Werbungspot_imgspot_img
LebensstilLeo Altaras im Interview: “Das ist auch eine Liebeserklärung an Europa”

Leo Altaras im Interview: “Das ist auch eine Liebeserklärung an Europa”

Leo Altaras über die Serie “Die Zweiflers”

Sie sind auch Schauspieler, hoch gelobt etwa in dem Film “Servus Papa, See You in Hell” oder in der Serie “Die Zweiflers”, in der sie einen Künstler spielen, der seine jüdische Identität zu greifen versucht. Wie haben Sie sich in der Rolle gefühlt?

Gut. Wir spielen uns ja alle zu einem gewissen Grad selbst. Ein pubertierender Künstler zu sein, der nicht so richtig verstanden wird von seiner Familie, in dieser Situation war ich auf jeden Fall auch schon. Ich hatte auch den Drang, mich zu emanzipieren und mir so meinen eigenen Kosmos aufzubauen. Mein Bruder und ich werden auch ständig miteinander verglichen, wofür ich niemanden beschuldige. Das macht man ja genauso mit anderen Geschwistern, aber es tut ganz gut, mal ein bisschen frische Luft zu schnappen. Jetzt kreiere ich mir meinen eigenen Space.

Es gibt viel Interesse an Ihnen beiden, aber ich kann mir vorstellen, dass es manchmal hart ist, als Duo vereinnahmt zu werden und nicht als Individuum wahrgenommen zu werden.

Absolut, ja. Aber um das nochmal zu unterstreichen: Wir reden über ganz große Pläne und wollen eine Filmproduktion zusammen machen. Es ist nicht so, dass wir uns jetzt hier wie die Safdie Brothers verkrachen, die nur noch getrennt voneinander Filme machen, aber dann beide über Extremsport. So weit kommt es nicht, aber einfach mal ein kleiner Aufatmer für mich.

Sie leben jetzt in Amsterdam, wo auch Ihr Bruder studiert hat. Wie kam es dazu?

Als ich überlegt habe, wo ich hinziehen wollen würde, hab ich mich schon gefragt, ob ich jetzt in die Stadt ziehe, in der mein Bruder auch studiert hat. Das kann ich doch nicht machen. Ist am Ende eigentlich scheißegal.

Warum Leo Altaras in Amsterdam lebt

Es war also etwas anderes, was Sie nach Amsterdam gezogen hat.

Es war eine Mischung aus verschiedenen Gründen. Erstmal die Idee, Berlin zu verlassen, hatte ich schon lange. Ich bin grundsätzlich ein sehr neugieriger Mensch, was ich in Berlin einfach nicht mehr war. Ich war unzufrieden und gelangweilt von mir selbst. Das wirkt sich unmittelbar auf die Arbeit aus. Ich war dann in einem ungesunden Kreislauf aus Antriebslosigkeit, Frustration, Selbstmitleid und wusste, dass Amsterdam mir immer schon gut gefallen hat. Ich hab hier viel aufgelegt, war hier viel zum Musikmachen und hatte dann noch mal Lust zu studieren. Ich will gar nicht auf diesen „Ich hasse Berlin”-Zug springen. Berlin wird immer meine Nummer 1 bleiben. Meine Familie ist da und meine engsten Freunde sind dort, aber ich hatte als Kind schon ein extremes Gefühl von Fernweh.


Quelle:

www.gq-magazin.de