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SportFrench Open: Der unwahrscheinliche Weg von Tamara Korpatsch in Runde drei

French Open: Der unwahrscheinliche Weg von Tamara Korpatsch in Runde drei

Stand: 28.05.2026 • 23:22 Uhr

Wer hätte das gedacht: Die letzte Deutsche bei den French Open heißt Tamara Korpatsch. Mit 31 Jahren steht sie zum ersten Mal in ihrer Karriere in der dritten Runde eines der vier Grand Slams. Und das ohne Unterstützung des Deutschen Tennisbundes.

Erst einmal musste sich Tamara Korpatsch rechtfertigen. Als ihr noch die Freude über den erstmaligen Einzug in die dritte Runde bei einem Grand Slam ins Gesicht geschrieben stand, sah sie sich gezwungen, sich noch mal zu einer umstrittenen Szene in ihrem Match gegen die Chinesin Wang Xinyu zu äußern.

Die hatte Ende des ersten Satzes einen Ball gut gesehen, der Aus gegeben wurde. Korpatsch ihrerseits hatte angezeigt, dass dort, wo der Ball mutmaßlich gelandet war, nicht nur einer sondern gleich zwei Abdrücke im Sand waren, und zwar beide im Aus. Das hielt Wang wiederum nicht davon ab, unerlaubterweise selbst nachzuschauen und zweitens Korpatsch vorzuwerfen, sie habe bewusst einen falschen Abdruck gezeigt.

Tamara Korpatsch und Xinyu Wang diskutieren über die Gültigkeit eines Schlages

Der Rest ist Geschichte, Korpatsch verzichtete auf den üblichen Handschlag, die Medien hatten ihren kleinen Skandal. “Es wäre mir peinlich, hier so zu betrügen. Ich weiß nicht mal, wie ich betrügen soll. Es gibt so viele Kameras hier, die alles sehen.” Der Ärger über die ihrer Meinung nach haltlosen Vorwürfe wich dann aber schnell wieder dem Stolz und der Freude über das soeben Erreichte. Eine Premiere. Mit 31 Jahren, nach 15 Jahren auf der Tour.

„Hatten nicht viel Geld“

Die Tennis-Statistik-Website tennisabstract.com führt den 22. August 2011 als erstes Datum für ein Profimatch von Tamara Korpatsch auf. Ein ITF-Turnier der untersten Kategorie in Braunschweig. Sie gewann eine Runde.

Es dauerte fast zwei Jahre, bis sie erstmals in der Weltrangliste auftauchte, nachdem sie im ostwestfälischen Versmold die zweite Runde erreichte. Platz 814. “Ja, wir hatten es nicht leicht. Wir starteten mit ITF-Turnieren in Deutschland, weil wir nicht viel Geld hatten.” Korpatsch spricht immer im Plural über sich. Ihr Erfolg ist der Erfolg der ganzen Familie.

Ihr Vater brachte ihr das Tennisspielen bei, ihre Mutter ist selbstverständlich auch heute bei jedem Turnier zugegen. “Meine Mutter ist als Unterstützung dabei und manchmal auch als Besaiterin. Und jetzt ist sie auch Hundesitterin.” Zum Team Korpatsch gehört seit einem knappen halben Jahr auch der Maltipoo Stella.

Versmold, Darmstadt, Ratingen, Braunschweig. Was sich liest wie eine spannende Partie Deutschlandreise, war der Grundstock für die Karriere von Korpatsch. Nicht der finanzielle. Nein, bei weitem nicht. Es geht um die Weltranglistenposition. Von den ganz kleinen ITF-Turnieren zu den größeren ITF-Turnieren. Die mehr Punkte bringen, die etwas mehr Preisgeld bereithalten. Dann vielleicht mal in ein WTA-Turnier reinrutschen, die Qualifikation für die Grand Slams erreichen. Erst dann kann Geld verdient werden.

