderten Lukas Jonsson (Djurgardens IF) nicht nur ersetzen, sondern dem Team eine noch größere Sicherheit geben.

Osnabrücks Trainer Timo Schultz an der Seitenlinie.

Auch in Osnabrück ist der personelle Umbruch groß. 14 Spieler haben hier den Klub verlassen. Trainer Schultz wird in der 2. Liga vor allem auf Kompaktheit, Pressing, schnelles Umschaltspiel setzen. Gerade einmal 300.000 Euro haben die Niedersachsen für neue Spieler investiert. Davon allein 200.000 Euro für Stürmer Robin Meißner von Dynamo Dresden.

Nach den letzten sechs Aufstiegen der Osnabrücker musste der VfL meistens im ersten (vier Mal) oder spätestens im zweiten Jahr (zwei Mal) jeweils wieder absteigen. Diese Eigenschaft als “Fahrstuhlmannschaft” wollen die Osnabrücker endlich loswerden.

Braunschweig vor nächster Zittersaison?

Ob wirklich alle Fans von Eintracht Braunschweig den Nervenkitzel des jüngsten Saisonendspurts gänzlich verarbeitet haben, ist nicht überliefert. Fest steht allerdings, dass die Niedersachsen seit Jahren im Abstiegskampf feststecken – und sich daran wohl auch wenig ändern wird. “Woche für Woche Überlebenskampf. Das setzt einem schon zu”, sagte Mittelfeldspieler Lino Tempelmann.

Braunschweigs Lino Tempelmann in Aktion.

Mit Tempelmann, Florian Flick, Kevin Ehlers oder auch Ron-Thorben Hoffmann müssen in der neuen Saison Spieler in verantwortungsvollere Rollen schlüpfen, denn Geld für namhafte Verpflichtungen gibt es schon fast traditionell nicht. Fakt ist: Der Eintracht muss es über weite Strecken der Saison gelingen, nah am Leistungslimit zu agieren. Sonst wird es die nächste Zittersaison geben – die eigentlich niemand mehr in Braunschweig möchte.

Fürth mit völligem Neuaufbau

Hat Greuther Fürth aus der vergangenen Saison gelernt? Diese entscheidende Frage dürften sich die Fans vom Ronhof vor dieser Saison stellen. 25 Spieler haben jedenfalls die Fürther verlassen, mehr geht kaum. Das Kleeblatt wird in der kommenden Spielzeit ein völlig neues Gesicht bekommen, zumal auch die langjährige Führungsfigur Branimir Hrgota (zum FC St. Pauli) sowie Top-Torjäger Noel Futkeu (jetzt Eintracht Frankfurt) fort sind.

Fürths Paul Will (l.) im Zweikampf mit Magdeburgs Laurin Ulrich.

Verpflichtet wurden unter anderem mit Paul Will (Darmstadt, war in der Rückrunde schon ausgeliehen) und Shinta Appelkamp (Düsseldorf) erfahrene Zweitligaprofis, um die herum ein schlagkräftiges Team aufgebaut werden soll. Hinzu kommt viel Talent, etwa mit dem Schalker Ausleihspieler Mika Wallentowitz.

“Es war schon ziemlich Druck drauf. Nach den ganzen Abgängen war es wichtig, dass wir relativ schnell eine stabile Mannschaft zusammenbekommen. Es ist schon ungewöhnlich, dass so viele wichtige Eckpfeiler eine Mannschaft verlassen”, sagte Sport-Geschäftsführer Daniel Meyer. Auch er wird sich überraschen lassen müssen, wie der völlige Neuaufbau gelungen ist.

Magdeburg setzt auf Kontinuität

In der Vorsaison wäre das mit dem Klassenerhalt fast daneben gegangen. Erst am letzten Spieltag reichte es zur Rettung. In der fünften Zweitliga-Spielzeit in Folge soll es aber wieder aufwärts gehen. In Magdeburg wollen sie weiter sehenswerten Fußball spielen.

Nach Baris Atik bleiben in Dominik Reimann und Tobias Müller zwei weitere zentrale Führungsspieler dem Klub langfristig treu. Und auch Trainer Petrik Sander (65) hängt noch ein Jahr dran.

Wenn die Magdeburger ihre Heimschwäche in den Griff bekommen, sollten sie in der anstehenden Spielzeit nicht so sehr in Bredouille geraten.


Quelle:

www.sportschau.de