Josh Hutcherson im Interview: Ein Gespräch über “Tribute von Panem” und warum er lieber offline ist.
Josh Hutcherson hat so ein Ding mit Spiegeln. Noch vor einem Jahr hätte man darauf wetten können, dass er an einem normalen Tag nicht einmal hineingeschaut hätte. Egal, was er vorhatte, wen er treffen würde oder ob ihn ein Fan in einem Laden mit unvorteilhaftem Licht um ein Foto bat – die Wahrscheinlichkeit war hoch, dass er das Haus verließ, ohne genau zu wissen, wie er eigentlich aussah. Und eigentlich ist das immer noch ein bisschen so. “Das klingt jetzt wahrscheinlich verrückt”, so Hutcherson. “Aber an den meisten Tagen bin ich unterwegs und merke plötzlich, dass ich gar nicht weiß, wie mein Gesicht gerade aussieht.”
Vor zwölf Monaten sah seine Routine, bevor er das Haus verließ, so aus: Er machte eine kurze Abklopfbewegung an der Tür, um zu schauen, ob er alles dabei habe. Handy, Geldbeutel, Schlüssel – passt. “Ich hätte einen riesigen Pickel mitten im Gesicht haben können und hätte es nichtmal gemerkt.” Es gibt zwar genügend Fanfotos im Internet die zeigen, dass das offenbar nicht der Fall war, dennoch ist es bemerkenswert, wie egal ihm sein Aussehen lange war.
Josh Hutcherson: Die ständige Beobachtung hat seine Unsicherheiten befeuert
Man kennt Hutchersons jungenhaftes Aussehen aus den vier “Die Tribute von Panem”-Filmen, in denen er Peeta Mellark spielte. Den gutherzigen Jungen aus Distrikt 12 an der Seite von Heldin Katniss Everdeen, gespielt von Jennifer Lawrence. Genau wegen dieser Filme wird Hutcherson täglich von Fans um Fotos gebeten. Und sie sind auch ein Grund dafür, warum er jahrelang den Spiegel gemieden hat, bevor er aus dem Haus ging.
Für ihn fühlte sich all das “wie ein Raketenstart” an – ein rasanter Anstieg an Aufmerksamkeit und Erfolg. Hutcherson, der schon als Neunjähriger in Filmen wie “Zathura: Ein Abenteuer im Weltraum” und dem emotional aufwühlenden “Brücke nach Terabithia” vor der Kamera stand, sagt, er sei regelrecht “darauf konditioniert” worden, dass Kameras überall präsent sind. Ständige Beobachtung, meint er, kann ziemlich viel mit dem Selbstwertgefühl anstellen.
“Man wird immer beobachtet. Man muss jederzeit damit rechnen, gefilmt oder fotografiert zu werden, und das hat direkten Einfluss auf die eigene Karriere und darauf, welche Rollen man bekommt. Also… man ist sich dessen ständig bewusst”, sagt er. Plötzlich sind die ganz normalen Unsicherheiten eines Teenagers jederzeit für alle sichtbar – in gestochen scharfer Qualität.
“Ich habe Rosazea, also werde ich sehr schnell rot, wenn ich in der Sonne bin, auch wenn ich eine Kappe und Lichtschutzfaktor 4.000 trage”, erklärt er. “Ich kriege Pickel – nicht gerade sexy. Und ich bin auch eher klein. Man kennt seine Schwachstellen. Du bist da draußen, alle schauen dich an und urteilen. Genau diese Unsicherheiten greifen sie auf und halten sie dir vor.”
“Ich kriege Pickel – nicht gerade sexy. Und ich bin auch eher klein. […] Genau diese Unsicherheiten greifen sie auf und halten sie die vor.”
Quelle:
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