Im Auto geschlafen

2016 war es so weit. Vorausgegangen waren 15 Siege am Stück. In Darmstadt, Horb und Bad Saulgau. Um es in der Rockbandsprache zu sagen: Korpatsch spielte in den ganz kleinen Clubs. “Wir haben damals im Auto geschlafen. Nach einiger Zeit konnten wir uns einen Camper leisten. In dem haben wir dann neben den Turnieranlagen geschlafen, das war schon ein ganz schöner Luxus für uns.” Die Qualifikation für die US Open war die erste Reise außerhalb Europas für das Familienunternehmen.

Tamara Korpatsch während eines Tennis-Turniers in Brisbane im Jahr 2016

Aber von Tennisromantik ist diese Geschichte weit entfernt. Die Verantwortung, erfolgreich zu spielen, hat auch die 31-Jährige gespürt: “Ich hatte einen großen Druck, gewinnen zu müssen. Meine Eltern haben alles dafür gegeben, dass ich Profi werden kann. Aber wenigstens habe ich es geschafft.”

Nur 400 – 500 können vom Tennis leben

Korpatsch gehörte zu den Spielerinnen, die Aryna Sabalenka meint, wenn sie sagt: “Ich rede hier nicht über mich. Ich will mithelfen, dass auch Spielerinnen jenseits der Top 100 von diesem Sport leben können.”

Die Top-Profis hatten beim Media Day ihre Präsenz für die Medien auf 15 Minuten gedeckelt. Sie wollen erreichen, dass die Grand Slams mehr als 15 Prozent ihres Umsatzes an die Spielerinnen und Spieler weitergeben. Novak Djokovic, der 2021 maßgeblich dazu beitrug, die Gewerkschaft Professional Tennis Players Association (PTPA) zu gründen, hatte schon vor Jahren davon gesprochen, dass nur 400-500 Spieler weltweit von Tennis leben können, und das über alle Wettbewerbe verteilt.

Mit dem Erreichen der dritten Runde hat Korpatsch 187.000 Euro verdient. Vor Abzug der Steuern. Dennoch ein Meilenstein für die 31-Jährige. Sie wird nach diesen French Open die drittbeste Spielerin aus Deutschland in der Weltrangliste sein. Nach Laura Siegemund und Tatjana Maria und noch vor Eva Lys.

Keine Beziehung zum DTB

Dennoch kann ihre Beziehung zum Deutschen Tennis Bund als nicht existent bezeichnet werden. Immerhin: Der Bundestrainer der Frauen, Torben Beltz, ist regelmäßig bei den Grand Slams vor Ort, sitzt in der Ecke von Korpatsch.

Beltz hatte die Hamburgerin auch gefragt, ob sie in Portugal beim Billie-Jean-King-Cup dabei sein wolle. Korpatsch sagte ab, sie hatte die Chance, beim WTA-Turnier in Linz wieder unter die Top 100 zurückzukehren. Sie erreichte das Achtelfinale, eine Woche später erfolgte die Rückkehr in den exklusiven Club der besten 100 Tennisspielerinnen.

Das deutsche Team stieg zum ersten Mal in die dritte Liga des Mannschaftswettbewerbes ab. Ob sie nächstes Jahr beim Neuanfang dabei sein wird, darf bezweifelt werden. In früheren Jahren wurde Korpatsch trotz guter Ergebnisse und Ranglistenpositionen nicht nominiert. Sie fühlte sich damals von der ehemaligen Bundestrainerin Barbara Rittner missverstanden und übergangen.

Am Freitag geht es gegen die Weltranglisten-Siebte Elina Svitolina aus der Ukraine. Korpatsch ist die klare Außenseiterin, aber sie hat sich in ihrer Karriere schon gegen größere Widerstände durchgesetzt. Die Zeiten des Campers neben den Turniergeländen scheinen in jedem Fall vorbei.


Quelle:

www.sportschau.de

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