Der Bundestrainer versichert, dass sich niemand um die Wade von Manuel Neuer sorgen müsse. Aber sowohl die Wade wie auch der Rest des 40 Jahre alten Torwarts bleiben im Trainingslager der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ein Thema.
Wie eine “richtig gute Familie” solle die deutsche Fußball-Nationalmannschaft sein, um bei der anstehenden Weltmeisterschaft die herben Enttäuschungen der vergangenen beiden Auflagen vergessen zu machen. Auf dem Weg dahin wird eine Tradition belebt.
Am Freitag (29.05.2026) kommen die echten Familien zu den 25 Spielern, die sich in Herzogenaurach versammeln. Trainiert wird trotzdem. Anders als am Vortag, als die Journalisten die ganze Einheit beobachten durften, bleiben die Türen am Freitag zu, so entfällt die Suche nach Manuel Neuer und dessen linker Wade.
Übungen zum “Belastungsaufbau”
In der Regio suralis, so der medizinische Fachbegriff, soll es gut vorangehen. Neuer sei am Donnerstag gelaufen, danach habe er im Fitnessraum ein paar Übungen zum “Belastungsaufbau” gemacht, wie der der DFB mitteilte. Dass die Nummer zwei Oliver Baumann am Sonntag in Mainz beim Test gegen Finnland im Tor stehen werde und die Nummer eins noch geschont werde, hatte Bundestrainer Julian Nagelsmann schon am Tag zuvor kundgetan.
Titel für besonder wichtige Spieler
Die Kamera der Sportschau fing Neuer beim Verlassen des Gyms ein, und auch Fotografen haben den Beweis, dass Manuel Neuer rund läuft. Da gibt es ja Zweifel, auch wenn Nagelsmann schon am Mittwoch gesagt hatte, dass sich niemand Sorgen machen müsse. Aber wenn die Wade eines extrem wichtigen Nationalspielers lädiert ist, dann wird die Nation wuschig, und die entsprechende Wade zur Wade der Nation.
Michael Ballack trug den Titel mehrmals, und weil die Wade beim “Capitano” vor dem Finale der Europameisterschaft 2008 zwickte, war die Aufregung äußerst groß. Er konnte dann spielen. Half aber nichts, Deutschland verlor gegen Spanien 0:1.
Alle fragen alle, Tah schmunzelt
Jonathan Tah musste etwas schmunzeln, als er der Sportschau sagte, dass sich wirklich, wirklich, wirklich niemand Sorgen machen müsse. “So, wie das von außen immer aufgebauscht wird, so sieht das bei uns im Team nicht aus.”
Tah war einer von nur sechs Spielern, die beim zuvor jeweils mit dem kompletten Kader angebotenen Medientag Fragen beantworteten. Die Frage nach Neuer war auf der Rangliste weit oben, bei Nathaniel Brown wurde allerdings nicht speziell nach der Wade, sondern dem Gesamtkonstrukt gefragt. “Das war schon was Besonderes, als ich ihn das erste Mal so erlebt habe. Der hat schon eine Aura”, sagte der 22 Jahre alte Turnierneuling von Eintracht Frankfurt.
Der beste Torhüter der Welt!
Zur Rückholaktion wurden die Spieler auch gefragt, und so war dann auch mehrmals zu hören, dass es schließlich um den “besten Torhüter der Welt” ging. Da stellt sich dann wieder die Frage, warum sich nicht viel früher um eine Rückkehr bemüht und Baumann reiner Wein eingeschenkt wurde. Das Thema könnte die Fußballnation noch einholen, genau wie die Wade.
Bester Torwart der Welt – das ist so eine Sache. Wie soll das objektiv bewerten werden? Sicher gab es Zeiten, und ganz, ganz sicher war das etwa im Jahr 2014, als die meisten Milliarden Menschen auf dieser Welt gesagt haben, dass Neuer der Beste sei.
Die Zahl dürfte abgenommen haben, denn Neuers linke Wade ist inzwischen 40 Jahre alt, genau wie der Rest. Aber er muss ja auch in den USA und Kanada (für die deutsche Mannschaft führt kein Weg nach Mexiko) auch nur beweisen, dass er besser ist als Oliver Baumann.
WM in Katar: Hätte er den nicht halten können?
Manuel Neuer hat Bester-Torwart-der-Welt-Spiele wie das im Viertelfinale der Champions League bei Real Madrid. Aber in den vergangenen Jahren häufen sich die Spiele, in denen er wie viele andere Torhüter auf hohem Niveau spielt. Bei der WM in Katar, vor der er wegen einer Schulterverletzung länger ausgefallen war, gab es bei manchen Toren schon die leise Nachfrage, ob er den nicht hätte halten können.
Werte werden deutlich schwächer
In den vergangenen drei Bundesligaspielzeiten kam Neuer immer auf unter 70 Prozent abgewehrter Bälle. In der Saison waren es 64 Prozent, der zweitschwächste Wert seiner Karriere. Bis 2018 lag er im Durchschnitt bei 77 Prozent, wie der Datendienstleister Sportes Solutions meldet.
Aber die weiterhin unbestrittene große Klasse, die Aura, die Erfahrung von inzwischen 124 Länderspielen, darunter 39 bei großen Turnieren, machte ihn knapp zwei Jahre nach dem Rücktritt zur Nummer eins.
Bei allen Beschwichtigungsversuchen wird die Nation weiterhin jeden Tag zumindest mal nachfragen, wie es denn der Wade gehe. Am Freitag ist Neuer bei einer Autogrammstunde des Ausrüsters. Da bleibt während der Unterschrift ja Zeit für diesen kurzen Plausch.
Quelle:
www.sportschau.de





